Schmieriger Abgang von Shell beim Berliner Science Slam

Was kann schon schiefgehen, wenn ein Mineralölkonzern wie Shell eine PR-Agentur wie Burson-Marsteller beauftragt einen Science Slam auszurichten?

Erstens: der Verdacht des Greenwashings liegt extrem nah.

Zweitens: die auftretenden Forscher nutzen die Gelegenheit sich mit ihren Vorträgen direkt gegen den Mineralölriesen und seine verantwortungs- und gewissenlose Umwelt- und Sozialpolitik zu wenden.

Und drittens: einige Forscher gehen noch weiter und hacken das Event bis zum Abbruch wie bei Metronaut zu lesen ist:

Den krönenden Abschluss machte ein Aktivist, der eine Maschine mitgebracht hatte, die als CO2-Rückgewinnungexperiment getarnt war. Die Maschine verspritzte schwarzen Ölschlamm auf Bühne und Publikum – und brachte die hässliche Fratze des 500-Milliardenkonzerns direkt ins hippe PR-Event im Berliner Tempodrom. … Bei Science Slams entscheidet das Publikum darüber, wer den Preis gewinnt. Es entschied sich für den Aktivisten mit dem Ölschlick. Doch die Veranstaltung wurde abgebrochen…

Lesenswertes rund um Open Science

Ich beschäftige mich ja nun seit einiger Zeit auch verstärkt mit Open Science. In der Tat hat sich mein Fokus ein wenig weg von Wissenschaftskommunikation hin zu Open Science in all seinen Facetten verlegt. Vielleicht macht auch dieses Blog ein Stück weit diese Entwicklung mit, allerdings habe ich genug andere Orte wo ich dazu schreibe und podcaste, sodass dieses Blog hier weiter ein bunter Strauß zu allerlei verschiedene Themen rund um Kommunikation und Wissenschaft bleiben soll.

Das Thema Open Science steht jedenfalls bei mir recht zentral in meinem Interessensfeld und findet ausreichend Platz in einem meiner Podcasts, dem Open Science Radio, aber auch in meinem Blog Offene Wissenschaft. Gerade in letztem habe ich kürzlich damit begonnen die lesenswerten Links aus meinem Feedreader auch dort kommentiert zu empfehlen:

Ich lese viel. Sehr viel. Leider komme ich bei weitem nicht dazu all die Informationen die ich lesend aufnehme entsprechend weiterzuempfehlen, sei es als Tweet, Post oder Blogpost. Das möchte ich allerdings ändern und gleichzeitig dieses Blog hier wieder ein bißchen beleben.

Also habe ich meinen Feedreader als Grundlage genommen, in dem sich mittlerweile gut 400 Abonnements von Blog-RSS-Feeds  zu allen möglichen Themen befinden. Empfehlenswerte Links teile ich als Bookmarks zu Pinboard und kommentiere sie in der Regel, damit deutlich wird warum ich diese empfehlen und dies hier nicht all zu sehr als “automatische Linkschleuder” funktioniert. Sobald dort 3 Links mit entsprechendem Tag vorliegen, zieht sich das WordPress-Plugin Postalicious diese Links und postet sie.

Wenn Euch dies stört oder nervt, dann lasst es mich wissen, dann denke ich darüber nach die Linkempfehlungen vielleicht in einen eigenen RSS-Feed zu packen, damit sie diesen Blogfeed nicht unnötig verstopfen. Ich werde natürlich weiterhin auch “richtige” Posts hier verfassen.

Darüber hinaus hat sich kürzlich eine kleine Kooperation mit den Kollegen von der österreichischen Open Science Bewegung ergeben. Stefan Kasberger hat mich im Nachgang zu unserem Gespräch für das Open Science Radio gefragt ob ich nicht Lust hätte zu einer Art Newsletter bzw. monatlichen Blogpost beizutragen. Was ich spannend finde und fortan tun werde:

Wie heißt es immer so schön? Tue Gutes und rede darüber. Und auch wenn dieses Bonmot von diversen PR-Veranstaltungen dieser Welt zum Credo erkoren wurde (und nicht selten ad absurdum geführt wurde), trifft das doch besonders auf die Bereiche zu in denen man selbst aktiv ist, oder deren Aktivitäten man gern unterstützt. Von daher ist es mir ein Vergnügen mich redaktionell beim Monthly Sum-Up zum Thema Open Science zu beteiligen den die Kollegen Stefan Kasberger, Chris Kittel und Peter Kraker aus Graz in’s Leben gerufen haben. Und da darin auch noch einmal erklärt wird worum es geht, hier gleich die erste Ausgabe dieser monatlichen Edition, wie er am 11. Oktober drüben auf dem Open Science Blog der Kollegen Stefan und Chris erschienen ist.

