Open Access als (Nischen)thema beim sogenannten Zukunftsdialog

Crosspost von www.offene-wissenschaft.de.

Die Ergebnisse des im Februar gestarteten Zukunftsdialogs der Kanzlerin liegt nun in einem Abschlussbericht vor, den die ehrenamtlich beteiligten Fachleute am 28. August im Kanzleramt vorgelegt haben (Abschlussbericht als PDF).

Im Kern ging es bei dieser politischen Veranstaltung um die drei großen Fragen “Wie wollen wir leben? Wovon wollen wir leben? Wie wollen wir lernen?”. Parallel zum Bürgerdialog fand bereits seit 2011 ein Expertendialog statt, der gemeinsam mit dem Bürgerdialog in konkrete Vorschläge zusammenfließen sollte.

Im Frühjahr 2011 initiierte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Zukunftsdialog, der aus zwei Teilen bestand. Der erste Teil, der „Expertendialog“, war ein Zukunftsdialog mit unabhängigen, überparteilichen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, der zweite ein Zukunftsdialog mit Bürgern, der „Bürgerdialog“. Unter der Überschrift „Dialog über Deutschlands Zukunft“ wurden drei Themenfelder diskutiert, die in den kommenden zehn Jahren hohe Relevanz für Deutschlands Zukunft haben. Ziel des Dialogs war es, konkrete Handlungsvorschläge für die Politik auf Bundesebene in politisch relevanten Handlungsfeldern zu erhalten.

 

Quelle: Screenshot
Bei dem Dialog über Deutschlands Zukunft ging es also vor allem auch darum die Bürger bei der Diskussion über die Zukunft Deutschlands teilhaben zu lassen und ihnen zumindest das Gefühl zu geben, sie könnten sich durch eigene Vorschläge an den Überlegungen der Bundesregierung beteiligen. Inwieweit die Vorschläge der Bürger zumindest einigermaßen gleichberechtigt berücksichtig werden konnten ist (zumindest mir) unklar, zumindest nach dem Passus im Abschlussbericht:

Parallel verfolgten wir den Online-Bürgerdialog und beteiligten uns durch den einen oder anderen Blogbeitrag. Natürlich konnten wir uns nicht alle 11.600 Vorschläge ansehen. Daher wurden sie vom Redaktionsteam des Bundespresseamtes von den reinen Meinungsäußerungen getrennt und uns dann nach Themen sortiert für unsere Beratungen zur Verfügung gestellt. Einige Arbeitsgruppen konnten sich hier neue Anregungen holen. Andere mussten feststellen, dass die Bürger ihre Themen anders interpretierten. Wieder andere fanden eine hohe Übereinstimmung der Schwerpunkte. Sofern es die Zeit der Experten und in den Arbeitsgruppen zuließ, wurden einzelne Vorschläge aufgenommen oder kommentiert.

Einige kleine Auswahl des Bürgerdialogs kann man sich zumindest auf den Seiten der Bundesregierung anschauen (PDF)
Interessant (besonders vor dem thematischen Fokus dieses Blogs) sind darüber hinaus die Expertenvorschläge, die ebenso als PDF vorliegen. In Vorschlag 24 heißt es darin:

Förderung des offenen, freien Zugangs („Open Access”) der Wissenschaft zu Daten und Informationen (z. B. Ergebnisse von Studien der Bundesregierung und der Verwaltung; Datenbanken zu wissenschaftlichen Ergebnissen oder Bildungsinhalten; Portal zu Innovationsprojekten).

Das ist ein hehrer Gedanke, wenn auch nur ein (wichtiger) Aspekt im Zuge einer begrüßenswerten Öffnung von Forschungs-, Bildungs-, Regierungs- und Verwaltungsprozessen. Das Konzept findet sich dann im Abschlussbericht, also dem “Ergebnisbericht der Expertinnen und Experten des Zukunftsdialogs der Bundeskanzlerin 2011/2012″ zumindest grundlegend wieder. Allerdings ist die Einordnung sowohl in der Kurzfassung (PDF), als auch in der Langfassung (PDF) etwas merkwürdig, denn hier ist von Open Access eigentlich nur hinsichtlich der Transparenz der Bundesbehörden die Rede, so könnte man zumindest schließen, wenn man sich die Einordnung unter dem Vorschlag 1 “Mehr Transparenz durch pro-aktive Veröffentlichungspflichten für Bundesbehörden und ein gemeinsames Informationsregister ” ansieht. Zumindest vom Text könnte man dann schließen, dass Open Access nicht nur auf eigene Publikationen, sondern auch auf alle Publikationen die aus öffentlichen Geldern finanziert sind, anwendbar wäre:

