Twissenschaftler und Tworschungseinrichtungen

Marc Scheloske (Twitter) macht sich ja bereits seit einiger Zeit (November 2011) die Mühe und führt eine Twitterstudie (zur wissenschaftlichen Nutzung von Twitter) durch. Jetzt kann man argumentieren, dass auf Twitter eher weniger wissenschaftliche Diskurse und mehr wissenschaftspolitische oder wissenschaftspublizistische* Diskurse geführt werden, worauf aber auch Marc hingewiesen hat:

Um eine Sache klarzustellen: Ich bin mir keineswegs sicher, ob auf Twitter wirklich nennenswerte wissenschaftsbezogene Diskurse stattfinden. Gut möglich, daß fast alles, was von Wissenschaftlern oder Wissenschaftsjournalisten über Twitter verbreitet wird, aus wissenschaftlicher Perspektive irrelevant ist. Aber sicher bin ich mir eben nicht. Und genau deswegen untersuche ich die wissenschaftliche Twitternutzung innerhalb einer kleinen Studie.

Wie dem auch sei, mittlerweile hat Marc eine ganze Reihe an Daten gesammelt und einen aktuellen Stand veröffentlicht. Es gibt derzeit die Einteilung in

Sehr schöne Übersicht. Herzlichen Dank an Marc für den betriebenen Aufwand! Wir dürfen gespannt sein, was aus der Twitterstudie noch für Ergebnisse “herausfallen”.

Mir fällt bei dem Thema übrigens noch ein Artikel aus dem Jahr 2009 ein, in dem Andrew Maynard den “Science Influence on Twitter” beleuchtete.

* Nur ein kleiner Hinweis: hierunter würde ich sowohl die Wissenschaftskommunikation, als auch das “harte” publizistische Themenfeld (z.B. mit Open Access) verstehen.

Shakehands, aber keine Kratzspuren am Prüfstein

Wie sich ja recht eindeutig aus meinen Tweets in der letzten Woche erkennen lassen konnte, war ich von Dienstag bis Donnerstag beim Forum Wissenschaftskommunikation des WiD in Köln zugegen. Das Forum hatte sich unter dem Titel “Zwischen den Stühlen: Wissenschaftskommunikation im Spannungsfeld von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft” vorgenommen, der Frage nachzugehen “…in welchen Spannungsfeldern Wissenschaftskommunikation stattfindet, wie sie von verschiedenen Gruppen beeinflusst wird und wie die Wissenschaftskommunikatoren dieser Situation begegnen.”

Es wurde von den Teilnehmern des Forums – darunter Wissenschaftsjournalisten, Presse-Referenten, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit in Wissenschaftsorganisationen, Hochschulen und Messen, aber auch Wissenschaftler - sogar versucht in Plenarvorträgen, Sessions und Diskussionen Antworten auf diese Frage zu geben. Die Qualität bzw. die Art und Weise dieser Antworten war für mich persönlich aber großteils erschreckend. Denn mein persönlicher Eindruck war, nachdem ich das Forum 2010 ausgelassen hatte, dass nach wie vor über dieselben Dinge in der selben Art und Weise diskutiert wurde. Ich will gar nicht allzu sehr ins Detail der einzelnen Vorträge gehen, vieles wurde auch schon bei Kollegen geschrieben, einige Punkte will ich aber doch kurz festhalten.

Es war erschreckend zu sehen, dass für viele Wissenschaftskommunikatoren das Web 2.0 in all seinen Ausprägungen (twitternde Wissenschaftler, twitternde Kommunikatoren, Wissenschaftsblogs, Wissenschaftsorganisationen bei Facebook, u.v.m.) noch immer Neuland, zumindest aber noch eine Randerscheinung ist. An der Stelle fiel mir vermehrt auf, dass an nicht wenigen Stellen noch immer die Mär vom gravierenden Unterschied zwischen Digital Natives, Digital Residents und Digital Visitors gesprochen wird. Das allerdings ist für mich unbegreiflich und sorry, aber es klingt leider wie eine Entschuldigung dafür sich nicht tiefergehend mit den (nun wahrlich nicht mehr neuen) “Neuen Medien” zu beschäftigen. Es ist für mich ein Rätsel, wie die Kommunikation im Web 2.0 noch immer als eine Art „Kür der Wissenschaftskommunikation“ verstanden und auch so vertreten wird. Es fällt mir schwer zu glauben, dass sich professionelle Kommunikatoren noch immer hinter dem Ammenmärchen um die Digital Natives verstecken. An dieser Stelle kann ich nur eines verdeutlichen: liebe Kommunikationsprofis, es ist Zeit aufzuwachen! Das Web 2.0 wird nicht mehr weggehen, wenngleich es vielleicht auch nicht immer in den jetzt existenten Formen da sein wird. Und mal ehrlich: ist es nicht unsere Aufgabe als Kommunikationsprofis genau die vermeintlichen Unterschiede zwischen Digital Natives/Residents/Visitors zu überwinden???

Sicher, an dieser Stelle muss man sich immer auch die Frage stellen, ob man den Dialog überhaupt möchte, wie man ihn abbilden kann, wie man den Aufwand betreiben kann und welchen Wert das ganze für die jeweilige Organisation hat (zumindest abseits solcher “weichen” Werte wie Image, Nachwuchsansprache, etc.). Klar, diese Fragen sind großteils noch unbeantwortet, zumindest wenn man die Fragen mehr als nur durch das eigene Bauchgefühl beantwortet wissen will. Gerade dann verstehe ich aber nicht, warum wir uns seit dem ersten Forum vor einigen Jahren jedes Jahr auf’s Neue diese Fragen stellen ohne sie je so richtig zu beantworten? Ich glaube die prägendste, oder zumindest die deutlichste und ehrlichste Einschätzung dazu habe ich von Thomas Gazlig gehört, der klarstellte, dass wir aufhören müssen stets neue Konzepte auf den Tisch zu legen und über (dann doch nicht umgesetzte) Ideen zu diskutieren, sondern dass wir die bestehenden Konzepte und Ideen auf den Prüfstein stellen müssen. Da kann ich ihm nur beipflichten, denn nur im Abrieb durch die reale Umsetzung wird sich zeigen, welche Konzepte tauglich sind und welche Ideen weiter formbar. Ja, ich bin mir bewusst, dass genau das der schwierigste Schritt im Prozess einer modernen Wissenschaftskommunikation ist. Sicher sind die Hürden sehr hoch in der schwierigen Argumentation gegenüber den Verantwortlichen in den Organisationen hinsichtlich der Fragen zur Überprüfbarkeit der Ergebnisse und der Umsetzung des enormen Aufwands. Und dass auch die Argumentation gegenüber vieler Wissenschaftler einiges an Aufwand bedeuten könnte, haben wir u.a. an den Vorträgen von Prof. Ferdi Schüth und Dr. Kathrin Rübberdt gesehen, die beide eher sehr zurückhaltend (um nicht zu sagen konservativ) davon sprachen, was sich Wissenschaftler in der Wissenschaftskommunikation erhoffen würden und was man Wissenschaftlern im Kommunikationsprozess zumuten dürfte. Eine sehr treffende Aussage brachte Schüth, der meinte, dass man nach Watzlawik zwar nicht nicht kommunizieren könnte, dass Wissenschaftler dies aber durchaus manchmal versuchen würden. Aber auch hier beklagen wir uns schon viel zu lange darüber wie schwierig die Umsetzung und die Rechtfertigung sei, anstelle es Schritt für Schritt zu versuchen. Die Wissenschaftskommunikation hadert m.E. in den eigenen Prozessen mit einem der essentiellen Untersuchungsmethoden der Wissenschaft selbst – dem Experiment! Wo ist der Mut bei so vielen, einfach mal etwas auszuprobieren? Wo ist der Mut zu Scheitern, durch dieses Scheitern einem Erfolg aber wenigstens schrittweise näher zu kommen? Und wer sagt überhaupt, dass man Scheitern wird? Wo ist der Spaß???