Interview zu allerlei Aspekten im Spannungsverhältnis Internet und Wissenschaft

Screenshot_sicherheitspolitikblogVor einiger Zeit fragte mich Andrea Jonjic ob ich Ihr im Rahmen eines kleinen Interviews für das sicherheitspolitik-blog ein paar Fragen rund um Internet und Wissenschaft, Open Science, Open Access, Wissenschaftscrowdfunding und der Wissenschaftsbloggerei beantworten könnte. Das habe ich selbstverständlich gern getan und das Interview ist heute erschienen.

Kommentare sind drüben gern gesehen! ;-)

Cosmos

Die 1980er Jahre haben neben Frisuren- und Modeverbrechen auch einiges an guter Musik hervorgebracht und nicht zuletzt auch großartige Fernsehserien mit wissenschaftlichem Hintergrund. Eine der besten war wohl Comos: A Personal Voyage in der der großartige Carl Sagan das Universum so verständlich zu erklären vermag wie kaum ein anderer.

Vor einiger Zeit schon gab es die fantastische Nachricht, dass die damals in 13 Teilen laufende PBS-Serie neu aufgelegt wird – Comos: A Spacetime Odyssey. Okay, ich vermute die Entscheidung war “recht leicht”, aber die Entscheidung für einen Nachfolger von Sagan dürfte schwierig gewesen sein, könnte ich mir zumindest vorstellen. Hier kommen wohl bloß die Großkaliber der Wissenschaftsvermittlung in Frage kommen – so jemand vom Schlage Brian Cox. Ich freue mich, dass FOX hier aus meiner Sicht eine sehr gute Entscheidung getroffen hat und Neil DeGrasse Tyson für den Job gewinnen konnten, jenen Astrophysiker und Wissenschaftskommunikator der, ähnlich wie Sagan, in einer unendlich eloquenten, aber sehr unterhaltsamen und manchmal sogar spitzen Art und Weise die kompliziertesten Dinge zu erläutern vermag. Auf der Comic Con gab es jetzt den ersten Trailer zu sehen, die Serie selbst soll 2014 auf die Bildschirme kommen.

Ach ja, noch eine kleine Kostprobe eines echten “Degrasse Tyson” aus seinem sehr zu empfehlenden Buch Death by Black Hole:

“[I]f an alien lands on your front lawn and extends an appendage as a gesture of greeting, before you get friendly, toss it an eightball. If the appendage explodes, then the alien was probably made of antimatter. If not, then you can proceed to take it to your leader.”

NASA und ESA gehen mit offener Kommunikation voran

Die NASA macht uns – wie ich persönlich zumindest finde – seit einigen Jahren einiges vor in Sachen Wissenschaftskommunikation, wissen sie doch diverse Social Media Kanäle auf fast schon natürliche Art und Weise in ihre Kommunikation einzubinden. Flickr, Facebook, Youtube, UStream, Twitter…all das nutzt die NASA, oder lässt es ihre Astronauten und irdischen Wissenschaftler beinahe freimütig-anmutend nutzen.

Wie sehr das Unternehmen die Möglichkeit im Social Web offene und transparente Kommunikation zu betreiben auch nutzt, lässt sich an einem aktuellen Beispiel drüben im Blog bei Marco Trovatello nachlesen. Nach einer Störung am Raumanzug von ESA-Astronaut und derzeitigem ISS-Bewohner Luca Parmitano während seines Spacewalks brach die NASA den Livestream nicht ab, sondern ließ ihn weiterlaufen. Dieser offene Umgang mit dem Scheitern (hier anhand einer abgebrochenen Aufgabe) und das Erleben eines professionell agierenden Teams ist in der Wissenschaftswelt bei weitem nicht Usus. Es lässt sich aber hoffen, dass ein solches Vorgehen nicht nur in der Raumfahrt Schule macht.

