Mysterium: Sound und Technik

Drüben bei den Collaborativerockers hab ich gestern mal das Aufnahme-Setup beschrieben. Dieses Setup werde ich auch für den an dieser Stelle geplanten Podcast nutzen, daher beschreibe ich das Ganze auch hier noch einmal im Crossposting:

Es kommen sporadisch immer mal wieder Fragen bezüglich des Setups. An vielen anderen Stellen (z.B. hierhierhierhier und hier) ist ja auch schon was dazu gepostet worden – und dann sicher schon einiges informativer und qualitativ hochwertiger als bei uns, was uns nicht abhalten soll – ich denke aber, es kann nicht schaden, wenn wir es dem gleichtun. Das Internet kann ja nicht voll genug mit Tipps für zukünftige Podcaster sein. Daher gibt’s jetzt mal einen kurzen Post dazu, was wir benutzen und wie wir es benutzen bzw. benutzen wollen. Zuvor sollen aber ein paar Dinge nicht ungenannt bleiben:

  1. Wir sind Amateure.
  2. Wir verdienen kein Geld mit dem was wir hier tun und haben auch nicht den Anspruch dies zu tun. Dennoch wollen wir eine gute Qualität.
  3. Auch wir sind noch einiges entfernt von dem Setting und der Qualität, die wir uns vorstellen. Besonders das größere Mischpult stellt mich noch vor einige Herausforderungen, was Kanäle und Signalwege angeht.
  4. Wir benutzen maßgeblich Amateur-Equipment, das sich so nach und nach angesammelt hat.
  5. Die Herausforderung liegt nicht unbedingt im Equipment, sondern in der Verkabelung, um z.B. eine reine n-1 Aufnahme zu erzielen.

Das Equipment

Die Verkabelung (Setup)

Momentan (erwiesenermaßen funktionierendes Setup) laufen die Headsets in das R16, hinzu kommt die Audiospur aus dem Rechner (auf der Interviewpartner via Skype läuft) und ein zweites Audiogerät für Einspieler (MP3-Player oder zweiter Rechner) auf jeweils einem eigenen Kanal. Aufgenommen wird dann wahlweise auf dem R16 (8GB SD) oder das R16 fungiert als USB-Audio-Interface und aufgenommen wird auf einem Rechner. Dieses Setup bringt jedoch die Nachteile mit sich, dass ich via Skype kein schönes Signal zurückgeben kann (kein mix minus 1) und dass die Audioqualität der Einspieler von den genutzten Geräten und Kabeln beeinflusst wird.

In Zukunft soll es aber einen klare “mix minus 1″ (N-1) Aufnahme geben, dafür soll der große X1222-Mixer herhalten. Bei diesem dürfte man eigentlich über die verschiedenen Aux-Einstellungen auch einen solchen Mix erzeugen können. Somit dürfte sich das Problem mit dem Rücksignal für Skype, als auch mit einem qualitativ guten Main-Mix-Signal für die Aufnahme und Streaming meistern lassen.

An dieser Stelle probiere ich gerade herum. Das Ergebnis werde ich hier auf jeden Fall dokumentieren und wenn sich ein funktionales Setup und Wiring gefunden hat, dann stelle ich es hier auch gern detailliert dar. An dieser Stelle sind wir natürlich ebenso dankbar für Tipps und Tricks jeder Art (immer rein in die Kommentare)!

Die Audiobearbeitung (Postprocessing)

Bisher kam für die Bearbeitung immer Audacity und CNC Levelator zum Einsatz, damit fährt man auf jeden Fall nicht allzu schlecht. Mit dem neuen Equipment (gerade das X1222 und das MacbookPro) probiere ich gerade einige andere Software aus. Hier mal einen kleine Liste

Von den Schritten her ist’s bisher auch recht grundsätzlich: hinten und vorn die Luft wegschneiden, Normalisieren, Komprimieren, Normalisieren, Ausspielen in WAV oder AIFF (für Levelator), Auspegeln (Levelator), Ausspielen in MP3.

Wie schon gesagt, das gesamte Setup und Processing (Verkabelung, Signalwege, Nachbearbeitung) ist noch im Probierstadium. Sobald wir eine taugliche Variante gefunden haben, wird diese hier verbloggt. Für Tipps sind wir aber immer dankbar!

Ganz zum Schluß ein Tipp, den alle Podcaster und Podcastfans sehr wahrscheinlich schon kennen, der hier aber trotzdem nicht unerwartet bleiben soll: Der Lautsprecher. In Kurzform: Tim Pritlove erklärt die ganzen vielen Aspekte des Podcastings. Und zwar Stück für Stück.

Natürlich bin ich auch an dieser Stelle hier im Blog für Hinweise und/oder Tipps in den Kommentaren dankbar!

Grau Haare, Bart und Brille? Podcast jenseits des Wissenschaftler-Klischees

Ich bin ja, wie an vielen anderen Stellen schon mehrfach betont, ein großer Fan von Podcasts (seit einiger Zeit ja auch selbst Freizeit-Podcaster). Auch bin ich ein großer Fan von Wissenschaft, seinen Visionen, dem Blick über den Tellerrand hinaus, der Herausforderung sich immer wieder in neue Materie einzuarbeiten und die Zusammenhänge zu verstehen. Und hier kommt meine Idee in’s Spiel, die ich nun schon einige Zeit mit mir herumtrage, oder eher vor mir herschiebe: ich kombiniere beide Teile und mache einen Podcast zum Thema Wissenschaft und Forschung.

Warum?

Warum noch einen Wissenschafts-Podcast? Gibt es denn nicht schon genug? Ja es gibt bereits einige Podcasts mit Wissenschaftsbezug, hier ein paar wenige, deutsche Beispiele:

Mehr Wissenschafts-Pod-/Vodcasts findet man übrigens in der entsprechenden Liste von podcasts.de oder auch auf der Liste von Wissenschaft-im-Dialog.

Hinter den meisten Podcasts steckt ein tolles Team, viel Mühe, teils sogar professionelle Produktionen. Aus zwei Gründen glaube ich aber, dass es sinnvoll ist einen weiteren Podcast in diesem Themenumfeld zu machen. Erstens bin ich der festen Ansicht, dass es nicht genug Podcasts geben kann! Und zweitens gibt es aus meiner Sicht nicht so sehr viele Podcasts die sich dem Menschen hinter der Forschung widmen und noch viel weniger Podcasts, die sich dem Nachwuchs in der Wissenschaftswelt widmen.

Worüber?

Es geht mir in aller erster Linie um die Menschen, die sich in der Wissenschaft bewegen und die Forschung betreiben. Dabei geht es mir aber nicht um jene verdienten Eminenzen, die über viele Jahre der Forschungs- und Lehrtätigkeit bereits ihr wissenschaftliches Renommee gefestigt haben, sondern um eben jene, frisch in dieser Welt sind und sich ihre Sporen erst verdienen müssen – der wissenschaftliche Nachwuchs, die jungen Wilden im Forschungsbetrieb.