Wir sind natürlich noch einige große Schritte davon entfernt effektive Kommunikationsprozess für das Web 2.0 entwickelt zu haben, die a) funktioniere, b) den Aufwand für alle erträglich halten und c) dann auch noch übertragbar sind und als Best Practice für eine „breitere Masse“ an Wissenschaftskommunikatoren adaptierbar sind. Ich frage mich allerdings, warum wir seit vielen Jahren dieselben Vorträge über Wissenschaftskommunikation (meist in der Ausprägung von „Kommunikation mit den Medien über Wissenschaft“) und ihre Eigenschaften (die meist grundlegende journalistische Eigenschaften à la Authentizität, Wahrhaftigkeit, etc. sind und damit von allen gekannt werden sollten) hören, anstelle sinnvolle Ideen zu diskutieren wie man interne Prozesse in Wissenschaftsorganisationen so entwickelt, dass sie sowohl dem Wissenschaftskommunikator, als auch dem Wissenschaftler in seinen Ansprüchen gerecht werden?

Und so verwundert es mich auch nicht, dass Michael Sonnabend (der ja auch als Mitglied der Programmkommission fungierte) in seinem Fazit zum Forum darüber nachdenkt, wie man das Format des Forums verändern und verbessern kann, um ein paar gehaltvolle Antworten auf die gestellten und schon so oft diskutierten Fragen zu erhalten. Ich selbst bin mir nicht sicher wie man den Schritt in diese Richtung innerhalb der Veranstaltungsreihe anstoßen könnte. Vielleicht muss man sich, wie es Michael ja auch formuliert, noch mehr vom Frontalvortrag verabschieden. Vielleicht muss man weniger CfP’s bedienen, als vielmehr Geschichten aus der Praxis heranzuziehen? Vielleicht muss man aber auch kleinere Teile des großen Oberthemas Wissenschaftskommunikation einzeln betrachten, z.B. „interne Kommunikationsprozesse als ‘Enabler’ einer Wissenschaftskommunikation nach Außen“, oder so. Vielleicht muss man aber auch am Format etwas drehen – ein Schritt in Richtung Barcamp wäre sicher für das Format etwas zu radikal, aber etwas kommunikativeres als Frontalunterricht mit wenigen anschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum dürfte es schon sein. Es wäre schön, wenn vom Forum nicht mehr nur Problembeschreibungen kommen würden, sondern Lösungsansätze. Impulse!

Übrigens habe ich natürlich nicht alle Vorträge und Sessions besuchen können, daher zeichnet sich mein Bild natürlich ausschließlich über meinen persönlichen Eindruck aus den von mir besuchten Veranstaltungspunkten und der Timeline auf Twitter, die unter dem Hashtag #fwk11 eine durchaus amüsante, aber auch kritische Kurzberichterstattung und Diskussion bereithielt. Kollege Henning Krause (@henningkrause) hat übrigens eine Twitterliste zu den (twitternden) Teilnehmern des Forums angelegt.

Abschließend möchte ich den Kolleginnen und Kollegen vom WiD noch einmal für die Organisation danken, die einen guten Job gemacht haben. Für die nächsten Jahre hoffe ich, dass sie das Format noch einmal etwas anspitzen können und aus dem Klassentreffen für Wissenschaftskommunikatoren wieder eine wegweisende Veranstaltung für die Wissenschaftskommunikation machen können!

Update (14.12.): Mittlerweile hat sich an mehreren Stellen eine spannende Diskussion zu vielerlei Aspekten entsponnen. In den Kommentaren zum Blogpost von Christoph (@erklaerfix) disktutierte man eifrig die Frage was eigentlich Wissenschaftskommunikatoren sind und wer sich denn wohl dazu zählen dürfte. Im Blog von Michael Sonnabend und in einem Facebook-Thread von Alex Gerber (Achtung, Link geht zu Facebook) geht es vor allem um die Ausrichtung des Forums im nächsten Jahr. Wenn wir diese Diskussionen forcieren und ins nächste Jahr transportieren können, haben wir etwas wirklich Großes gewonnen!

Audiovisuelle und Interaktive Wissenschaftskommunikation

In der letzten Zeit ist ja einiges mehr oder weniger Relevantes zum Thema Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation erschienen. Da ich aber keine Lust und Zeit habe die letzten 4 Wochen aufzurollen, möchte ich mich auf zwei Punkte beschränken, die mir in DIESER Woche besonders aufgefallen sind. Das meiste werdet Ihr ohnehin kennen (bin ja etwas spät dran), denn man konnte an einigen anderen Stellen schon etwas dazu lesen – beispielsweise beim Kollegen Heinz Pampel, drüben im wisspub-Blog, der u.a. auf die DHV-Empfehlungen zum wissenschaftlichen Publizieren sowie auf die Royal Society-Studie zur Vernetzung der Wissenschaft hingewiesen hat.