Apropos Astronauten und offene Raumfahrtwissenschaftskommunikation (äh…naja, man entschuldige mir dieses Wortmonster) – auch die ESA fühlt sich zusehends wohl im Social Web und weiß dessen Kanäle mittlerweile konsequent, interessant und unterhaltsam zu bespielen. Unter anderem bloggt und twittert besagter ESA-Astronaut Luca Parmitano (wie viele andere Astronauten auch). In seinem aktuellsten Blogpost beschreibt er seinen Spacewalk:

…Galvanized by the challenge before me, I almost forget where I am: just at the prow of the ship, and with the whole ISS behind me! When the sun rises once again I am almost overwhelmed by what I see…

Wie viel näher kann man dran sein?! Großartig!

Und weil es so schön ist:

SciCamp – Wissenschaft im Netz (#widsc)

Am kommenden Wochenende findet in Berlin, genauer gesagt im co-up Coworking Space, das 3. SciCamp von Wissenschaft im Dialog statt und ich gehe hin. In diesem Blogbeitrag möchte ich meine persönliche Vorbetrachtung darlegen.

Was das SciCamp ist?

Das Scicamp zum Thema „Wissenschaft im Netz“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Wissenschaft im Internet präsentiert und vermittelt werden kann und welche Möglichkeiten das Internet der Wissenschaft bietet.

Dabei soll nicht (mehr) über Sinn und Unsinn von Social Media geredet werden. Vielmehr geht es um gute Inhalte und Möglichkeiten, die das Internet nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Wirtschaft, Kunst und Kultur, sowie der Kreativ- und Webszene bietet. Die Veranstaltung dient dem ressortübergreifenden Erfahrungs- und Ideenaustausch der Teilnehmer.

Den genauen Ablaufplan und die konkreten Inhalte der Veranstaltung bestimmen die Teilnehmer selbst vor Ort. Ihr kennt interessante Leute mit spannenden Themen, über die ihr gerne mehr erfahren und diskutieren möchtet? Ladet sie ein, denn das Scicamp lebt von eurer aktiven Teilnahme!

Ich hab hier im Blog ja schon in diversen Beiträgen bemängelt, dass die Wissenschaft das Potential das das Netz bietet nur geringfügig ausnutzt. Schade eigentlich, denn die Vielfalt der Aktionen ist nahezu unendlich. Klar muss man sich da erst reinfinden, das Potential entdecken und für sich entscheiden in welcher Form einem das zuträglich sein kann, oder auch nicht. Da hat sich in den vergangenen Jahren auch einiges getan und wir sehen hier und da tolle Aktionen. Aber immer noch vernimmt man in den gängigen “Branchenveranstaltungen” die ewig gleichen Diskussionen rund um Argumente wie “…das Internet ist ohnehin nur etwas für Digital Natives…”, “…ich habe keine Zeit mich da einzuarbeiten…”, “…ich nutze selbst kein Facebook, Twitter, Instagram, [you name it], also ist das für meine Zielgruppe auch nicht sinnvoll…”, “…komplexe Wissenschaft kann man nicht auf Youtube vermitteln…”, und so weiter. Sehr vertraut ist einem auch die ewige und mittlerweile fast bedenkenträgerisch “mantraisierte” Frage nach dem ROI. Genau diese Frage, die ja eigentlich aus einer unternehmenslenkerischen Motivation heraus gestellt wird, wird meines Erachtens nicht selten vorgeschoben, um sich mit manchen Themen gar nicht erst tiefergehend beschäftigen zu müssen. Das Ergebnis jedenfalls ist, dass diese Frage, wenn sie schon in frühen Phasen abwehrhaltungsartig vorgeschoben wird, nicht selten jegliche Vorhaben schon im Keime erstickt. Viel schlimmer noch, sie nimmt den Mitarbeitern die Motivation überhaupt kreative Energie in die Entwicklung neuer Ideen zu stecken. Und das ist grausam!