Zuhauf hört man, dass es zwar leicht steigende Nachwuchszahlen in der Wissenschaft gibt, dennoch wird vielerorts auch nicht selten geklagt. Mich interessiert die Innenansicht, die ich im Gespräch mit “jungen” Wissenschaftlern ergattern möchte. Wie sehen sie selbst ihre Arbeit? Wie verorten sie sich im Koordinatensystem der Zukunft für das Wissenschaftssystem? Wie sieht das alltägliche Leben als Wissenschaftler ohne professorale Reputation aus? Welchen Zwängen und Drücken unterliegen sie? Wie gehen sie mit Erwartungsdruck seitens ihrer Arbeitgeber oder Forschungsförderer um? Wie gehen sie mit dem wissenschaftlichen “Schatten” ihrer Vorgänger/Chefs/Protegés um? Wie haben sie überhaupt den Weg in die Wissenschaft gefunden? Und warum ausgerechnet die Wissenschaft? Und schlussendlich möchte ich auch gern erfahren welche Visionen sie haben?

Wenn sich all dies in einem netten, nicht so gezwungenen Gespräch unterbringen lässt, dann bin ich schon zufrieden.

Wann geht’s los?

Ich denke ich werde in den kommenden 2-3 Wochen eine erste, evtl. sogar eine zweite Folge produzieren und mal schauen wie es läuft. Derzeit gibt es weder einen eigenen Web-Auftritt dazu, noch einen Namen, ein Logo oder ähnliches. Vorerst werde ich die Podcast-Episoden also hier hosten  und hoffen, dass es beständig mehr werden.

Gut, jetzt wissen wir’s! Oder gibt’s noch was?

Nicht viel, vielleicht aber noch der etwas eigennützige Aufruf:

Wenn jemand eine Idee für einen Namen, oder einen Vorschlag für einen Wissenschaftler hat, der im Rahmen dieses Projekts interessant wäre, dann immer her damit! Postet es einfach in die Kommentare, oder schreibt mir eine Mail an fromm@mfromm.de - ich freu mich über jede Wortmeldung!

Bildnachweis: Neon Mic von fensterbme on flickr.com

Audiovisuelle und Interaktive Wissenschaftskommunikation

In der letzten Zeit ist ja einiges mehr oder weniger Relevantes zum Thema Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation erschienen. Da ich aber keine Lust und Zeit habe die letzten 4 Wochen aufzurollen, möchte ich mich auf zwei Punkte beschränken, die mir in DIESER Woche besonders aufgefallen sind. Das meiste werdet Ihr ohnehin kennen (bin ja etwas spät dran), denn man konnte an einigen anderen Stellen schon etwas dazu lesen – beispielsweise beim Kollegen Heinz Pampel, drüben im wisspub-Blog, der u.a. auf die DHV-Empfehlungen zum wissenschaftlichen Publizieren sowie auf die Royal Society-Studie zur Vernetzung der Wissenschaft hingewiesen hat.

Zurück also zu meinen beiden Favoriten dieser Woche:

Produktion und Rezeption von Wissenschaft in audiovisuellen Medien der EU

Anfang der Woche kam von Markus Lehmkuhl (Forscher an der FU Berlin, Journalist sowie Herausgeber der WPK-Quarterly) der Hinweis über die PCST Mailing List (International Network on Public Communication of Science and Technology), dass der Abschlussbericht des Projekts AVSA (Audio Visual Science Audiences) erschienen ist. Im Rahmen des seit 2008 laufenden Projekts AVSA wurde die erste vergleichende Strukturanalyse aller Wissenschaftsprogramme im TV und Radio innerhalb von 13 EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt. Die detaillierten Ziele lesen sich auf der Projektseite wie folgt:

1. AVSA describes what science, and in what amounts, is actually communicated by science programmes in Europe; trends or results, relevant scientific expertise concerning current non-scientific subject matters, more or less established scientific findings, concepts or theories that are transmitted in a costly way, or scientific explanations with regard to assumed every day needs of the public.

2. AVSA links the classification of science programmes with their use by recipients. It is intended to clarify, how many people from different sections of the European public do perceive science programmes. It is expected that our approach will identify structural lacks with regard to the type of science journalism that is perceived by the public. That means that our approach will provide data that helps to assess, in which parts of Europe for instance young people perceive current scientific findings and in which parts not, although this type of science programme is offered.

3. AVSA links science programmes with judgements of focus groups that will help to assess, how different sections of the European public perceive, what about science is offered by science programmes. Our approach will help to explain why for instance young people in different parts of Europe prefer different types of science programmes respectively why the same type of science programmes is judged differently by certain sections of the European public.

Für die Herangehensweise wurde übrigens eine interessante Definition (PDF) und Klassifikation der Wissenschaftsprogramme erarbeitet.

Nach fast genau drei Laufzeit ist nunmehr also der abschließende Projektbericht erschienen, der übrigens auf der Projektseite kostenlos zum Download (PDF) zur Verfügung steht. Der Bericht ist mit fast 120 Seiten recht umfangreich, es wird also eine Weile dauern bis ich da durch bin, aber erscheint mir auf den Blick durchgängig interessant. Schon an den Kapiteln lässt sich durchaus die Tiefe der Information erahnen:

  • Chapter 1: Profiles of specialised programmes on science in audiovisual media in Europe
  • Chapter 2: Science in media and its respective media environment
  • Chapter 3: Exposure to science programmes in Europe
  • Chapter 4: Motives, expectations and judgements of European audiences towards science on TV
  • Chapter 5: Raising public engagement with science through audiovisual media? Current state and future of science programming in Europe.

Ein Blick in das letzte Kapitel (5) führt einen dann schnell in das Destillat der vorliegenden Arbeit, die eine Unzahl von statistischen und inhaltlichen Daten prozessiert hat:

  • Summary
  • Current state of information journalism in Europe
  • The current state of science popularisation in Europe
  • The current state of edutainment in Europe
  • The future of science journalism in Europe
  • Raising public engagement with science through audiovisual media?
  • Previous policy proposals
  • Recommendations

Wir lesenswert sind übrigens die Recommendations, aus denen ich mal ein paar zitiere:

Broadcasting organisations should

2. recognise the contribution to their organisations of programme-makers and other media professionals with a specialist interest and capacity in monitoring and reporting current developments in science; protect and support that capacity as an important resource for the organisations in times if increasing impacts of science on society

4. develop further the use of web-based media, including ‘social media’, as means to enhance public participation in science-based programmes and the topics they cover; explore and develop further other means of public participation, e.g. ‘citizen science’ projects, encouraging audience ideas and questions as the basis of programme items, organising face-to-face public events and facilitating audience members to perform experiments  online.5. Raising public engagement with science through audiovisual media?