Zurück also zu meinen beiden Favoriten dieser Woche:

Produktion und Rezeption von Wissenschaft in audiovisuellen Medien der EU

Anfang der Woche kam von Markus Lehmkuhl (Forscher an der FU Berlin, Journalist sowie Herausgeber der WPK-Quarterly) der Hinweis über die PCST Mailing List (International Network on Public Communication of Science and Technology), dass der Abschlussbericht des Projekts AVSA (Audio Visual Science Audiences) erschienen ist. Im Rahmen des seit 2008 laufenden Projekts AVSA wurde die erste vergleichende Strukturanalyse aller Wissenschaftsprogramme im TV und Radio innerhalb von 13 EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt. Die detaillierten Ziele lesen sich auf der Projektseite wie folgt:

1. AVSA describes what science, and in what amounts, is actually communicated by science programmes in Europe; trends or results, relevant scientific expertise concerning current non-scientific subject matters, more or less established scientific findings, concepts or theories that are transmitted in a costly way, or scientific explanations with regard to assumed every day needs of the public.

2. AVSA links the classification of science programmes with their use by recipients. It is intended to clarify, how many people from different sections of the European public do perceive science programmes. It is expected that our approach will identify structural lacks with regard to the type of science journalism that is perceived by the public. That means that our approach will provide data that helps to assess, in which parts of Europe for instance young people perceive current scientific findings and in which parts not, although this type of science programme is offered.

3. AVSA links science programmes with judgements of focus groups that will help to assess, how different sections of the European public perceive, what about science is offered by science programmes. Our approach will help to explain why for instance young people in different parts of Europe prefer different types of science programmes respectively why the same type of science programmes is judged differently by certain sections of the European public.

Für die Herangehensweise wurde übrigens eine interessante Definition (PDF) und Klassifikation der Wissenschaftsprogramme erarbeitet.

Nach fast genau drei Laufzeit ist nunmehr also der abschließende Projektbericht erschienen, der übrigens auf der Projektseite kostenlos zum Download (PDF) zur Verfügung steht. Der Bericht ist mit fast 120 Seiten recht umfangreich, es wird also eine Weile dauern bis ich da durch bin, aber erscheint mir auf den Blick durchgängig interessant. Schon an den Kapiteln lässt sich durchaus die Tiefe der Information erahnen:

  • Chapter 1: Profiles of specialised programmes on science in audiovisual media in Europe
  • Chapter 2: Science in media and its respective media environment
  • Chapter 3: Exposure to science programmes in Europe
  • Chapter 4: Motives, expectations and judgements of European audiences towards science on TV
  • Chapter 5: Raising public engagement with science through audiovisual media? Current state and future of science programming in Europe.

Ein Blick in das letzte Kapitel (5) führt einen dann schnell in das Destillat der vorliegenden Arbeit, die eine Unzahl von statistischen und inhaltlichen Daten prozessiert hat:

  • Summary
  • Current state of information journalism in Europe
  • The current state of science popularisation in Europe
  • The current state of edutainment in Europe
  • The future of science journalism in Europe
  • Raising public engagement with science through audiovisual media?
  • Previous policy proposals
  • Recommendations

Wir lesenswert sind übrigens die Recommendations, aus denen ich mal ein paar zitiere:

Broadcasting organisations should

2. recognise the contribution to their organisations of programme-makers and other media professionals with a specialist interest and capacity in monitoring and reporting current developments in science; protect and support that capacity as an important resource for the organisations in times if increasing impacts of science on society

4. develop further the use of web-based media, including ‘social media’, as means to enhance public participation in science-based programmes and the topics they cover; explore and develop further other means of public participation, e.g. ‘citizen science’ projects, encouraging audience ideas and questions as the basis of programme items, organising face-to-face public events and facilitating audience members to perform experiments  online.5. Raising public engagement with science through audiovisual media?

The European Broadcasting Union should

5. further incentivise innovation in science-based programming through targeted programme development funding, commissioning of science-related series in innovative and diverse formats, encouragement of co-production of such series and staging of programme competitions in science-related fields

National governments and the European Commission should

9. defend and promote the independence of media professionals, e.g.  in making judgements of the newsworthiness and merit of developments in science

10. acknowledge the value of many forms of public engagement with science, including critical engagement with the ethical and other social aspects of science, and avoid constraining broadcasting organisations with demands for science programming to meet political needs for boosting support for science

The European Commission should

11. highlight to EU-funded researchers the opportunities and challenges of radio and television and audio-visual communication as valuable means to disseminate scientific research; support researchers in facing those opportunities and challenges through training schemes, developing relations with broadcasting organisations and contracting production companies to prepare audio-visual packages

12. establish targeted media funding programmes to support in-service training of non specialised programme-makers on the use of scientific sources and expertise and to support the development of new concepts targeting at linking scientific expertise with societally relevant subject matters

13. promote and support mechanisms for ongoing interactions across the EU between broadcasting organisations, media professionals of all media, media researchers and independent audio-visual producers and other freelancers and communication consultancies (SMEs) that could address issues raised in this report as well as other issues; such mechanisms could include occasional meetings, an online forum and an independent online publication for the professional communities, which observes and reflects upon recent trends in science reporting across national borders

Liest sich doch sehr, sehr sinnig!

Sascha Lobo… äh, nein, Fraunhofer startet ein “Forschungs-Blog”


Die Fraunhofer-Gesellschaft greift immer tiefer öfter in die Werkzeugkiste des Web 2.0 und stellt sich immer mehr einer Öffentlichkeit, die über ein Fachpublikum hinausgeht. Im Rahmen des Forschungsprojekts “Discover Markets” haben die Münchner in Zusammenarbeit mit Sascha Lobo nun ein neues Blog gestartet: das Forschungs-Blog. Im Grunde ist das soweit nichts wirklich neues (von den Zusammenarbeit mit einem der deutschen Alphablogger mal abgesehen, der übrigens auch die redaktionalle Verantwortung trägt), denn es gibt auch an anderen Stellen schon Fraunhofer-Blogs (z.B. das IAO-Blog, oder das Fraunhofer-CeBIT-Blog). Neu ist im Grunde die adressierte Zielgruppe, nämlich Menschen außerhalb eines Fachpublikums, sowie der Ansatz im Kern des Blogs, dem Dual-Blogging. Dabei wird “ein wissenschaftsnaher Text von Fraunhofer-Forschern veröffentlicht und einem lebensnahen, aus alltagsrelevanter Sicht geschriebenen Text gegenübergestellt” heißt es in der Verlautbarung dazu. Auf dem Blog selbst erklären die Autoren – zu denen neben Sascha Lobo und Fraunhofer-MitarbeiterInnen auch die Wissenschaftsblogger Florian Freistetter und Lars Fischer zählen – das Prinzip des Dual-Blogging etwas weniger verklausuliert:

Als eine Sollbruchstelle der wissenschaftlichen Kommunikation mit der Öffentlichkeit haben wir eine, sagen wir, oft recht hohe thematische Komplexität identifiziert. Die Fachsprache der Wissenschaft entspricht nicht immer unbedingt dem, was man auf Facebook in der Mittagspause freundlich interessiert durchliket. Und das ist ja auch okay. Um aber trotzdem auch für interessierte Laien zu bloggen, haben wir uns das Konzept Dual-Blogging ausgedacht.