Daher kann ich nur immer wieder den ewig gleichen Aufruf fordern, den ich natürlich auch sehr gern als Forderungen formuliere:

  1. Traut Euch!
  2. Nutzt eine der essentiellen wissenschaftlichen Methoden: experimentiert!
  3. Habt Spaß!
  4. Wenn irgendetwas nicht auf Anhieb oder gar nicht funktioniert, steht dazu! Scheitern ist ein der Wissenschaft inhärenter Prozess! Das transparent zu tun, steigert nur Eure Authentizität!
  5. Versucht Euch neue Zielgruppen zu erschließen!
  6. Unterschätzt bestehende Zielgruppen nicht!
  7. Habt Spaß!
  8. Geht nicht blauäugig an die verschiedenen Kommunikationsformen, Kanäle, Medien, oder Formate heran, sondern investiert etwas Zeit, um Euch damit vertraut zu machen und zu entdecken wie Ihr und Eure Organisation in den Kanälen Mehrwerte schaffen könnt!
  9. Schaut in Euren eigenen Reihen und Häusern, ob es begeisterungsfähige Menschen für die Kommunikation im Netz gibt, anstelle Euch bei großen xyz-Agentur für viel Geld eine Schubladenlösung zu kaufen. Es ist natürlich überhaupt nicht verwerflich sich Unterstützung aus Agenturen zu holen – aber nehmt Eure eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit auf diesen Weg!
  10. Habt Spaß!

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich das hier sehr einfach und überspitzt formuliere. Ich will damit auch nicht respektlos erscheinen. Und es ist mir ebenso bewusst, dass nicht jede Wissenschaftsorganisation jeden Kommunikationsweg im Netz für jedes Projekt nutzen muss! Was ich bloß grundsätzlich sagen will ist, dass Ihr Euch Chancen vergebt, wenn Ihr das Medium Internet und seine Möglichkeiten für Euch nicht ausführlich auslotet! Es gibt Organisationen die das tun, und zwar sehr gut tun. Diese erhalten die Aufmerksamkeit, speziell einer sehr wichtigen Zielgruppe die für alle Wissenschaftsorganisationen gleichermaßen wichtig sein sollte: Nachwuchs!

Also beschäftigt Euch damit und startet zumindest Versuchsballons! Sonst tun es andere und ziehen im Zweifel an Euch vorbei!

Ach ja, ich habe zwar nicht so viel Zeit, aber Ihr wollt Beispiele für tolle Wissenschaftskommunikation im Netz? Hier kommen einige die mir da spontan einfallen:

Audio

Video

  • Das Curiosity-Video “Challenges of Getting to Mars: Curiosity’s Seven Minutes of Terror” von JPL/NASA, weil es unglaublich dicht erzählt ist – spannend, ohne an wissenschaftlicher Qualität zu verlieren.
  • Vom Royal Observatory Greenwich gibt es “Measuring the Universe” – dieser Animationsfilm führt leicht verständlich das komplizierte, weil nur schwerlich vorstellbare Größenverhältnis des Universum vor.
  • Ein großartiges, sehr simples Meta-Wissenschaftsvideo kommt von Kevin Zelnio und Mindy Weisberger, die über Twitter mit dem Hashtag #IamSciene fragten warum man Wissenschaftler ist (hier das Storify dazu). Die Antworten haben sie in einem Video zusammengetragen, das zwar selbst keine wissenschaftlichen Zusammenhänge erklärt, aber dennoch eine tolle Meta-Botschaft enthält.
  • Das Umweltbundesamt hat ein Video zum Emissionhandel gemacht, das wirklich gut auch die thematischen Zusammenhänge von Emissionen, Ökosystem und wirtschaftspolitischen Systemen verdeutlicht.
  • Schön gemacht finde ich auch “Transit of Venus” von Lab Camera Action in dem Andrew Steele (Univ. of Oxford) den Venustransit erklärt.

Text

Was all diese Dinge bringen? Öffentliche Information und Aufmerksamkeit seitens der Menschen die es sich zu erreichen vielleicht lohnt!

Also, wenn Euch dieses Thema interessiert, dann könnt Ihr Euch noch zum 3. SciCamp anmelden. Das könnt Ihr ganz einfach entweder direkt auf der SciCamp-Website (dort gibt es übrigens auch die Dokumentationen der ersten beiden SciCamps) oder in dem dazugehörigen Facebook-Event.

Ich jedenfalls freue mich auf den Austausch, besonders auf den Austausch abseits der bedenkenträgerisch geführten Debatte, dafür lebhaft anhand toller Beispiele! Wir sehen uns dort!