The European Broadcasting Union should

5. further incentivise innovation in science-based programming through targeted programme development funding, commissioning of science-related series in innovative and diverse formats, encouragement of co-production of such series and staging of programme competitions in science-related fields

National governments and the European Commission should

9. defend and promote the independence of media professionals, e.g.  in making judgements of the newsworthiness and merit of developments in science

10. acknowledge the value of many forms of public engagement with science, including critical engagement with the ethical and other social aspects of science, and avoid constraining broadcasting organisations with demands for science programming to meet political needs for boosting support for science

The European Commission should

11. highlight to EU-funded researchers the opportunities and challenges of radio and television and audio-visual communication as valuable means to disseminate scientific research; support researchers in facing those opportunities and challenges through training schemes, developing relations with broadcasting organisations and contracting production companies to prepare audio-visual packages

12. establish targeted media funding programmes to support in-service training of non specialised programme-makers on the use of scientific sources and expertise and to support the development of new concepts targeting at linking scientific expertise with societally relevant subject matters

13. promote and support mechanisms for ongoing interactions across the EU between broadcasting organisations, media professionals of all media, media researchers and independent audio-visual producers and other freelancers and communication consultancies (SMEs) that could address issues raised in this report as well as other issues; such mechanisms could include occasional meetings, an online forum and an independent online publication for the professional communities, which observes and reflects upon recent trends in science reporting across national borders

Liest sich doch sehr, sehr sinnig!

Sascha Lobo… äh, nein, Fraunhofer startet ein “Forschungs-Blog”


Die Fraunhofer-Gesellschaft greift immer tiefer öfter in die Werkzeugkiste des Web 2.0 und stellt sich immer mehr einer Öffentlichkeit, die über ein Fachpublikum hinausgeht. Im Rahmen des Forschungsprojekts “Discover Markets” haben die Münchner in Zusammenarbeit mit Sascha Lobo nun ein neues Blog gestartet: das Forschungs-Blog. Im Grunde ist das soweit nichts wirklich neues (von den Zusammenarbeit mit einem der deutschen Alphablogger mal abgesehen, der übrigens auch die redaktionalle Verantwortung trägt), denn es gibt auch an anderen Stellen schon Fraunhofer-Blogs (z.B. das IAO-Blog, oder das Fraunhofer-CeBIT-Blog). Neu ist im Grunde die adressierte Zielgruppe, nämlich Menschen außerhalb eines Fachpublikums, sowie der Ansatz im Kern des Blogs, dem Dual-Blogging. Dabei wird “ein wissenschaftsnaher Text von Fraunhofer-Forschern veröffentlicht und einem lebensnahen, aus alltagsrelevanter Sicht geschriebenen Text gegenübergestellt” heißt es in der Verlautbarung dazu. Auf dem Blog selbst erklären die Autoren – zu denen neben Sascha Lobo und Fraunhofer-MitarbeiterInnen auch die Wissenschaftsblogger Florian Freistetter und Lars Fischer zählen – das Prinzip des Dual-Blogging etwas weniger verklausuliert:

Als eine Sollbruchstelle der wissenschaftlichen Kommunikation mit der Öffentlichkeit haben wir eine, sagen wir, oft recht hohe thematische Komplexität identifiziert. Die Fachsprache der Wissenschaft entspricht nicht immer unbedingt dem, was man auf Facebook in der Mittagspause freundlich interessiert durchliket. Und das ist ja auch okay. Um aber trotzdem auch für interessierte Laien zu bloggen, haben wir uns das Konzept Dual-Blogging ausgedacht.

Artikel im Dual-Modus haben zwei parallele Textspalten. In der linken ist ein Fachtext zu finden, der eine wissenschaftliche Entwicklung fachlich präzise in der entsprechenden Terminologie beschreibt. In der rechten Spalte findet sich die blogaffine Perspektive des gleichen Themas, lebensnäher und (hoffentlich) unterhaltsam geschrieben, was sich vermutlich besser für die Social-Media-Welt eignet.

Marco Trovatello, den meisten sicher bekannt aufgrund seiner Tätigkeit beim DLR, hat gestern Abend in seinem privaten Blog ein Paar Gedanken zum Fraunhofer “Forschungs-Blog” geäußert, denen ich eigentlich sehr gut folgen kann und die durchaus meine Zustimmung finden. Ich bin gespannt wie sich das Projekt entwickelt, werde es eine Weile beobachten und mir anschließend eine genauere Meinung bilden. Aus meiner bisherigen Warte lesen sich aber die ersten Beiträge (z.B. der von Florian zum Weltraumschrott, oder der aktuelle Dual-Blogbeitrag) sehr gut, sind verständlich, unterhaltsam und informativ.

Man darf wirklich gespannt sein, wie sich das Projekt entwickelt und wie die ersten Reaktionen ausfallen.

Disclaimer: Ich bin übrigens selbst Mitarbeiter der Fraunhofer-Gesellschaft – wirke jedoch nicht beim Forschungs-Blog mit und habe auch eine eigene, arbeitgeberunabhängige Meinung! ;-)

Interactive Science @ JLU

Es ist ein wenig ruhig geworden hier, ich weiß – momentan haben einfach ein paar Projekte ihren Vorrang! Dennoch nehme ich die Gelegenheit wahr und weise auf eine bzw. eigentlich auf mehrere Termine hin, die mir gerade auf den Tisch geflattert sind.

In der Zeit vom 09. Juni bis zum 07. Juli werden in der Justus-Liebig-Universität Gießen neue Ergebnisse der vier Teilprojekte des Forschungsverbundes Interactive Science (übrigens auch bei den Scilogs) im Rahmen einer Vortragsreihe präsentiert. Hier die Daten in Kurzform, mehr gibt es direkt in der Ankündigung:

  • 09.06.2011: “Macht PowerPoint wirklich dumm?”
  • 16.06.2011: “Digitale Wissenschaftskommunikation: Information, Kritik und Kollaboration”
  • 30.06.2011: “Wissenschaft 2.0Wie Soziale Medien die Wissenschaft verändern”
  • 07.07.2011: “Online-Lectures: eine Chance zur Entwicklung neuer Vortragsformate?”

Alle Veranstaltungen beginnen jeweils um 18Uhr c.t. und finden im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34, 35390 Gießen) statt. Ich spiele zumindest mit dem Gedanken mir einen Vortrag live anzuhören – für mehr reicht wohl das Fahrtbudget nicht, mal sehen.