Artikel im Dual-Modus haben zwei parallele Textspalten. In der linken ist ein Fachtext zu finden, der eine wissenschaftliche Entwicklung fachlich präzise in der entsprechenden Terminologie beschreibt. In der rechten Spalte findet sich die blogaffine Perspektive des gleichen Themas, lebensnäher und (hoffentlich) unterhaltsam geschrieben, was sich vermutlich besser für die Social-Media-Welt eignet.

Marco Trovatello, den meisten sicher bekannt aufgrund seiner Tätigkeit beim DLR, hat gestern Abend in seinem privaten Blog ein Paar Gedanken zum Fraunhofer “Forschungs-Blog” geäußert, denen ich eigentlich sehr gut folgen kann und die durchaus meine Zustimmung finden. Ich bin gespannt wie sich das Projekt entwickelt, werde es eine Weile beobachten und mir anschließend eine genauere Meinung bilden. Aus meiner bisherigen Warte lesen sich aber die ersten Beiträge (z.B. der von Florian zum Weltraumschrott, oder der aktuelle Dual-Blogbeitrag) sehr gut, sind verständlich, unterhaltsam und informativ.

Man darf wirklich gespannt sein, wie sich das Projekt entwickelt und wie die ersten Reaktionen ausfallen.

Disclaimer: Ich bin übrigens selbst Mitarbeiter der Fraunhofer-Gesellschaft – wirke jedoch nicht beim Forschungs-Blog mit und habe auch eine eigene, arbeitgeberunabhängige Meinung! ;-)

Interactive Science @ JLU

Es ist ein wenig ruhig geworden hier, ich weiß – momentan haben einfach ein paar Projekte ihren Vorrang! Dennoch nehme ich die Gelegenheit wahr und weise auf eine bzw. eigentlich auf mehrere Termine hin, die mir gerade auf den Tisch geflattert sind.

In der Zeit vom 09. Juni bis zum 07. Juli werden in der Justus-Liebig-Universität Gießen neue Ergebnisse der vier Teilprojekte des Forschungsverbundes Interactive Science (übrigens auch bei den Scilogs) im Rahmen einer Vortragsreihe präsentiert. Hier die Daten in Kurzform, mehr gibt es direkt in der Ankündigung:

  • 09.06.2011: “Macht PowerPoint wirklich dumm?”
  • 16.06.2011: “Digitale Wissenschaftskommunikation: Information, Kritik und Kollaboration”
  • 30.06.2011: “Wissenschaft 2.0Wie Soziale Medien die Wissenschaft verändern”
  • 07.07.2011: “Online-Lectures: eine Chance zur Entwicklung neuer Vortragsformate?”

Alle Veranstaltungen beginnen jeweils um 18Uhr c.t. und finden im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstraße 34, 35390 Gießen) statt. Ich spiele zumindest mit dem Gedanken mir einen Vortrag live anzuhören – für mehr reicht wohl das Fahrtbudget nicht, mal sehen.

P.S.: noch einmal zur Erinnerung was Interactive Science ist:

Interactice Science ist das Gruppenblog des “Forschungsverbund Interactive Science - Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien“ (Blog wissenschaftskommunikation.info). In diesem Blog werden die Implikationen von verschiedenen Kommunikationsmitteln für die Wissenschaft dargestellt. An dieser Stelle sei auch noch einmal auf die Steckbriefe im Rahmen des Projekts “Interactive Science” hingewiesen: Wissenschaft in Wikipedia und anderen Wikimedia-Projekten (Steckbrief 2, pdf) und Microblogging und die Wissenschaft. Das Beispiel Twitter. (Steckbrief 4, pdf).

WWW.Wissenschaft.Und.Kommunikation

Alle paar Wochen wieder versuche ich mir einen Überblick über Bewegungen in der Blogosphäre mit besonderem Blick auf das Thema Wissenschaftskommunikation zu verschaffen. Ich verlinke ja hin und wieder einmal auf Beiträge, auf die ich in Blogs stoße. Mit diesem Beitrag möchte ich aber mal ein wenig genauer meine Quellen zum Thema vorstellen Blog – sozusagen mein eigenes Blogradar Wissenschaft(s)kommunikation.Warum also nicht mal öffentlich und an dieser Stelle? Probieren wir es doch mal – here we go.

Definition

Wissenschaftskommunikation ist bereits vielerorts definiert und beschrieben worden. Mittlerweile führt der Wikipedia-Artikel die verschiedenen Aspekte der zahlreichen Definitionen ganz gut zusammen:

Wissenschaftskommunikation beschreibt die Vermittlung von Themen aus Forschung und Lehre gegenüber unterschiedlichen Öffentlichkeiten und umfasst sowohl Wissenschaftsjournalismus und Social-Media-Plattformen wie Wissenschafts-Blogs als auch Wissenschafts-PR und Wissenschaftsmarketing. Gerade im Bereich der Angewandten Forschung sowie im Hinblick auf Technologietransfer bestehen außerdem Parallelen zur Innovationskommunikation. Die Ziele der Wissenschaftskommunikation sind so vielfältig wie deren Bezugsgruppen: Von der Schaffung breiter gesellschaftlicher Akzeptanz für neue Technologien über interdisziplinäre Synergien bis zum gezielten Wissenstransfer und Dialog zwischen Forschung und Wirtschaft. (Quelle: Wikipedia)

Fromm’sche Spezifikation

Nun ist es gar nicht so einfach in der weiten Netzwelt Anlaufstellen zu finden, die sich ausschließlich mit dem Thema Wissenschaftskommunikation auseinandersetzen. Aber das wäre ja auch langweilig. Deshalb habe ich mein Suchraster um die Verknüpfung von Wissenschaft und Kommunikation erweitert. In diesen Bereich fällt beispielsweise auch der Einfluß von Kommunikationstechnologien auf die Arbeit von Wissenschaftlern und Wissenschaftskommunikatoren – Stichworte sind hier Transparenz des Forschungsprozesses, Crowd Reviewing, Wissenschaftliches Publizieren und vor allem auch die Öffnung des Wissenschaftsprozesses (Open Science im Sinne von Open Innovation in der Wissenschaft). Wenn ich alle meine Zielbegriffe verorte und mir die entsprechenden Seiten anschaue, kann ich grob eine Unterscheidung treffen in:

  • Kategorie I: Websites, zumeist Blogs aus der Wissenschaftswelt (bloggende Wissenschaftler, oder Kommunikatoren in Wissenschaftsorganisationen)
  • Kategorie II: Websites, zumeist Blogs von wissenschaftsorientierten Bloggern/Kommunikatoren
  • Kategorie III: Websites von Organisationen (Unternehmen, Unis, Agenturen), die einen thematisch relevanten Content-Bereich aufweisen – unabhängig davon, ob diese Bereiche sich nun News, Aktuelles, Links oder wie auch immer nennen

So, genug der Vorarbeit. Nachfolgend habe ich eine Liste zusammengestellt, die (aufgegliedert in die zuvor benannten Kategorien) mein Informationsradar Wissenschaft(s)kommunikation aufzeigt – und sich übrigens sehr stark an meinem Feed-Reader (ja, ich bin bekennender RSS-Fan) orientiert. Die Liste ist mit Sicherheit noch nicht vollständig, zumal sie a) nur die Websites auflistet, auf denen auch merklich Aktivität stattfindet und b) sich vorerst auf deutschsprachige Angebote kapriziert.