Open Science Radio

Ich habe ja an diversen Stellen (z.B. hier und hier) bereits durchscheinen lassen, dass ich totaler Fanboy überzeugter Verfechter von Open Science bin – im letzten Jahr habe ich ja zu diesem Blog auch noch ein zusätzliches Blog begründet das sich explizit mit der Öffnung der Wissenschaft beschäftigt. Da ich zudem ja auch großer Fan von Podcasts und selbst begeisteter Amateurpodcaster bin, und die Zeit ohnehin immer schlecht für mehr Arbeit ist, habe ich vor kurzem ein neues Projekt in’s Leben gerufen: das Open Science Radio.

Mit dem Open Science Radio habe ich einen relativ regelmäßig erscheinenden Podcast in’s Leben gerufen, der sich mit dem Thema Open Science beschäftigt. Dabei soll es sowohl um die einzelnen vielseitigen und -schichtigen Aspekte gehen, aber auch um das gesamte Zusammenwirken. Von Open Access über Citizen Science und Open Data bis hin zu Öffentlicher Wissenschaft und Open Source soll hier alles eine Rolle spielen. Mit dem Podcast möchte ich ein grundlegendes Verständnis schaffen, vor allem aber auch über aktuelle Entwicklungen informieren.

Mittlerweile ist das Projekt einen Monat alt und ich habe bis dato eine einführende “Nullnummer” und 3 reguläre Episoden aufgezeichnet. Ich hoffe, dass ich im Zuge der nächsten Zeit auch sukzessive ein paar Themen tiefgreifender behandeln kann, idealerweise mit einem entsprechend versierten Gesprächspartner.

Ich würde mich freuen, wenn es ein paar Zuhörerinnen und Zuhörer gäbe. Ich bin natürlich jederzeit für Feedback, Kritik und Anregungen (das Format, meine “Leistung” oder auch das Thema betreffend) dankbar!

Braucht die Wissenschaft mehr Marketing? #fwk2012

Vorweggenommener Disclaimer: Ich selbst habe zum diesjährigen Forum Wissenschaftskommunikation mit Oliver Tacke einen eigenen Beitrag zum Thema Open Science eingereicht, der es allerdings nicht in’s Programm geschafft hat.

Mir fällt es offen gestanden etwas schwer einen Rückblick zum diesjährigen Forum Wissenschaftskommunikation zu verfassen. Nicht, weil ich nicht auch in diesem Jahr wieder Bekannte und viele neue und nette Menschen kennengelernt hätte, und auch nicht, weil ich nicht auch viele interessante Gespräche geführt hätte. Vor allem fällt es mir schwer, weil all dies eigentlich nicht viel mit dem Inhalt dieser Veranstaltung zu tun hat.

Michael Sonnabend hat mein Gefühl mit seinem Tweet ganz gut auf den Punkt gebracht:

@staudner Eigentlich wie immer: Viele Gespräche, familiäre Atmo, wenige innovative Sessions … #fwk12— Michael Sonnabend (@earl_piggot) Dezember 5, 2012

Klar, ich habe nur einen Bruchteil der parallel stattfindenden Vorträge in den verschiedenen Sessions gesehen und entsprechend nur einen kleinen Teil der Diskussionen mitbekommen. In den von mir besuchten Sessions sind mir allerdings wieder einmal ein paar Dinge aufgestoßen aufgefallen:

Es gibt wenige Beiträge die zum Nachdenken anregen, stattdessen gibt es nach meinem Geschmack einfach zu viele Beiträge in denen sich viel zu sehr auf die eigenen Schultern geklopft wird, ob der vollbrachten Projekte. Die Chance diese Projekte im Kreise der Kolleginnen und Kollegen kritisch zu diskutieren wird (zumindest in den Sessions) oft vertan.

Wir diskutieren viel zu oft dieselben Fragen aus den selben Perspektiven, anstelle die Perspektive auch einmal zu wechseln. Ich besuche jetzt seit 2009 das Forum und jedes Jahr auf’s neue hört man Fragen à la “Wie viel Zeitaufwand soll ich für das Bloggen/Twittern/Facebooken einplanen?”, “Wie gehe ich mit kritischen Kommentaren um?”,  ”Wie sollte ich in 140 Zeichen Wissenschaft transportieren können?”, oder “Woher sollen wir die Ressourcen nehmen die es bräuchte, um xyz umzusetzen?”. All diese Fragen sind sicher richtig und wichtig, wenngleich manche davon etwas naiv formuliert sind. Wir müssen aber irgendwann aufhören diese Fragen immer und immer wieder zu stellen, und damit anfangen auch einmal Antworten darauf zu liefern. Vor allem müssen wir aber damit beginnen den  Antworten die uns bereits gegeben werden, zuzuhören. Vielleicht ist das Zuhören sogar das größte Problem der Wissenschaftskommunikation.