Vorhandene und mit öffentlichen Mitteln finanzierte Studien und Gutachten liefern vielfältige Expertise
und Impulse. Diese eignen sich auch für andere Arbeiten, die sich durchaus von dem ursprünglichen
Zweck der Erstellung unterscheiden, was jedoch bei Auftragsvergabe nicht vorhersehbar war. Im Sinne von Open Knowledge (Offenes Wissen) und Open Access (Freier Zugang) wäre es für die Bundesverwaltung konsequent, sämtliche in Auftrag gegebene Studien frei, also unbeschränkt und kostenlos im Internet zugänglich zu machen, solange diese keine schutzbedürftige Inhalte umfassen.

Auf weitere, oder ausführlichere Erwähnungen wartet man, wenn ich das richtig sehe, vergeblich. Selbst in dem recht ausführlichen, bildungsbezogenen Teil findet man leider keine Erwähnung, das einzige “offene” Konzept dieses Teils ist die Open University.

Wie man das nun deuten kann oder gar sollte, dürfte eine interessante Diskussionsgrundlage sein.

Die Flucht aus dem Elfenbeinturm, wie ich sie mir vorstelle

Da ich ja in der nächsten Woche das Vergnügen haben werde mit einigen sehr schlauen Köpfen zum Thema der Forschung und Lehre zum Mitmachen zu diskutieren, möchte ich im Vorfeld gern meinen Standpunkt festhalten, um zu sehen wie er sich in der Diskussion oder danach verändert.

Ich möchte das Thema allerdings etwas weiter halten und hier gern ein paar Punkte meiner Sicht zur Wissenschaft und Lehre zum Teilhaben darlegen. Warum diese Änderung? Ich verwende hier den Begriff Wissenschaft als etwas weiteren Begriff von Forschung – Wissenschaft dürfte ja im Kernverständnis sowohl Forschungs- als auch Lehreanteile enthalten – um den systemischen Aspekt von Forschung einzubeziehen. Forschung findet ja in weiten Teilen in einem eigens dafür geschaffenen System statt, z.B. in den wissenschaftlichen Institutionen und Organisationen, aber auch in Unternehmen. Ein zahlenmäßig kleinerer Anteil dürfte sogar außerhalb von solchen Systemen stattfinden, einfach weil Menschen den Drang haben, Dingen auf den Grund zu gehen. Ich benutze hier also Wissenschaft als einen weiterfassenden Systembegriff, um auch die damit einhergehenden Systemzwänge einzubeziehen. Des Weiteren möchte ich den Begriff Mitmachen auf Teilhaben erweitern, oder (je nach Blickwinkel) abschwächen. Für mich hat Mitmachen einen starken Fokus auf die aktive Beteiligung, in Kombination von Forschung und Lehre wäre ein Mitmachen die aktive Beteiligung an einem dieser beiden Prozesse, also ein Investieren an Zeit und Energie in die Mitgestaltung dieser Prozesse. Ich möchte den Begriff in diesem Text ein wenig erweitern, da ich für ein nichtelitäres, offenes Verständnis von Wissenschaft und Lehre glaube, das nicht immer ein aktives Mitmachen an einzelnen Prozessen vonnöten ist. Diese Möglichkeit sollte bestehen, für mich fängt das offene Verständnis von Wissenschaft und Lehre aber bereits da an, wo ich informativ an den darin stattfindenden Prozessen und den beteiligten Akteuren informativ Teilhaben kann. Teilhabe hat hier für mich also einen rezeptives Moment (die Möglichkeit an Informationen zu bekommen und die Prozesse transparent nachvollziehen zu können) und kann darüber hinaus auch ein aktives Moment haben (die Möglichkeit aktiv über Kommunikation oder Beteiligung an Arbeitsprozessen und Ergebnissen mitzumachen).