Kategorie I

Kategorie II

Kategorie III

So, soweit zu einem (vielleicht ersten) Teil meines Informationsradars. Sicher werden die meisten von Euch die hier aufgelisteten Blogs und Websites kennen, aber vielleicht ist für den ein oder anderen doch noch eine Neuigkeit dabei.

Übrigens bin ich natürlich auch immer dankbar für weitere Vorschläge in den Kommentaren – Empfehlungen für Input nehme ich also gern entgegen!

UPDATE (1):

Da habe ich mich wohl etwas verzettelt und glatt eine Quelle auf jeden Fall vergessen: wisspub.net. Dieses Gemeinschaftsblog ist aus meiner Sicht eine Mischung aus den Kategorien I und III, denn es vereint die Sicht von Wissenschaftlern (Kategorie I) und Bibliotheken (eher Kategorie III). Wisspub.net ist ein “Gemeinschaftsblog zu wissenschaftlicher Kommunikation im Netz“, in dem es maßgeblich um Open Access, Digitale Bibliotheken, Peer Review, Informationsmanagement und -archivierung sowie um Wissenschaftskommunikation geht.

NACHTRAG:

Ich hab gerade noch einmal mit dem Google NGram Viewer herumgespielt und die 3 Begriffe Wissenschaftskommunikation, Wissenschafts-PR und Wissenschaftsjournalismus gegenübergestellt. Hier das Ergebnis:


Bildnachweise:
We've picked something up on radar! by Don Solo (cc by-nc-sa 2.0)
eigene Google NGram-Abfrage (19.01.2011)

Hauptsache Drittmittel

Ich habe ja nun sowohl durch meinen Job, als auch durch mein eigenes Studium mit einigen Professoren und Lehrbeauftragten zu tun und kritisiere sie nicht selten auch besonders hinsichtlich Ihres (in Deutschland zumindest) Umgangs mit Studenten (Thema “Offenes Ohr”). Ich will an dieser Stelle auch gar keine Diskussion aufmachen – wir alle wissen ahnen unter welchem Druck sie stehen, durch diverse Faktoren beeinflusst (Sparzwänge, Besetzungsroulette, etc.). Stattdessen möchte ich nur kurz auf einen Beitrag von Christian Spannagel verlinken.

Christian ist seines Zeichens Professor für Mathematik und ihre Didaktik an der PH Heidelberg, öffentlicher Wissenschaftler und aus meiner Sicht ein Vorzeigebeispiel für einen Professor, der auch im Web 2.0 angekommen ist. So führt er beispielsweise ein eigenes Blog, nutzt Wikiversity und gestaltet seine Vorlesungen (z.B. “Einführung in die Arithmetik”) derart öffentlich, dass die Videomitschnitte bei Youtube abzurufen sind.

Zurück zum eigentlichen Thema, dass ich auch gar nicht weiter kommentieren möchte. Christian hat gestern einen Blogbeitrag geschrieben in dem er öffentlich (und wie ich finde sehr ehrlich) ein wenig über das kommende Jahr und seine Rolle aus Professor/Lehrer/Forscher/Wissenschaftler nachdenkt. Lesenswert!

Das Jahr 2011 wird das Jahr, in dem ich meine Forschungsarbeit neu erfinde.
(Quelle)

Dabei wünsche ich auf jeden Fall viel Erfolg!

Update: Der Beitrag von Christian Spannagel scheint noch andere Wissenschaftler/Forscher/Lehrende ins Grübeln gebracht zu haben, wie man in den Kommentaren zu seinem Beitrag sehen kann, aber auch in den Beiträgen anderer Wissenschaftler. So hat auch Oliver Tacke heute einen Beitrag in seinem Blog veröffentlicht, in dem er ganz ähnliche Gedanken formuliert. Eine spannende Diskussion, die sich da entspinnt und die ich auf jeden Fall im Auge behalten werde. Ich selbst hab ja nicht sonderlich viel beizutragen, da sich meine wissenschaftliche Reputation in Grenzen hält. ;-)

Medien und Politik 2.0

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Web 2.0 und die Gesellschaft“, einem allgemeinwissenschaftlichen Ergänzungsfach im Bereich Techniksoziologie, habe ich gestern einen virtuellen Gastvortrag an der Beuth Hochschule für Technik, Berlin halten dürfen.

Mein Vortrag “Medien und Politik 2.0″ sollte einen Überblick über die Auswirkungen von Web 2.0 im Spannungsfeld von Massenmedien und Politik geben. Die Seminarleiterin, Frau Dr. Ilona Buchem war so freundlich den Vortrag im Seminarblog zusammenzufassen:

Herr Fromm hat in dem Vortrag auf vier wichtige Aspekte von Web 2.0 hingewiesen: (a) Zuhören, (b) Teilen, (c) Mitmachen und (d) Vernetzen. Seine These war, dass Web 2.0 über das Informieren hinaus, vor allem das Involvieren und Mobilisieren von Gruppen und Individuen ermöglicht. Im Kontext von Massmedien und Politik 2.0 wurden Potenziale von Web 2.0 vor allem in Hinblick auf Informationsversorgung, Transparenz, Beteiligung und Meinungsäußerung vorgestellt und anhand von Beispielen  erläutert. Die Kernthemen waren dabei Open Data, politisches Monitoring, Bürgerbeteiligung, politische Kampagnen,  Protest und Widerstand, Möglichkeiten zur demokratischen Teilhabe und Entscheidung. Insgesamt wurde der Einfluss von Web 2.0 auf Massmedien und Politik sehr positiv dargestellt.