Es gibt im Jahr 2012 noch “Kommunikationsprofis” (ergo Personen die Kommunikation als ihre Profession sehen) die jetzt erst Blogs, Twitter, Facebook für sich entdecken, sich damit befassen, oder es gar noch immer nicht getan haben. Es gibt darüber hinaus noch immer professionelle Wissenschaftskommunikatoren die meinen, diese (nicht mehr so) neuen Medien seien nur etwas für Digital Natives und böten keine relevanten Kommunikationskanäle. Leider schafft es das Forum nicht das einzig richtige Signal in diese Richtung auszusenden: Beschäftigt Euch damit und tut es nicht einfach ab! Klar, nicht jeder muss jeden Kommunikationskanal, jedes Medium oder jedes soziale Netzwerk bespielen. Diese Dinge aber einfach mit der Mär Ausreden der Digital Natives und anderen Trübsinnigkeiten abzutun und sich gar nicht damit zu beschäftigen, ist m.E. der falsche Weg (insbesondere, wenn man seinen Beruf in der Kommunikation hat). Zugegebenermaßen ist es dabei nicht hilfreich, wenn der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbands der Deutschen Wissenschaft, Dr. Volker Meyer-Guckel, in der Abschlußdiskussion genau dies (das Abtun) tut, wenn er sinngemäß sagt, dass er Tweets für überflüssig hält.

Sicher, es gab auch Zeichen, die nach vorn zeigen und sogar dazu aufrufen selbst aktiver zu werden. Henning Krause warb dafür neue Formate in der Wissenschaftskommunikation auszuprobieren, zum Beispiel Podcasts oder TweetUps. Marco Trovatello legte ein engagiertes Wort für die Nutzung von Creative Commons Lizenzen in der Wissenschaftskommunikation ein. Und Marc Scheloske motivierte die Anwesenden mit den vorläufigen Ergebnissen seiner Twitter-Studie sich Twitter doch einmal genauer anzuschauen, da es sehr wohl das Potential birgt wissenschaftsrelevante Inhalte zu transportieren.

Den für mich wichtigsten Kommentar hörte ich aber von Florian Freistetter a.k.a. Astrodicticum - der ansonsten in der Abschlußdiskussion leider eher außer Acht gelassen wurde – zur Frage nach der Wichtigkeit der Wissenschaftskommunikation aus Sicht der Wissenschaftler. Florian merkte völlig nachvollziehbar an, dass es nicht wenige Wissenschaftler gäbe die nicht nur Spaß am Kommunizieren hätten, sondern dies auch noch können würden, dass es aber nur ein vergleichbar geringer Teil wirklich tun würde (und viele davon noch in ihrer Freizeit) solange die Wissenschaftskommunikation nicht in die Evaluation/Bewertung ihrer wissenschaftlichen Arbeit eingehen würde. Das ist nur allzu verständlich, denn wer tut schon etwas gern, das ihm nicht nur nicht anerkannt wird, sondern im Zweifel sogar noch im Wege steht und womöglich künftige Chancen verbaut?

Was folgt?

Was für ein Fazit kann ich daraus ziehen? Das Forum Wissenschaftskommunikation sollte muss provokanter werden, wenn es jemals an den Punkt kommen will in der Wissenschaftskommunikation wegweisende Akzente zu setzen. Das muss nicht gleich eine Kehrtwende bedeuten und an allen Stellen gleichzeitig passieren, aber es reicht m.E. nicht mehr einfach eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die Jahr für Jahr zum Großteil dieselben Themen im selben Tenor präsentiert. Wissenschaft im Dialog hat ja mit dem SciCamp bereits ein spannendes und innovativeres Veranstaltungsformat in petto. Und an dieser Stelle wurden schon Ideen für nächste SciCamps gesammelt – vielleicht sollte man mit dem Forum inhaltlich ebenso etwas mehr in diese Richtung tendieren. Oder verschreckt man sich dann die Mitglieder für die kommenden Jahre?