P.S.: noch einmal zur Erinnerung was Interactive Science ist:

Interactice Science ist das Gruppenblog des “Forschungsverbund Interactive Science - Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien“ (Blog wissenschaftskommunikation.info). In diesem Blog werden die Implikationen von verschiedenen Kommunikationsmitteln für die Wissenschaft dargestellt. An dieser Stelle sei auch noch einmal auf die Steckbriefe im Rahmen des Projekts “Interactive Science” hingewiesen: Wissenschaft in Wikipedia und anderen Wikimedia-Projekten (Steckbrief 2, pdf) und Microblogging und die Wissenschaft. Das Beispiel Twitter. (Steckbrief 4, pdf).

Online-Befragung zur Wissenschaftskommunikation in Deutschland

Heute bin ich über den Twitter-Account des Deutschen Fachjournalisten-Verbands auf die frisch veröffentliche Studie des DFJV zur Wissenschaftskommunikation in Deutschland gestoßen, die sich in der Pressemeldung vollmundig mit der Überschrift “Der Weg aus dem Elfenbeinturm: Wissenschaft kommunizieren” ankündigt. Besagte Studie wurde vom DFJV finanziert und am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT) der Universität Bielefeld durchgeführt. Genauer gesagt führte das Team Pansegrau/Taubert/Weingart/Förster eine Online-Befragung unter “…7.460 Wissenschaftler aus den übergeordneten Wissenschaftsbereichen Natur-, Lebens-, Ingenieur-, Geistes- und Sozialwissenschaften…” durch, wie u.a. aus der Pressemeldung und der Studie zu lesen ist. Die Studie kann über die Seiten des DFJV als PDF heruntergeladen werden – was ich mal getan habe, um sie mir genauer anzuschauen.

Die Eckdaten

Wie bereits erwähnt wurden 7.460 Wissenschaftler online im Zeitraum vom 26.07.2010 und dem 08.08.2010 befragt. In der Studie ist dann weiter zu lesen, dass 1357 Personen zumindest begonnen haben den Fragebogen auszufüllen und 779 Personen die Umfrage auch beendet haben (also alles im Rahmen der aus der Literatur zu Online-Befragungen bekannten Werten).

Der Fragebogen umfasste Fragen zur innerwissenschaftlichen Kommunikation, zu Massenmedien und Öffentlichkeit, zu den Motiven für/gegen die Vermittlung gegenüber einer nicht-fachspezifischen Öffentlichkeit und zur Beteiligung an öffentlichen Veranstaltungen. Bemerkenswert ist hierbei, dass ein großer Teil der Fragen auf diesen letzten Bereich entfiel.

Das Fazit

Im Laufe der Studie kristallisiert sich an mehreren Stellen die Kernthese heraus, dass hauptsächlich die klassischen Arten der Wissenschaftskommunikation wie Pressemitteilung, Pressekonferenzen, Präsenzveranstaltungen (v.a. Vorträge) und die Bearbeitung journalistischer Anfragen dominieren. Obwohl es sehr gute Beispiele dafür gibt, ist von “moderner Wissenschaftskommunikation” im Web und im Web 2.0 (interaktive Websites, Blogs, Twitter, Facebook, etc.) kaum ein Wort zu lesen. In der Diskussion fehlen diese gar komplett. So ist es nicht verwunderlich, dass in der Pressemitteilung zu lesen ist, dass die Studie zum Schluß kommt, dass

Wissenschaftler den verschiedenen Formen der Wissenschaftskommunikation positiver gegenüber stehen, als es das traditionelle Bild suggerieren mag. Wissenschaftskommunikation im Sinne von Berichtspflicht und im Interesse des Fachs (Ressourcenbeschaffung und Nachwuchsrekrutierung) setzt sich sukzessive durch. Allerdings bedient sich bislang lediglich eine Minderheit regelmäßig der breiten Palette an Kommunikationsformaten. Es bleibt zu hoffen, dass die Bereitschaft zur Kommunikation an eine nicht-fachliche Öffentlichkeit an Intensität und Varianz nach und nach zunimmt. (Quelle)

Die Schwachstellen

Ich weiß nicht, ob ich bloß ein bißchen empfindlich bin oder die Studie wirklich so beklagenswert ist, aber ich habe mich schon ein paar Mal bei der Lektüre des Papiers aufgeregt. Ich bin noch nicht ganz durch, möchte aber im Folgenden schon kurz auf diese ersten Aufreger eingehen und einige der – in meinen Augen – Schwachstellen der Studie aufzeigen:

  1. Die Ausrichtung der Studie
    Schon beim zum Begriff der Wissenschaftskommunikation merkt man m.E. eine stark ” einsnullige” Ausrichtung der Studie (oder gar Denkweise der durchführenden Wissenschaftler?).
    Hier setzt man beispielsweise den Begriff der ” …Kommunikation ‚der’ und ‚über die’ Wissenschaft mit einer unspezifizierten aber möglichst breiten Öffentlichkeit…” mit Veranstaltungen gleich (“Damit sind Aktivitäten wie die ‚Jahre der Wissenschaft’, ‚Lange Nächte der Forschung’ und /oder ähnliche Stadtfeste in Verbindung mit Wissenschaft gemeint.”). Im zweiten Fall, der “…Kommunikation der Wissenschaft über die Massenmedien bzw. auch umgekehrt der Massenmedien über die Wissenschaft”, meint man vornehmlich die klassische Pressearbeit (Zeitungen, Magazine, Fernsehen).
    Äh bitte? Wo sind die bereits oben erwähnten Websites, Blogs, Twitter- und Facebook-Accounts, die bereits viele Wissenschaftsorganisationen anbieten und einige Wissenschaftler schon sehr erfolgreich nutzen????
    Anekdote am Rande: bereits auf Seite 2 ist vom BMBW, dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft zu lesen. Vielleicht sollte jemand den Kolleginnen und Kollegen erklären, dass besagtes Ministerium nun schon seit einiger Zeit Bundesministerium für Bildung und Forschung heißt und mit BMBF abgekürzt wird. Aber naja…

  2. Die Befragtenstruktur
    In Abschnitt 3, der Beschreibung der Stichprobe und Einschätzung der Datenqualität, lässt sich dann nachlesen,  dass “…dass sich die Stichprobe nahezu ausschließlich aus Professoren zusammensetzt. 89,2 % der Stichprobe gehören dieser Statusgruppe an, gefolgt von 8,1 % Dozenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie 2,6 % Lehrbeauftragten.” Eine solche Verteilung ist nahezu entgegengesetzt der Verteilung der Realität.
    Frage ich mich doch an dieser Stelle, ob wirklich die Professoren diejenigen im Wissenschaftsbetrieb sind, die sich mit der aktiven Wissenschaftskommunikation maßgeblich befassen? Ich denke nein.