Ich habe den Vortrag unter zwei Prämissen erstellt: er sollte einen groben und möglichst grafisch-orientierten Übreblick über das Themenfeld geben. Sicher gibt es unendlich mehr Beispiele, die man anführen könnte, vielleicht mache ich mir einmal die Mühe und erweitere den Vortrag. Die Folien des Vortrags kann man aber jetzt schon auf Slideshare einsehen:

Die Diskussion zum Vortrag bzw. zum Thema findet übrigens öffentlich im Seminarblog statt.

Ich bedanke mich bei Frau Dr. Buchem für die Chance!

UPDATE:

Ich habe heute morgen auf die ersten beiden Fragen geantwortet, die Frau Dr. Buchem im Blog stellte. Der Kommentar ist in dem Beitrag noch nicht freigeschaltet, was sicher später noch geschieht. Aber auch an dieser Stelle möchte ich meine Antwort veröffentlichen, die jedoch noch nicht umfassend , vollständig und ausgereift ist (es ist eher eine erste grundlegende Überlegung). Dennoch:

„Welche negativen Auswirkungen werden zurzeit beobachtet?“

Ich denke wenn wir von negativen Auswirkungen sprechen können, dann dürfte es sich in der Mehrheit um die typischen Auswüchse von Kommunikation im öffentlichen Raum und vermehrt auch um daten- und datenschutzbezogene Aspekte handeln.

Hier würde ich einige der überall im Social Web auftretenden Risiken anführen:

Der Umgang mit Daten

  • Datenmissbrauch durch Identitätsdiebstahl, im Besonderen auch durch Nicknapping
  • Eng damit in Zusammenhang steht der Datenmissbrauch durch Fake-Accounts (im schlimmsten Fall mit einer darauf anspringenden Presseberichterstattung, wie geschehen bei den Beispielen des falschen Müntefering-Twitteraccounts, oder der Bundeswehr-Accounts)
  • Datenmissbrauch durch fragwürdige Verwendung öffentlich zugänglicher Daten, wie bspw. bei der ASBarometer-App in Großbritannien, oder der Anwendung Please Rob me (wobei diese zwar auf öffentlich zugängliche Daten von Foursquare aufsetzt, aber keine offenen Daten (also nicht-personenbezogenen Daten) der öffentlichen Hand verwendet)
  • Datenschutzverletzungen durch Datenlecks und Datenhandel wie z.B. geschehen bei den VZ-Netzwerken, oder auch Facebook
  • Durch die Transparenz im Netz (besonders auch im Hinblick auf die Quellentransparenz bei Open Data) verlieren klassische Medien ihre Exklusivitätsstellung (man setzt ja auch die Weiterveröffentlichung der Daten und Quellen anstelle auf die Exklusivrechte der Verwertung)
  • Weiterhin werden durch diese Transparenz Medien und Politiker in ihren Aussagen sehr viel überprüfbarer, was für den Bürger durchaus einen positiven Aspekt darstellt, für Medien und Politik allerdings einige Fußangeln bereithält)
  • Der permanente Strom an Informationen stellt vor allem öffentlich agierende Akteure vor die Herausforderung des permanenten Monitorings – wer transparent und dialogisch, also offen, im Netz agieren will, muss Diskussionen verfolgen und sich darin engagieren, dies jedoch ist zunehmend nur mit viel Aufwand und einem nahezu strategischen Ansatz möglich (gezielter Einsatz von Tools für das Monitoring, etc.)

Der Umgang mit öffentlichen Meinungsbekundungen

  • Troll-Verhalten auf Web-Angeboten (hier kann sich das Problem noch erschweren, wenn es bei der Bekämpfung von Troll-Aktivitäten in datenschutzrelevante Bereiche geht, wie kürzlich bei der Debatte um Neven DuMont und Niggemeier geschah)
  • In der extrem niederschwelligen Meinungsbekundung durch das Signalisieren mittels solcher Funktionalitäten wie einem Like-Button könnte das eigentliche Ziel der Partizipation und Inklusion verwässern („ein Like-Button reicht nicht aus“)

„Welche negativen Entwicklungen werden prognostiziert und wie können diese verhindert werden?“

Bei dieser Frage bin ich mir unsicher, welche Antwort hier ein zutreffende sein könnte. Ich denke auch hier spielen viele der oben bereits erwähnten Aspekte und der damit viel zitierte Kontrollverlust eine Rolle. Diese implizite Angst vor dem Verlust einer gefühlten Kontrolle ist meines Erachtens besonders bei vielen Politikern und Verwaltungsbeamten verwurzelt und wahrscheinlich durch eine Prise tradierten Obrigkeitsstaatsdenkens manifestiert. Meiner Meinung nach sind es jedoch zudem auch die größeren Zusammenhänge, die in eine negative Richtung tendieren:

Infrastrukturell und demografisch bedingte Zugänge zum  und Nutzung des Internets

  • z.B. Digitale Spaltung – hier zeichnet sich vor allem eine Spaltung aufgrund des (breitbandigen) Zugangs zum Internet dar (welcher eine klare Diskrepanz im Verhältnis der Gesamtbevölkerung und ihrer Internetnutzung aufweisen dürfte

Nutzungskompetenz der bestehenden digitalen Angebote

  • das Verständnis vom Umgang mit digitalen und besonders Web 2.0 (Politik 2.0) Angeboten dürfte einer ähnlichen Ungleichverteilung unterliegen, wie der Zugang zum Internet
  • dementsprechend dürfte auch die Nutzungskompetenz, Informationskompetenz und schlussendlich eine moderne Medienkompetenz in der Bevölkerung in sehr unterschiedlichem Maße ausgeprägt sein
  • vor dem Hintergrund der Nutzungskompetenz stehen Unsicherheiten in der Nutzung zu befürchten, die Barrieren für eine verbreitete Akzeptanz von Politik 2.0 Angeboten darstellen könnten (Umgang mit Informationen, Umgang mit elektronischen Systemen, Umgang mit der Online-Öffentlichkeit des eigenen Verhaltens)

Durchdringung von Open Data und Datenjournalismus

  • es steht zu befürchten, dass die Umsetzung von Open Data nur schleppend vorangeht (hier stehen die Bezugsgruppen vor allem vor den Problemen eine hohe Datenqualität bei freien Daten sicherzustellen, sie in Echtzeit zu Verfügung zu stellen – was einen hohen Arbeitsaufwand voraussetzt)
  • auch die Umsetzung von Anwendungen auf Basis offener Daten in Form von APIs, Mashups und Apps scheint momentan noch die Arbeit einiger Enthusiasten zu sein, als ein strukturell integrierter Ansatz in Verwaltungen, Behörden, Unternehmen und Organisationen (dies beruht zum Teil wahrscheinlich auch auf der strittigen Lizenzierungsfrage von offenen Daten: dürfen Unternehmen mit offenen Daten Geld verdienen?)
  • für einen funktionierenden Datenjournalismus steht man vor der Herausforderung, dass man Strukturen in der Ausbildung schaffen muss, die es Journalisten ermöglichen sich auf einen solchen Bereich zu spezialisieren (hier stehen neben der Offenheit für technologische Aspekte des Internets und deren Beherrschung auch Fachwissen in der Datenrecherche (Data-Mining, Scraping – also dem „Ausschaben“ von Dokumenten, um an Rohdaten zu gelangen und im Programmieren (Stichwort Computer Literacy)
  • ein weiteres Problem könnten rechtliche Fragestellungen zur Vereinbarkeit von Gesetzgebung und Open Data sein (Stichworte sind hier die Ausgestaltung des Informationsfreiheitsgesetzes (IFG), des Informationsweiterverwendungsgesetztes (IWG) und des Urheberrechtsgesetzes (besteht auf Gesetzestexten ein Copyright?)