Ich werde sicher auch im nächsten Jahr wieder einen eigenen Vorschlag für eine Session einbringen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich die Veranstaltung noch einmal voll besuche. Wir werden sehen.

Für den WiD wünsche ich mir für das nächste Jahr ein wenig mehr Chuzpe in der Veranstaltungsorganisation, ein wenig mehr Mut im Selbstverständnis und ein wenig mehr Vorbildfunktion für die Innovation in der deutschen Wissenschaftskommunikation. Für dieses Jahr danke ich ihm aber trotz allem für seine Arbeit und die Organisation des Forums!

Um den Rahmen zu schließen: braucht die Wissenschaft also mehr Marketing? Vielleicht, die Frage wurde mir zumindest im diesjährigen Forum nicht beantwortet. In einer Sache bin ich mir aber ziemlich sicher: die Wissenschaftskommunikation braucht mehr Mut! Mehr Mut, um mit Spaß an der Sache auch mal neue Dinge auszuprobieren und nicht ständig gleich die Sinnfrage mit dem ROI im Hinterkopf zu stellen. Mehr Mut, um auch mal Dinge gegen den Wind innerhalb oder auch außerhalb der eigenen Organisation auszuprobieren. Und mehr Mut, um auf die Erkenntnis hinzuwirken, dass Wissenschaftskommunikation nicht nur Aufgabe einer zentralen Arbeitsstelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist, sondern immanente Aufgabe eines jeden Wissenschaftlers (wenn er es denn möchte), für die Raum und Zeit sein muss und die sich vor allem für den Wissenschaftler auch lohnen muss!

P.S.: Noch drei kleine Hinweise zu guter Letzt. Begleitende Blogbeiträge finden sich beim Kollegen Reiner Korbmann. Einen Einblick bekommt man auch über die beiden Hashtags zur Veranstaltung - #fkw2012 (offiziell) und #fwk12 (quasi “inoffiziell”).

Bildrechte: C. Rieken/WiD

Social Media, ein erster Schritt für Offene Wissenschaft

Auf Einladung von Sachar Kriwoj und UdL Digital war ich heute morgen beim BREAK_fast und durfte als “Impulsgeber” etwas über Social Media in der Wissenschaft in der kleinen, aber sehr angenehmen Runde erzählen. Da mir schon im Vorfeld bewusst war, dass ich der Runde nichts über die Funktionsweisen von Social Media oder irgendwelche Tools erzählen brauchen würde, hab ich die Chance ergriffen und mal den Haken zu Open Science geschlagen. Die Wendung ist nicht nur nicht besonders groß, ganz im Gegenteil sogar, sie liegt sogar recht nahe. Warum kann man drüben erfahren.

Open Access als (Nischen)thema beim sogenannten Zukunftsdialog

Crosspost von www.offene-wissenschaft.de.

Die Ergebnisse des im Februar gestarteten Zukunftsdialogs der Kanzlerin liegt nun in einem Abschlussbericht vor, den die ehrenamtlich beteiligten Fachleute am 28. August im Kanzleramt vorgelegt haben (Abschlussbericht als PDF).

Im Kern ging es bei dieser politischen Veranstaltung um die drei großen Fragen “Wie wollen wir leben? Wovon wollen wir leben? Wie wollen wir lernen?”. Parallel zum Bürgerdialog fand bereits seit 2011 ein Expertendialog statt, der gemeinsam mit dem Bürgerdialog in konkrete Vorschläge zusammenfließen sollte.

Im Frühjahr 2011 initiierte Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Zukunftsdialog, der aus zwei Teilen bestand. Der erste Teil, der „Expertendialog“, war ein Zukunftsdialog mit unabhängigen, überparteilichen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis, der zweite ein Zukunftsdialog mit Bürgern, der „Bürgerdialog“. Unter der Überschrift „Dialog über Deutschlands Zukunft“ wurden drei Themenfelder diskutiert, die in den kommenden zehn Jahren hohe Relevanz für Deutschlands Zukunft haben. Ziel des Dialogs war es, konkrete Handlungsvorschläge für die Politik auf Bundesebene in politisch relevanten Handlungsfeldern zu erhalten.