  3. Die Altersstruktur
    Laut der Studie beträgt das Durchschnittsalter innerhalb der Stichprobe 56,1 Jahre. Es “…zeigt sich, dass sämtliche Altersgruppen bis 65 Jahre leicht oder mäßig unterrepräsentiert sind und die Gruppe der über 65jährigen stark überrepräsentiert ist.” Der Clou: “Die Befragung schließt dabei eine recht große Anzahl an nicht mehr in Dienstverhältnissen befindlichen emeritierten Professoren mit ein.”
    Auch hier stellt sich die Frage ob wirklich die Professoren diejenigen im Wissenschaftsbetrieb sind, die sich vorrangig mit der aktiven Wissenschaftskommunikation befassen, zumal wenn Sie quasi nicht mehr im Dienst sind? Ich denke nein.

  4. Die Gruppierung der Wissenschaftskommunikatoren
    Als “massenmediale Wissenschaftskommunikatoren” gelten der Studie nach eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich durch die folgenden Aktivitäten in den letzte 24 Monaten herausheben:
    (a) Herausgabe von mehr als 10 Pressemitteilungen, (b) Beantwortung von mehr als 10 Presseanfragen, (c) Verfassen von mehr als 6 Beiträgen zu Wissenschaftsseiten / zum Feuilleton, (d) Einsenden von mehr als 6 Forschungsberichten an die Presse und (e) Abhalten von mehr als 6 Pressekonferenzen.
    Auch hier  frage ich mich, wo die Blogs, Twitter-Accounts, Facebook-Engagements so vieler Wissenschaftler abgeblieben sind?
An vielen weiteren Stellen der Studie lassen sich Faktoren und Auslegungen feststellen, die ich in einer Studie mit einem Titel wie dieser (Wissenschaftskommunikation in Deutschland) schlichtweg irritierend sind. Ich wage mich mal etwas hinaus und möchte mal folgende Dinge behaupten:
  • niemand, der heutzutage in Deutschland eine Studie zur Wissenschaftskommunikation in Deutschland durchführt, kommt am Web 2.0 im weitesten Sinne vorbei (oder kann es gar gänzlich ausblenden). Dazu nutzen bereits zu viele Wissenschaftsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Universitäten einzelne Formen dieser Kommunikation, seien es Twitter, Facebook, Blogs oder gänzlich andere. Zudem nutzen viele Wissenschaftsjournalisten diese Kanäle zu Informationszwecken, wie auch schon die Trendstudie “Wissenschaftskommunikation” von Alexander Gerber in Teilen zeigte.
  • um den Stand der Wissenschaftskommunikation zu erfassen, sollte man nicht nur an der obersten Schicht kratzen – “oberste Schicht” ist hier auch auf den wissenschaftlichen Status innerhalb der Wissenschafts-Community bezogen. Es reicht schlichtweg nicht die Professoren zu befragen. Hier muss man an die Basis – dorthin, wo die tagtägliche Arbeit in der Wissenschaftskommunikation erledigt wird. Auch dorthin, wo sich Nutzungstrends in den modernen Kommunnikationsmitteln oftmals zuerst durchsetzen, bevor die “Oberen” überzeugt werden.
  • die Betrachtung von Präsenz(!)veranstaltungen und klassischer Presse- oder Medienarbeit greift zu kurz, um umfassend den Stand der Wissenschaftkommunikation in Deutschland zu erfassen.

Ich werde die Studie noch weiter durcharbeiten, vielleicht findet sich noch etwas interessantes, oder gar wegweisendes. Aus dem jetzigen Stand meiner Kenntnis, ist die Studie für mich allerdings wenig wert. Die durchführenden Wissenschaftler mögen mir an dieser Stelle meine Unverfrorenheit verzeihen – ich möchte sie weder angreifen, noch ihre Arbeit in den Dreck ziehen. Aber für mich manifestiert sich in der vorliegenden Studie ein altbackener und leider viel zu versteifter Blick auf ein Themengebiet, von dessen Lebhaftigkeit ich in den letzten 2 Jahren begeistert bin!

Übrigens hat Wenke Richter vor dem Hintergrund der Altersstruktur der Befragten in ihrem Blog digiwis die Frage nach einem Altersstrukturproblem gestellt:

Damit scheint das Bestreiten neuer Wege in der Wissenschaftskommunikation auch wohl ein Altersstrukturproblem zu sein. Nun stellt sich die Frage nach der Ursache. Fehlt es an Kenntnissen über neue Medien und ihre Wirkmöglichkeiten bei den Professoren oder am Willen zur Nutzung?

Sicher hat die Altersstruktur einen gewissen Einfluss auf den Umgang mit neuen Medien. Ich denke aber, dass die Ursache der zurückhaltenden Nutzung von neuen Medien in den Kreisen von Professoren in den oberen Altersklassen bei weitem nicht ausschließlich im Alter begründet liegt. Sicher steht man Systemen, in denen man nicht selbst unterwegs ist kritischer gegenüber. Und bestimmt hat man eine vorsichtigere Meinung von Werkzeugen, die man selbst noch nicht kennt. Aber ich vermute auch, dass viele Professoren in ihrer Arbeit so festgefahren sind (neben Forschungs- und Lehrauftrag ja vor allem auch in der Verwaltung – Anträge, Anträge, Anträge – und den repräsentativen Aufgaben), dass sie sich nicht die Mühe machen wollen/können sich mit neuen Technologien und deren Wirkpotentialen auseinander zu setzen. Das Eingehen von Risikos im Sinne von “Wir probieren das mal, ohne dass wir wirklich wissen, was es uns bringt” ist bestimmt nicht sonderlich ausgeprägt.

Aber ich kann mich täuschen.

WWW.Wissenschaft.Und.Kommunikation

Alle paar Wochen wieder versuche ich mir einen Überblick über Bewegungen in der Blogosphäre mit besonderem Blick auf das Thema Wissenschaftskommunikation zu verschaffen. Ich verlinke ja hin und wieder einmal auf Beiträge, auf die ich in Blogs stoße. Mit diesem Beitrag möchte ich aber mal ein wenig genauer meine Quellen zum Thema vorstellen Blog – sozusagen mein eigenes Blogradar Wissenschaft(s)kommunikation.Warum also nicht mal öffentlich und an dieser Stelle? Probieren wir es doch mal – here we go.