Web 2.0 und damit auch Politik 2.0 heißt vor allem Dialog und permanentes Überzeugen der eigenen Anhänger, aber auch all jener, die Zugang zu den von mir geschaffenen Inhalten erlangen. Vor diesem Hintergrund und der Verpflichtung zum Gemeinwohl und nicht nur der Online-Bürger muss sich die Politik in der Ausrichtung ihrer digitalen Strategien also vor allem Gedanken um eine „gerechte“ Schaffung von Partizipation und Inklusion machen. Aus meiner Sicht können die meisten der oben genannten Probleme durch die konsequente Schaffung einer infrastrukturellen Gleichverteilung (Internetzugang, Bildung und damit Ausbildung in Medienkompetenz) verhindert werden. Eine wichtige Voraussetzung dazu wäre jedoch die Ansprache der richtigen Experten, die in den relevanten Bereichen Entscheidungen treffen oder beratend tätig sind. Eigentlich waren mit der Schaffung der parlamentsinternen und politikberatenden Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft sowie dem Online-Dialog des Bundesinnenministers gute Grundsteine dafür gelegt, leider stellt sich bisher beides als wenig innovativ heraus und scheint wenig entscheidungsfreudig.

UPDATE II (19.11.2010):

Ein kurzer Nachtrag von mir in Verbindung mit zwei Linktipps:

In der Breitband-Sendung (Deutschlandradio Kultur) vom 13.11.2010 gab es einen kurzen Beitrag von Dr. Thomas Gebel zum Thema “Pimp my Democracy! Kann das Netz die Demokratie modernisieren?”. In der Ankündigung heißt es dazu:

“Politikverdrossenheit war gestern. Das Netz hat neue und sehr einfache Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung geschaffen. Bricht ein Zeitalter der digitalen Basisdemokratie an? Und wie kann politische Teilhabe tatsächlich organisiert werden? Wir sprechen im Schwerpunktinterview mit dem Wissenschaftler Thomas Gebel.”

Herr Gebel ist Leiter Marketing, Öffentlichkeitsarbeit und Web 2.0 bei der Wirtschafts- und Sozialakademie der Arbeitnehmerkammer Bremen gemeinnützige GmbH (wisoak) in Bremen, einem der größten Anbieter für berufliche Qualifizierung in der Metropolregion Bremen-Oldenburg. Der Beitrag in der Breitband-Sendung ist leider sehr kurz, im Oktober 2009 war Herr Gebel allerdings bereits beim Medienradio zu Gast und sprach dort ausführlicher über die digitale Demokratie, die Reboot_D und das Mitmachen per Netz und die Rolle der Medien. Den Podcast kann man ebenso als mp3 herunterladen.

Kurz verlinkt: Ist die Wissenschaftskommunikation bereit für Social Media?

Michael Sonnabend aka @earl_piggot – seines Zeichens Blogger und vor allem hauptberuflich Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Twitter) – veröffentlichte gestern einen ausführlichen Blogpost zur Frage, ob die Wissenschaftskommunikation bereit für Social Media ist.

Verschiedenste Facetten dieser Frage werden ja bereits an anderen Stellen beleuchtet und diskutiert, z.B.:

Disclaimer: Die ist nur eine kurze beispielhafte Auflistung (Basis sind hier gut 2min Google-Suche). Sicher gäbe es hier unzählige Kolleginnen und Kollegen mehr, die man aufzählen könnte (vom internationalen Kreis mal ganz abgesehen). Selbst die gelisteten Kollegen haben unendlich viel mehr zum Thema geliefert.

Der eingangs erwähnte, und im Kern dieses Kurzbeitrags stehende Blogpost von Michael Sonnabend “Austausch auf Augenhöhe” jedoch vor allem einen sehr umfassenden Einstieg in das Thema, da er die Entwicklung von Moment an beschreibt, da die PUSH-Inititative nach Deutschland schwappte:

Vor mehr als zehn Jahren brachte PUSH den nötigen Schwung in die Wissenschaftskommunikation. Vieles hat die Initiative erreicht, allein schon eine größere Aufmerksamkeit gegenüber Themen, die aus den Forschungslaboren nach außen dringen. Heute aber, zwischen Medienkrise und wachsenden Social-Media-Diensten, bedarf es neuer Denkanstöße.

Michael Sonnabend legt ein breites Bild vieler Aktivitäten im Bereich der Wissenschaftskommunikation in Deutschland dar – von den Anfängen der Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD), über die Wissenschaftsjahre, die Wissenschaftssommer, die Initiative „Stadt der Wissenschaft“, die seit kurzem in immer mehr Städten stattfindenden Science Slams, bis hin zu audiovisuellen Projekten wie das DFG Science TV der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Am Ende seines ausfürhlichen Beitrags kommt er schließlich auf die Frage zurück, in welche Richtung sich die Wissenschaftskommunikation denn nun weiter entwickeln wird, wo doch “weltumspannende Dienste wie Facebook, Twitter, LinkedIn oder Google Buzz bzw. ein eigenes Blog für Wissenschaftler einen ganzen Pool von Möglichkeiten [bieten], sich selbst und die eigene Arbeit zu vermarkten.”

Die Antwort möchte ich selbstverständlich nicht vorwegnehmen, sonder verweise einfach an dieser Stelle auf den empfehlenswerten Beitrag von Herrn Sonnabend, der übrigens schon 2009, im Nachgang zum Forum Wissenschaftskommunikation (pdf), einen Beitrag zu den Herausforderungen der modernen Wissenschaftskommunikation verfasste.  Auch dieser ist eine echte Leseempfehlung, im Stifterverband-Magazin “Wirtschaft & Wissenschaft” 4/2009 erschienen und online abrufbar:

Michael Sonnabend: “Stellt die Megaphone weg” (pdf)

Viel Spass beim Lesen der Beiträge, beim Nachdenken, Umsetzen, oder Diskutieren (ob hier, bei Michael Sonnabend, oder auf dem diesjährigen Forum Wissenschaftskommunikation in Mannheim)!