 

Quelle: Screenshot
Bei dem Dialog über Deutschlands Zukunft ging es also vor allem auch darum die Bürger bei der Diskussion über die Zukunft Deutschlands teilhaben zu lassen und ihnen zumindest das Gefühl zu geben, sie könnten sich durch eigene Vorschläge an den Überlegungen der Bundesregierung beteiligen. Inwieweit die Vorschläge der Bürger zumindest einigermaßen gleichberechtigt berücksichtig werden konnten ist (zumindest mir) unklar, zumindest nach dem Passus im Abschlussbericht:

Parallel verfolgten wir den Online-Bürgerdialog und beteiligten uns durch den einen oder anderen Blogbeitrag. Natürlich konnten wir uns nicht alle 11.600 Vorschläge ansehen. Daher wurden sie vom Redaktionsteam des Bundespresseamtes von den reinen Meinungsäußerungen getrennt und uns dann nach Themen sortiert für unsere Beratungen zur Verfügung gestellt. Einige Arbeitsgruppen konnten sich hier neue Anregungen holen. Andere mussten feststellen, dass die Bürger ihre Themen anders interpretierten. Wieder andere fanden eine hohe Übereinstimmung der Schwerpunkte. Sofern es die Zeit der Experten und in den Arbeitsgruppen zuließ, wurden einzelne Vorschläge aufgenommen oder kommentiert.

Einige kleine Auswahl des Bürgerdialogs kann man sich zumindest auf den Seiten der Bundesregierung anschauen (PDF)
Interessant (besonders vor dem thematischen Fokus dieses Blogs) sind darüber hinaus die Expertenvorschläge, die ebenso als PDF vorliegen. In Vorschlag 24 heißt es darin:

Förderung des offenen, freien Zugangs („Open Access”) der Wissenschaft zu Daten und Informationen (z. B. Ergebnisse von Studien der Bundesregierung und der Verwaltung; Datenbanken zu wissenschaftlichen Ergebnissen oder Bildungsinhalten; Portal zu Innovationsprojekten).

Das ist ein hehrer Gedanke, wenn auch nur ein (wichtiger) Aspekt im Zuge einer begrüßenswerten Öffnung von Forschungs-, Bildungs-, Regierungs- und Verwaltungsprozessen. Das Konzept findet sich dann im Abschlussbericht, also dem “Ergebnisbericht der Expertinnen und Experten des Zukunftsdialogs der Bundeskanzlerin 2011/2012″ zumindest grundlegend wieder. Allerdings ist die Einordnung sowohl in der Kurzfassung (PDF), als auch in der Langfassung (PDF) etwas merkwürdig, denn hier ist von Open Access eigentlich nur hinsichtlich der Transparenz der Bundesbehörden die Rede, so könnte man zumindest schließen, wenn man sich die Einordnung unter dem Vorschlag 1 “Mehr Transparenz durch pro-aktive Veröffentlichungspflichten für Bundesbehörden und ein gemeinsames Informationsregister ” ansieht. Zumindest vom Text könnte man dann schließen, dass Open Access nicht nur auf eigene Publikationen, sondern auch auf alle Publikationen die aus öffentlichen Geldern finanziert sind, anwendbar wäre:

Vorhandene und mit öffentlichen Mitteln finanzierte Studien und Gutachten liefern vielfältige Expertise
und Impulse. Diese eignen sich auch für andere Arbeiten, die sich durchaus von dem ursprünglichen
Zweck der Erstellung unterscheiden, was jedoch bei Auftragsvergabe nicht vorhersehbar war. Im Sinne von Open Knowledge (Offenes Wissen) und Open Access (Freier Zugang) wäre es für die Bundesverwaltung konsequent, sämtliche in Auftrag gegebene Studien frei, also unbeschränkt und kostenlos im Internet zugänglich zu machen, solange diese keine schutzbedürftige Inhalte umfassen.

Auf weitere, oder ausführlichere Erwähnungen wartet man, wenn ich das richtig sehe, vergeblich. Selbst in dem recht ausführlichen, bildungsbezogenen Teil findet man leider keine Erwähnung, das einzige “offene” Konzept dieses Teils ist die Open University.

Wie man das nun deuten kann oder gar sollte, dürfte eine interessante Diskussionsgrundlage sein.