Definition

Wissenschaftskommunikation ist bereits vielerorts definiert und beschrieben worden. Mittlerweile führt der Wikipedia-Artikel die verschiedenen Aspekte der zahlreichen Definitionen ganz gut zusammen:

Wissenschaftskommunikation beschreibt die Vermittlung von Themen aus Forschung und Lehre gegenüber unterschiedlichen Öffentlichkeiten und umfasst sowohl Wissenschaftsjournalismus und Social-Media-Plattformen wie Wissenschafts-Blogs als auch Wissenschafts-PR und Wissenschaftsmarketing. Gerade im Bereich der Angewandten Forschung sowie im Hinblick auf Technologietransfer bestehen außerdem Parallelen zur Innovationskommunikation. Die Ziele der Wissenschaftskommunikation sind so vielfältig wie deren Bezugsgruppen: Von der Schaffung breiter gesellschaftlicher Akzeptanz für neue Technologien über interdisziplinäre Synergien bis zum gezielten Wissenstransfer und Dialog zwischen Forschung und Wirtschaft. (Quelle: Wikipedia)

Fromm’sche Spezifikation

Nun ist es gar nicht so einfach in der weiten Netzwelt Anlaufstellen zu finden, die sich ausschließlich mit dem Thema Wissenschaftskommunikation auseinandersetzen. Aber das wäre ja auch langweilig. Deshalb habe ich mein Suchraster um die Verknüpfung von Wissenschaft und Kommunikation erweitert. In diesen Bereich fällt beispielsweise auch der Einfluß von Kommunikationstechnologien auf die Arbeit von Wissenschaftlern und Wissenschaftskommunikatoren – Stichworte sind hier Transparenz des Forschungsprozesses, Crowd Reviewing, Wissenschaftliches Publizieren und vor allem auch die Öffnung des Wissenschaftsprozesses (Open Science im Sinne von Open Innovation in der Wissenschaft). Wenn ich alle meine Zielbegriffe verorte und mir die entsprechenden Seiten anschaue, kann ich grob eine Unterscheidung treffen in:

  • Kategorie I: Websites, zumeist Blogs aus der Wissenschaftswelt (bloggende Wissenschaftler, oder Kommunikatoren in Wissenschaftsorganisationen)
  • Kategorie II: Websites, zumeist Blogs von wissenschaftsorientierten Bloggern/Kommunikatoren
  • Kategorie III: Websites von Organisationen (Unternehmen, Unis, Agenturen), die einen thematisch relevanten Content-Bereich aufweisen – unabhängig davon, ob diese Bereiche sich nun News, Aktuelles, Links oder wie auch immer nennen

So, genug der Vorarbeit. Nachfolgend habe ich eine Liste zusammengestellt, die (aufgegliedert in die zuvor benannten Kategorien) mein Informationsradar Wissenschaft(s)kommunikation aufzeigt – und sich übrigens sehr stark an meinem Feed-Reader (ja, ich bin bekennender RSS-Fan) orientiert. Die Liste ist mit Sicherheit noch nicht vollständig, zumal sie a) nur die Websites auflistet, auf denen auch merklich Aktivität stattfindet und b) sich vorerst auf deutschsprachige Angebote kapriziert.

Kategorie I

Kategorie II

Kategorie III

So, soweit zu einem (vielleicht ersten) Teil meines Informationsradars. Sicher werden die meisten von Euch die hier aufgelisteten Blogs und Websites kennen, aber vielleicht ist für den ein oder anderen doch noch eine Neuigkeit dabei.

Übrigens bin ich natürlich auch immer dankbar für weitere Vorschläge in den Kommentaren – Empfehlungen für Input nehme ich also gern entgegen!

UPDATE (1):

Da habe ich mich wohl etwas verzettelt und glatt eine Quelle auf jeden Fall vergessen: wisspub.net. Dieses Gemeinschaftsblog ist aus meiner Sicht eine Mischung aus den Kategorien I und III, denn es vereint die Sicht von Wissenschaftlern (Kategorie I) und Bibliotheken (eher Kategorie III). Wisspub.net ist ein “Gemeinschaftsblog zu wissenschaftlicher Kommunikation im Netz“, in dem es maßgeblich um Open Access, Digitale Bibliotheken, Peer Review, Informationsmanagement und -archivierung sowie um Wissenschaftskommunikation geht.

NACHTRAG:

Ich hab gerade noch einmal mit dem Google NGram Viewer herumgespielt und die 3 Begriffe Wissenschaftskommunikation, Wissenschafts-PR und Wissenschaftsjournalismus gegenübergestellt. Hier das Ergebnis:


Bildnachweise:
We've picked something up on radar! by Don Solo (cc by-nc-sa 2.0)
eigene Google NGram-Abfrage (19.01.2011)

What lingers behind, what lies ahead

Ich bin eigentlich kein Fan von Rückblicken und dem gezwungenen Vorausschauen auf die Dinge, die da hoffentlich kommen mögen. Bei letzterem ist es aber manchmal der Fall, dass das öffentliche äußern einen gewissen Druck erzeugt, der im Zweifel (und in meinem Fall ist es so) eher förderlich, denn hinderlich ist – Thema extrinsische Motivation und so.

Auch die Anzahl der Baustellen, die man ich so beackere, zwingt einen schlicht gewisse Dinge sehr genau zu planen, um Kollisionen zu vermeiden – wie es mir im zurückliegenden Jahr nicht immer gelungen ist. Also versuche ich die Dinge mal ein wenig zu ordnen, einzuordnen, glatt zu ziehen und für das nächste Jahr in ein wenig mehr geregelte Bahnen zu lenken. Genau damit beginne ich, auch ganz im Sinne der eben erwähnten Motivation öffentlich, indem ich es hier und an anderer Stelle verblogge.

DER DIE JOBS

Ich kann auch das vergangene Jahr auf ein erlebnisreiches, wenn auch nicht immer einfaches Jahr bei meinem Hauptarbeitgeber, dem Fraunhofer-Verbund IuK-Technologie zurückblicken. In diesem Umfeld, diesem Spannungsfeld, zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erlebt man viele interessante, spannende, manchmal auch ermüdende Dinge. Nach den Jahren der Tätigkeit im „Universum Fraunhofer“ hat man sich mit vielen Dingen abgefunden angefreundet, steht aber dann doch auch immer wieder vor neuen Herausforderungen, die es lohnen angegangen zu werden und einen nicht ganz unerheblichen Kraftaufwand zu investieren. Viele Der Dinge mit denen ich beschäftigt bin, laufen im Backoffice ab. Dennoch konnten wir uns auch wieder erfolgreich an öffentlichen Veranstaltungen beteiligen, wie bspw. am dbb-Kongress Neue Verwaltung, dem Kongress für Verwaltungsmodernisierung und eGovernment (einem Thema mit dem ich mich auch an anderer Stelle auseinandersetzte), oder auch dem 12. E12-Gipfel. Auf letzterem bin ich für einen Kollegen eingesprungen und hatte das Vergnügen mich auch mal vor der Kamera als Interviewer umzutun – nicht gerade einer meiner Stärken. Wen es interessiert: ich habe im Rahmen des Kongresses unter anderem mit Dr. Jörg Liebe (Director New Business & Innovation Management der Lufthansa Systems Infratec GmbH) über moderne Inflight-Entertainment-Systeme gesprochen, habe Ralph Haupter (Vorsitzender der Geschäftsführung Microsoft Deutschland und Area Vice President International) zu Enterprise 2.0, kollaborativem Arbeiten und den Kulturwandel im Unternehmen befragt und sprach mit Martin Zimmerman (Geschäftsführer der Visenso GmbH) über den Umgang, die Technologien und die Visionen im Bereich 3D. Es folgen voraussichtlich noch zwei Interviews mit Dr. Thomas Endres (Chief Information Officer der Lufthansa AG) und Andy Müller-Maguhn (Sprecher des Chaos Computer Club).