Tauchen Sie mit ein… Wissenschaftskommunikation par excellence

Zweifellos gehören Geschichte und Archäologie zu den anerkannten und sehr spannenden Wissenschaften. Weniger abstrakt und damit oftmals wesentlich feselnder (weil greifbarer) sind beide Wissenschaften in Verbindung mit nicht allzu lang zurückliegenden Ereignissen, wie beispielsweise dem Untergang der RMS Titanic, jenem Passagierschiff der britischen Reederei White Star Line, welches nach einer Kollision mit einem Eisberg am 15. April 1912 (nur 13 Tage nach seiner Indienststellung) während der Jungfernfahrt auf dem Atlantik sank.

Viele Forscher haben sich bisher mit der Geschichte der Titanic, aber auch mit dem Verbleib des Wracks beschäftigt. Nun soll ein neues Team aus Archäologen, Ozeanographen und Wissenschaftlern anderer Fachbereiche das Wrack der Titanic wieder einer näheren wissenschaftlichen Untersuchung unterziehen. Dabei soll nicht nur eine außergewöhnlich dichte und schlüssige Dokumentation herauskommen, zusätzlich soll der gesamte Prozess mittels Social Media nahezu in Echtzeit mit der Welt geteilt werden. Ich finden diese Idee nicht nur grandios, sondern halte die dafür bereits ins Leben gerufene Website schlichtweg für ein sehr gutes Beispiel für

  • sehr wohl überlegte Wissenschaftskommunikation
  • überzeugende Verbindung von Social Media und “älterer” Onlinemedien
  • in hohem Maße inhaltsgerechter Aufbereitung und Darstellung des Themas (Storytelling)

Screenshot http://www.expeditiontitanic.com

Allein die Website der Expedition finde ich schon sehr ansprechend gestaltet. Sie ist in ihrer Navigation dem Medium Wasser angepasst, d.h. man taucht zum Wrack hinab, findet unterwegs Informationshäppchen, die Wasserhelligkeit verändert sich, Transparenzen und Betrachtungsebenen sind erkennbar etc. Die Begleitung der Expedition durch schnelle Kommunikation mittels Social Media finde ich überaus überzeugend. Über die Kanäle Facebook, Twitter, Youtube und Flickr entsteht hier ein durchgängiger Informationsfluss, der nicht nur hochinteressant und faszinierend ist, sondern vielmehr auch das Zeug dazu hat die Leute für das Thema zu begeistern und sie “mit auf die Reise zu nehmen”.

Die ursprüngliche Idee für die Entwicklung der Expedition Titanic war es, eine Art “Linse” zu schaffen, durch die wir Normalsterblichen die Expedition und die Titanic erleben können, wie es sonst nur die Experten vermögen. Ist der Website-Besucher am Ende seiner 3D-artigen Reise in die Tiefe am Trümmerfeld der Titanic angekommen (immerhin in einer Tiefe von 3.803 Metern), kann er dort mit Hilfe einer virtuellen Karte die Wracktteile erkunden. Darüber hinaus kann er sich Videos und Bilder, die zukünftig nahezu in Echtzeit übertragen werden sollen, anschauen. Auch eine 360-Grad-Ansicht des Expeditionsequipments wurde implementiert. Gekrönt wird das Ganze künftig noch mit Meldungen von Mitgliedern des Expertenteams und schlußendlich mit einem 3D-Modell des Schiffes.

Ich muss sagen: chapeau! Ich bin begeistert.

Reden wir doch mal über Politik, halt um geredet zu haben

Über das zurückliegende Wochenende bot mir das PolitCamp 2010 wieder einmal die Möglichkeit mich mit dem Thema Government 2.0 bzw. dem ganzen Thema e-Democracy etwas näher auseinanderzusetzen und mich mit der (interessierten) Community auszutauschen. Sollte ich aber meinen Veranstaltungsbesuch in einem kurzen Satz auswerten, würde mir nicht viel mehr einfallen als: „Hinterher ist man auch nicht immer schlauer.“

Ich komme nicht umhin festzustellen, dass die Zusammenfassung von Nikolaus Huss auf Kooptech.de durchaus auch mein Stimmungsbild recht passend abbildet, daher kann ich seinen Beitrag jedem Interessierten empfehlen.

Ich habe dem eigentlich bloß zwei kurze Punkte hinzuzufügen.

(1) Bei allen derzeit bereits existierenden Beispielen für digitale, offene Verwaltungs-, Behörden- und Regierungsinitiativen kommt man nicht umhin festzustellen, dass wir großteils Insellösungen betreiben. Besonders deutlich wird dies im Bereich der E-Partizipation, in dem weitestgehend alle Bestrebungen von einer im Vergleich eher kleinen Gemeinde ausgehen – der Netzgemeinde. Gerade beim Thema der politischen Teilhabe ist es aber die große Herausforderung nicht nur den kleineren (online-affinen) Teil der Gesellschaft einzubinden, sondern eben jenen großen Teil, den man nur spärlich im Netz antrifft (aus welchen Gründen auch immer).

(2) Leider ist die Debattenkultur anscheinend selbst bei einer solchen Veranstaltung nicht besonders fortgeschritten, so ließen sich in vielen Diskussionsrunden grausige Anzeichen einer abnehmenden Diskursfähigkeit erkennen: mangelnde Durchsetzungsfähigkeit einiger Moderatoren, mangelnde Konzentration der Diskutanten auf das Kernthema oder die gestellte Frage, Intoleranz einiger Diskutanten gegenüber den Argumenten ihrer Mitdiskutanten und die nahezu unerträgliche Phrasenreiterei.

Vielleicht sollten wir uns alle wieder ein paar Dinge angewöhnen:

  • ich lasse mein Gegenüber aussprechen
  • ich akzeptiere seine Argumente und versuche auch seine Gedanken nachzuvollziehen
  • ich antworte auf die mir gestellte Frage
  • ich versuche das Kernthema der Diskussion nicht aus den Augen zu verlieren
  • Dissenz fördert Diskussion (nicht immer ist Streit ein negativ konnotierter Begriff)
  • ich versuche meine Gedanken nicht in abgedroschenen Phrasen zu verpacken
  • ich darf auch einmal konstruktive Vorschläge oder Handlungsempfehlungen äußern

Am Ende steht eine Erkenntnis: nach dem PolitCamp ist vor dem Goverment 2.0 Camp. Wir sehen was wir bis dahin gelernt haben.