Genug der Vorrede, die ich bloß vorangestellt habe, um zu verdeutlichen, dass ich an dieser Stelle ein wenig mehr Punkte aufführen könnte, als in der oben erwähnten Diskussion auf der diesjährigen re:publica eine Rolle spielen. Darüber hinaus möchte ich noch anbringen, dass ich eine eher progressive (manche würden es vielleicht auch radikaler nennen) Ansicht hinsichtlich einer offenen Wissenschaft und Lehre innehabe, als viele andere Menschen. Ich war 5 Jahre im Wissenschaftssystem tätig und habe bei der Fraunhofer-Gesellschaft an der spannenden Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft gearbeitet. Auch weiterhin beschäftige ich mich bspw. an der Uni und im Rahmen meines Podcasts Explorism – Scientists in Progress mit der Wissenschaft als System (Raum für Forschung, Raum für Nildung, aber auch Arbeitgeber und Raum für Menschen). Sicher sind die Einblicke, die ich im Rahmen dieser Tätigkeiten in das Wissenschafts- und Lehrsystem erlangen konnte und werde nur marginal im Vergleich mit jenen, die seit 20 Jahren oder mehr in diesen Feldern tätig sind. Darüber hinaus ist mir klar, dass jedwede Tranparenz auch immer unter der Wahrung bestimmter Interessen der beteiligten Akteure betrachtet werden muss (Geheimnisrechte, Sicherheitsaskpekte, Zuwendungen von Verwertungsinteressenten, etc.), dem steht aber eine grundlegende Offenheit des Systems nicht entgegen. Ich erlaube mir hier also eine (an vielen Stellen sicher diskussionswürdige) Meinung zu haben, ganz einfach weil ich es kann und weil ich für diese Gesellschaftsbereiche genügend Faszination mitbringe, um mich eingehend mit ihnen zu beschäftigen.

Nun aber genug mit dem Vorgeplänkel. Ich möchte gern im Folgenden ein paar Standpunkte darlegen und bin im Nachgang zur Veranstaltung und den Diskussionen gespannt inwieweit ich eines Besseren belehrt werde. ;-)
Als Vorbereitung zu den nachfolgenden Punkten empfehle ich übrigens die Lektüre einiger Beiträge von Christian Spannagel zum Öffentlichen Wissenschaftler (hier und hier), von Oliver Tacke (hier und hier) und der P2PFoundation (hier). Was also bedeutet für mich also der Begriff einer Offenen Wissenschaft und Lehre, denen die Möglichkeit zur Teilhabe immanent sein soll?

Aspekte Offener Wissenschaft

Wiki Commons (CC BY-SA 3.0)

  • Die Wissenschaft (Institutionen, Organisationen, Personen) bietet einen offenen Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen (Open Access), der es jedermann erlaubt diese Ergebnisse entgeltfrei zu lesen, herunterzuladen oder zu verlinken. Dies gilt natürlich auf jeden Fall für solche Ergebnisse, die aus öffentlichen Geldern finanziert werden, wäre aber auch für alle anderen Ergebnisse wünschenswert (hier müsste man sicher über Modalitäten wie bspw. die Granularität der Darstellungstiefe nachdenken).
  • Im Sinne einer Open Access Strategie sollte die Wissenschaft den Nutzern (also der Öffentlichkeit) darüber hinaus z.B. über Freie Lizenzen eine weitere Nutzung bieten, die besonders für öffentlich finanzierte Forschung die Vervielfältigung, Verbreitung oder auch Bearbeitung der Dokumente (natürlich unter entsprechender Kennzeichnung) erlaubt.
  • Die Wissenschaft bietet einen offenen Zugang zu wissenschaftlichen Rohdaten und Tools (OS – Open Source / OD – Open Data), die wiederum unter einer bestimmten Lizenz zur Nach- und Weiternutzung zur Verfügung stehen. Dies erhöht zum einen die Nachvollziehbarkeit und Überprüfbarkeit wissenschaftlicher Arbeit, zum anderen ermöglicht sie aber auch Ansatzpunkte für weitere Forschung, alternative Forschungsrichtungen und nicht zuletzt auch Ansatzpunkte für die Wirtschaft.
  • Die Wissenschaft bietet der Öffentlichkeit eine offene Kommunikation hinsichtlich der in ihr stattfindenden wissenschaftlichen Arbeitsprozesse (Forschung) sowie der systeminternen Arbeitsprozesse (Verwaltung). Dieser Punkt ist immens wichtig, um einen transparenteren Einblick in die Wissenschaftswelt und das Wissenschaftssystem zu erlauben und Verständnis, aber auch Anreize in der Öffentlichkeit zu schaffen. Fragen wie Wie verlaufen wissenschaftliche Forschungsprozesse?, Wie werden wissenschaftliche Projekte auf den Weg gebracht?, Wer sind die Personen hinter den wissenschaftlichen Ergebnissen? oder Wie verläuft der Alltag in der Wissenschaft? offen zu beantworten, ist unter anderem auch immens wichtig, um den Nachwuchs für die Arbeit in der Wissenschaft zu begeistern. Damit einhergehend beinhaltet diese offene Kommunikation auch den vernünftigen und offenen Umgang mit so etwas wie dem Scheitern (das der Wissenschaft ja mit dem Falsifikationsprozess immanent ist).
  • Die Wissenschaft bietet einen offenen wissenschaftlichen Diskurs, der es Wissenschaftler z.B. erlaubt (sofern diese es wollen) ihre Ideen, Arbeitsmethoden und Ergebnisse offen z.B. im Netz zu diskutieren und so auch anderen Menschen die Möglichkeit geben am Forschungsprozess teilzuhaben und sich ggf. auch an der Lösung des Forschungsproblems zu beteiligen.
  • Die Wissenschaft bietet einen offenen (also nachvollziehbaren) Begutachtungsprozesse bei Publikationen sowie eine offene (also transparente) Behandlung von Forschungsantrags- und Förderungsvergabeverfahren.