In meiner beratenden Tätigkeit als Selbstständiger und bei der Wimko Wissensberatung habe ich (wir) in diesem Jahr viele Gespräche geführt, einige Aufträge erfolgreich beendet und vor allem viel lernen können. Eine Erkenntnis, die ich besonders deutlich gewinnen konnte, ist, dass man hierbei seine Kräfte sehr wohl dosiert einsetzen sollte und einen besonders realistischen Blick auf das eigene Leistungsvermögen und den eigenen Kenntnishorizont werfen sollte (Stichwort: was sind eigentlich meine Kernkompetenzen?). Ich denke im kommenden Jahr ist es ratsam hier noch wesentlich strategischer gezielter vorzugehen. Ich persönlich werde mich auch wieder mehr auf das Konzeptionieren von Kommunikationsstrategien und die damit einhergehenden Analyse- und Monitoring-Aufgaben konzentrieren.

DAS LEBEN UM DIE JOBS HERUM DIE FREIZEIT

Ich bin niemand, der sich besonders gut zurückhalten kann, wenn es darum geht neue Baustellen aufzureißen. Dennoch habe ich an einigen Stellen im zurückliegenden Jahr gemerkt, dass ich mich an der einen oder anderen Stelle doch etwas übernommen habe. Da ich 2011 sowohl (nun endlich) mein Studium zum Ende bringen möchte, als auch mich beruflich weiter professionalisieren möchte und darüber hinaus auch etwas mehr Freizeit gewinnen möchte, ist es schlichtweg auch hier Zeit die Dinge etwas strategischer anzugehen. Ich werde einige meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten auf ein Minimum reduzieren aufgeben und versuchen mich zusammenzureißen, um möglichst wenig neue zusätzliche Projekte anzuhäufen. Dennoch gibt es Dinge, die ich gern weiter betreiben möchte und teilweise auch noch ausbauen werde (wie z.B. das Podcast-Projekt). Also, wie wird es auf den drei Blogs, auf denen ich mich maßgeblich umtue, weitergehen?

www.mfromm.de

Dieses Blog ist auch weiterhin meine „Hauptblog“, auf dem ich mich relativ offen zu allen möglichen Themen äußern möchte mit denen ich mich eingehender beschäftige und zu denen ich glaube etwas zu sagen zu haben. Dennoch wird es hier weiterhin vor allem um Wissenschaftskommunikation im Allgemeinen und Wissenschafts-PR im Besonderen gehen. Verstärkt werde ich im Jahr 2011 kleinere Thesen hier diskutieren, die ich im Rahmen meiner anstehenden Magisterarbeit entwerfe oder auch verwerfe.

Ich habe mich über die letzten 1,5 Jahre recht ausgiebig mit der Wissenschaftskommunikation beschäftigt, besonders natürlich vor dem Hintergrund der durch das Web 2.0 vorangetriebenen Entwicklung. Ich habe immer wieder neue Ideen für die Magisterarbeit gehabt, bestehende verändert oder auch komplett verworfen. Dies ist zum einen meiner täglichen Arbeit im Umfeld von Wissenschaft und Forschung geschuldet, zum anderen aber auch dem wachsenden Dialog der (vor allem) im Netz dazu stattfindet und sich zunehmend auch in neu erscheinenden Publikationen niederschlägt. Ich habe zu einigen der Ideen und Thesen bereits kleinere Vorstudien durchgeführt, um zumindest auf einer einigermaßen sicheren Basis über den fortwährenden Umgang mit ihnen entscheiden zu können. Wie dem auch sei, mittlerweile drehen sich der Großteil meiner  Ideen und der sich entwickelnden Thesen um die Folgen, die die Kommunikation von Wissenschaftlern und Wissenschaftsorganisationen im Netz auf der einen Seite und die Interaktivität und Dialogizität im Web 2.0 auf der anderen Seite auf den Wissenschaftsprozess und die Präsentation von Forschungsergebnissen haben. Stichworte sind hier Transparenz des Forschungsprozesses, Crowd Reviewing, Wissenschaftliches Publizieren und vor allem auch die Öffnung des Wissenschaftsprozesses (neben Open Research also vor allem auch Open Science im Sinne von Open Innovation in der Wissenschaft), aber auch vieles mehr. Was letztlich Kern meiner Magisterarbeit sein wird, wird sich im ersten Jahresdrittel herausstellen, vielleicht auch mit Hilfe (oder dank) der Diskussion oder Reaktion hier.

www.transiente-sichten.de

Tatsächlich hatte ich am Anfang, als ich die Domain registrierte und das Blog eröffnete, noch keine rechte Ahnung in welche Richtung es sich entwickeln würde. Nun ja, Überraschung: es ist mir auch nach wie vor noch nicht ganz klar. Fest steht, dass Transiente-Sichten auch weiterhin mein Schnipselblog bleiben wird, in dem ich all jenes verpacke, was mich da draußen im Netz aus der Welt des Naturwissenschaftlichen und des Fantastischen fasziniert.

Ich möchte aber zukünftig mehr versuchen neben den faszinierenden Schnipseln auch etwas planmäßiger Konzepte und Konstrukte aus den Naturwissenschaften in eine andere Ebene zu transferieren und sie auf gesellschaftliche, medien- oder auch kommunikationswissenschaftliche Funktionsweisen und Phänomene zu übertragen. Mal sehen, ob es mir gelingt.

www.collaborativerockers.de

Collaborativerockers ist ein Konstrukt ein Projekt eine Idee, die mein „Bruder im Geiste“ und ich es schon sehr lange im Hinterkopf haben, schon öfter einmal mit Leben zu füllen versuchten, und der wir uns jetzt ernsthaft verpflichtet haben.

Unter Collaborativerockers.de entsteht sukzessive eine Plattform, auf der wir uns einem Podcast-Projekt widmen wollen. Wir werden uns in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen real oder virtuell treffen, um über Hinz und Kunz zu reden. Unsere Aufmerksamkeit wird dabei sicher auf Themen wie Musik, Film, Literatur, Abenteuer und Netzkultur liegen, aber es wird sich auch immer wieder mal um Themen wie Gesellschaft, Politik, Religion, Fernsehen, Technik, Wissenschaft und Lifestyle (die guten Seiten des Lebens) drehen. Wir haben eine grundlegende Vorstellung und einen augenscheinlich recht guten Plan, was das Format angeht. Aber wie das mit Plänen so ist, wir werden sehen inwieweit alles so funktioniert. Auch hier gilt wahrscheinlich: Fortschritt ist Rückschritt.

Flankiert wird das Projekt von der entsprechenden Facebook-Fanpage und dem passenden Twitter-Account @collabRockers. Aber ACHTUNG: gerade designtechnisch sind wir bei weitem noch nicht da, wo wir gern hin wollen. Aber das ist ein Prozess, wie so vieles im Leben. Und schließlich hapert es bei vielen Projekten vor allem am Start, denn so einige Projekte kommen nie über eine Planungsphase hinaus. Daher legen wir einfach einmal los. Die Aufzeichnung der ersten Folge ist übrigens für den 30.12.2010 geplant, sie dürfte dann in der ersten Januarwoche 2011 online gehen.

Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir über die Zeit ein paar Hörer erreichen können! ;-)

2011

Was auch immer 2011 geschehen mag, ich würde mich freuen den Weg zu einem Teil auch mit Euch zu gehen!

Bildnachweise:

Glaskugelbild: Crystal Castles by Frogman!

Collaborativerockers: M.Fromm/C.Koerber

Wegbild: The bluebells path by Vainsang

Kurz verlinkt: Wissenschaft – zum Kern der Sache

Da mir selbst momentan wenig Zeit zum Bloggen bleibt, möchte ich wenigstens kurz auf ein “Projekt” verweisen, von dem ich glaube, dass es in den kommenden Beiträgen sehr spannend werden dürfte.

Oliver Tacke, seines Zeichens wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Organisation und Führung der TU Braunschweig und aktiver Blogger, beschäftigt sich nicht nur im Rahmen seiner Dissertation zum Thema “Lernen durch Lehren in der beruflichen Weiterbildung” (Arbeitsthema) mit den verschiedensten Aspekten rund um die Themen Bildung und Lehre. In seinem letzten Blogpost kündigte Oliver nun eine interessante Reise an – zum Kern der Wissenschaft, nämlich zur Antwort auf die Frage was Wissenschaft eigentlich ist.

Es gibt ja diverse unterschiedliche Definitionen von Wissenschaft (beispielsweise hier, hier, hier, hier oder hier), eine einheitliche Definition dürfte man aber nahezu vergebens suchen. Je mehr man darüber nachdenkt, desto diffuser wird der Begriff, so geht es mir, aber anscheinend auch Oliver:

Betrachte ich mich selbst kritisch, muss ich mir einige Versäumnisse vorwerfen: Zwar habe ich ein intuitives Verständnis davon, was Wissenschaft bedeutet und ausmacht, aber wirklich auseinandergesetzt damit habe ich mich nicht – und ich will ein Wissenschaftler sein?

Oliver startet nun zu seiner Reise im heimischen Bücherschrank, dessen Inhalt zum Thema Wissenschaft sich durchaus sehen lassen kann und einen ziemlich guten Startpunkt darstellen dürfte. Die Liste liest sich schon recht beeindruckend und ich freue mich auf die Begleitung des Pfades (durch die Werke von Kornmeier, Chalmers, Watzlawick, Popper, Poincaré, Adorno und weitere), die Oliver wohl auf seinem Blog und auch auf seiner Wikiversity-Seite öffentlich machen wird.

Es dürfte also spannend werden – nicht nur für Leute, die sich mit Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation beschäftigen.

Kurz verlinkt: Ist die Wissenschaftskommunikation bereit für Social Media?

Michael Sonnabend aka @earl_piggot – seines Zeichens Blogger und vor allem hauptberuflich Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Twitter) – veröffentlichte gestern einen ausführlichen Blogpost zur Frage, ob die Wissenschaftskommunikation bereit für Social Media ist.

Verschiedenste Facetten dieser Frage werden ja bereits an anderen Stellen beleuchtet und diskutiert, z.B.:

Disclaimer: Die ist nur eine kurze beispielhafte Auflistung (Basis sind hier gut 2min Google-Suche). Sicher gäbe es hier unzählige Kolleginnen und Kollegen mehr, die man aufzählen könnte (vom internationalen Kreis mal ganz abgesehen). Selbst die gelisteten Kollegen haben unendlich viel mehr zum Thema geliefert.

Der eingangs erwähnte, und im Kern dieses Kurzbeitrags stehende Blogpost von Michael Sonnabend “Austausch auf Augenhöhe” jedoch vor allem einen sehr umfassenden Einstieg in das Thema, da er die Entwicklung von Moment an beschreibt, da die PUSH-Inititative nach Deutschland schwappte:

Vor mehr als zehn Jahren brachte PUSH den nötigen Schwung in die Wissenschaftskommunikation. Vieles hat die Initiative erreicht, allein schon eine größere Aufmerksamkeit gegenüber Themen, die aus den Forschungslaboren nach außen dringen. Heute aber, zwischen Medienkrise und wachsenden Social-Media-Diensten, bedarf es neuer Denkanstöße.

Michael Sonnabend legt ein breites Bild vieler Aktivitäten im Bereich der Wissenschaftskommunikation in Deutschland dar – von den Anfängen der Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD), über die Wissenschaftsjahre, die Wissenschaftssommer, die Initiative „Stadt der Wissenschaft“, die seit kurzem in immer mehr Städten stattfindenden Science Slams, bis hin zu audiovisuellen Projekten wie das DFG Science TV der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Am Ende seines ausfürhlichen Beitrags kommt er schließlich auf die Frage zurück, in welche Richtung sich die Wissenschaftskommunikation denn nun weiter entwickeln wird, wo doch “weltumspannende Dienste wie Facebook, Twitter, LinkedIn oder Google Buzz bzw. ein eigenes Blog für Wissenschaftler einen ganzen Pool von Möglichkeiten [bieten], sich selbst und die eigene Arbeit zu vermarkten.”

Die Antwort möchte ich selbstverständlich nicht vorwegnehmen, sonder verweise einfach an dieser Stelle auf den empfehlenswerten Beitrag von Herrn Sonnabend, der übrigens schon 2009, im Nachgang zum Forum Wissenschaftskommunikation (pdf), einen Beitrag zu den Herausforderungen der modernen Wissenschaftskommunikation verfasste.  Auch dieser ist eine echte Leseempfehlung, im Stifterverband-Magazin “Wirtschaft & Wissenschaft” 4/2009 erschienen und online abrufbar:

Michael Sonnabend: “Stellt die Megaphone weg” (pdf)

Viel Spass beim Lesen der Beiträge, beim Nachdenken, Umsetzen, oder Diskutieren (ob hier, bei Michael Sonnabend, oder auf dem diesjährigen Forum Wissenschaftskommunikation in Mannheim)!