Aspekte Offener Bildung und Lehre

  • Das Bildungssystem bietet einen freien Zugang zu Lern- und Lehrmaterialien (z.B. durch das zur Verfügung stellen von Open Educational Resources oder OpenCourseWare) und einen freien Zugang zu Lehrveranstaltungen (Offene Kurse z.B. in Form der Massive Open Online Courses). Durch dererlei Maßnahmen erhalten wir ein offenes Bildungssystem, dass nicht nur Wissen frei jenen zur Verfügung stellt, die sich im Bildungssystem integrieren, sondern auch jenen die (aus welchen Gründen auch immer) nicht integriert sind. Aus meiner Sicht ist Wissen und Bildung keine Hoheitsobjekt, sondern ein Kulturgut.
  • Das Lehrsystem, also Institutionen, Organisationen oder Personen mit Lehrauftrag bieten partizipative Lern- und Lehrmethoden (z.B. Lernen durch Lehren, Forschendes Lernen).
  • Das Lehrsystem stellt seine Lehre öffentlich zur Diskussion und öffnet sich einem Diskurs an dem alle Beteiligten (Lehrende und Lernende) eine gerechte und angemessene Chance auf Beteiligung zur Gestaltung von Lehre haben.

Zum Abschluß bleiben mir noch drei Dinge, die ich gern betonen möchte.

Zum ersten habe ich hier sicher Idealvorstellungen geschildert die nicht leicht umzusetzen sind und auch nicht 1:1 in die Wirklichkeit übernommen werden können. Bei vielen dieser Punkte muss man über eine Ausgestaltung nachdenken, Ideen diskutieren und gemeinsam mit den am Prozess Beteiligten an einer adäquaten Lösung und Umsetzung arbeiten. Hauptsache ist aber, dass man überhaupt erst einmal den Bedarf erkennt und anfängt darüber zu reden!

Zum zweiten möchte ich mich der Einschätzung von Christian Spannagel et al. anschließen: “Öffentliche Wissenschaftler [und Lehrende] müssen nicht alle Punkte umsetzen. Je nachdem, wie viele dieser Aspekte sie berücksichtigen, sind sie ‘mehr’ oder ‘weniger’ öffentlich. Wichtiger Punkt ist aber, dass nicht nur Produkte der wissenschaftlichen Tätigkeit veröffentlicht werden (das machen alle Wissenschaftler), sondern dass der Prozess des wissenschaftlichen Arbeitens transparent wird.”

Und zum dritten und letzten möchte ich noch einen Appel loswerden, den ich bereits in meiner Nachbetrachtung zum letzten Forum Wissenschaftskommunikation äußerte. Dort habe ich es so formuliert: “Die Wissenschaftskommunikation hadert m.E. in den eigenen Prozessen mit einem der essentiellen Untersuchungsmethoden der Wissenschaft selbst – dem Experiment! Wo ist der Mut bei so vielen, einfach mal etwas auszuprobieren? Wo ist der Mut zu Scheitern, durch dieses Scheitern einem Erfolg aber wenigstens schrittweise näher zu kommen? Und wer sagt überhaupt, dass man Scheitern wird? Wo ist der Spaß???” Was ich damit sagen will, ist, dass wir bei allen kritischen Punkten die zu bedenken sind, nicht eine grundlegende Sache außer Acht lassen sollten: Laufen lernt man nur durch Laufen!

Ich freu mich auf Eure Eindrücke, Ideen und Diskussionen – entweder hier, oder noch lieber am 2. Mai ab 16Uhr auf der re:publica.

Wissenschaft muss man früh (und verständlich) erklären…

…um Menschen dafür zu begeistern und insbesondere, um Nachwuchs zu schaffen.

Eine berufliche Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung schien lange Zeit ein eher seltener Wunsch gewesen zu sein, ein leicht außergewöhnliches Berufsziel für junge Menschen. “In Deutschland kommen auf einen Ingenieur über 55 Jahre nicht einmal ein Junger unter 35 Jahre. In fast allen Industrieländern ist das Verhältnis mindestens zwei Junge auf einen Älteren.”, so der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in seiner 2009′er Publikation “Nachhaltige Hochschulstrategien für mehr MINT-Absolventen“. Die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) schien lange Zeit an Attraktivität verloren zu haben. Ob dafür nun gesellschaftliche Veränderungsprozesse wie gewandelte soziale Milieus, ein überfordertes Bildungssystem, oder aber grundlegende Einstellungsänderungen zu Technik und technologischem Fortschritt (bzw. seiner Unübersichtlichkeit) verantwortlich sind, sei einmal dahingestellt. Mittlerweile haben jedoch die meisten Akteure – angefangen von der Bundesregierung, über große Initiativen wie der MINT-Initiative, bis hin zu Unternehmen – die Wichtigkeit dieses Themas erkannt, oder aber erkennen müssen (Stichwort drohender Fachkräftmangel). Entsprechend sind bereits einige Aktionen (wie z.B. die Fraunhofer-Talent-School) geschaffen worden, die interessierten Menschen einen Einblick in die Welt der Wissenschaft und Technik ermöglichen sollen.

Die Kollegen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, die sich schon seit Jahren auf vielfältige Weise in der Nachwuchsförderung engagieren (z.B. in Form der DLR School Labs), haben nun vor  kurzem das Internetportal DLR _next an den Start gebracht.

Quelle: DLR

In der begleitenden Pressemitteilung dazu heißt es:

In DLR_next werden nicht nur fesselnde Themen wie die ersten Flugversuche der Luftfahrt-Pioniere oder die heißesten Materialien der Welt verständlich erklärt – auch viele andere Highlights warten darauf, entdeckt zu werden. Dazu gehören die schönsten Bilder ferner Galaxien, “Zeitreisen” in die Anfänge der Luft- und Raumfahrt oder auch Fotos, die den Alltag der Astronauten einmal ganz anders zeigen: Was Raumfahrer nach der Arbeit tun, wie sie in Schwerelosigkeit essen und schlafen – all das erfährt man bei DLR_next.

Auf den neuen Web-Seiten wird immer wieder auf konkrete Bezüge zu den Erfahrungen der jungen Nutzer Wert gelegt: Sie können herausfinden, welche Geräte in ihrer Wohnung den meisten Strom “fressen”, ihre persönliche CO2-Bilanz berechnen und auch viele Experimente nach Anleitung durchführen, eine “Apfel-Batterie” eingeschlossen.

Quelle: Pressemitteilung des DLR vom 30. August 2010

Den ohnehin sehr webaffinen und aktiven (umtriebigen) Kollegen des DLR (Website, Blogs, Facebook, Twitter DLR, Twitter DLR_next, Twitter Henning Krause, Twitter Marco Trovatello) ist damit ein durchaus nachvollziehbarer Schritt gelungen, den ich in der Umsetzung gelungen finde.

Ich habe mich zwar erst durch einen sehr kleinen Teil der Artikel geklickt, finde aber das Informationsangebot ganz beachtlich, großteils sehr gut kombiniert und auf jeden Fall den richtigen Schritt in Richtung der Begeisterung des potentiellen Nachwuchses für Wissenschaft, Forschung – kurzum MINT. Die zielgruppengerechte Ansprache und implizite Verpackung der dahinterliegenden Wissenschaften in interessante Geschichten (Storytelling) dürfte nicht nur der Basis des Nachwuchses (also den Schülern) direkt zupass kommen, sondern könnte auch für Lehrer und den Lehrernachwuchs interessant sein. Meines Erachtens bieten solche Portale (wie auch das der NASA) sehr viel Potential bestehende Unterrichtsstrategien aufzubrechen, das Interesse der Jugend direkter zu wecken und ihnen neben einem verständlichen, vor allem einen hochgradig visuellen Zugang zu Wissen zu bieten. Nicht zuletzt die Sektion “DLR_next aktiv” bietet allerlei Nettes zum mit- und nachmachen.

Weiter so! Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie die ersten Reaktionen aussehen.