Shakehands, aber keine Kratzspuren am Prüfstein

Wie sich ja recht eindeutig aus meinen Tweets in der letzten Woche erkennen lassen konnte, war ich von Dienstag bis Donnerstag beim Forum Wissenschaftskommunikation des WiD in Köln zugegen. Das Forum hatte sich unter dem Titel “Zwischen den Stühlen: Wissenschaftskommunikation im Spannungsfeld von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft” vorgenommen, der Frage nachzugehen “…in welchen Spannungsfeldern Wissenschaftskommunikation stattfindet, wie sie von verschiedenen Gruppen beeinflusst wird und wie die Wissenschaftskommunikatoren dieser Situation begegnen.”

Es wurde von den Teilnehmern des Forums – darunter Wissenschaftsjournalisten, Presse-Referenten, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit in Wissenschaftsorganisationen, Hochschulen und Messen, aber auch Wissenschaftler - sogar versucht in Plenarvorträgen, Sessions und Diskussionen Antworten auf diese Frage zu geben. Die Qualität bzw. die Art und Weise dieser Antworten war für mich persönlich aber großteils erschreckend. Denn mein persönlicher Eindruck war, nachdem ich das Forum 2010 ausgelassen hatte, dass nach wie vor über dieselben Dinge in der selben Art und Weise diskutiert wurde. Ich will gar nicht allzu sehr ins Detail der einzelnen Vorträge gehen, vieles wurde auch schon bei Kollegen geschrieben, einige Punkte will ich aber doch kurz festhalten.

Es war erschreckend zu sehen, dass für viele Wissenschaftskommunikatoren das Web 2.0 in all seinen Ausprägungen (twitternde Wissenschaftler, twitternde Kommunikatoren, Wissenschaftsblogs, Wissenschaftsorganisationen bei Facebook, u.v.m.) noch immer Neuland, zumindest aber noch eine Randerscheinung ist. An der Stelle fiel mir vermehrt auf, dass an nicht wenigen Stellen noch immer die Mär vom gravierenden Unterschied zwischen Digital Natives, Digital Residents und Digital Visitors gesprochen wird. Das allerdings ist für mich unbegreiflich und sorry, aber es klingt leider wie eine Entschuldigung dafür sich nicht tiefergehend mit den (nun wahrlich nicht mehr neuen) “Neuen Medien” zu beschäftigen. Es ist für mich ein Rätsel, wie die Kommunikation im Web 2.0 noch immer als eine Art „Kür der Wissenschaftskommunikation“ verstanden und auch so vertreten wird. Es fällt mir schwer zu glauben, dass sich professionelle Kommunikatoren noch immer hinter dem Ammenmärchen um die Digital Natives verstecken. An dieser Stelle kann ich nur eines verdeutlichen: liebe Kommunikationsprofis, es ist Zeit aufzuwachen! Das Web 2.0 wird nicht mehr weggehen, wenngleich es vielleicht auch nicht immer in den jetzt existenten Formen da sein wird. Und mal ehrlich: ist es nicht unsere Aufgabe als Kommunikationsprofis genau die vermeintlichen Unterschiede zwischen Digital Natives/Residents/Visitors zu überwinden???

Sicher, an dieser Stelle muss man sich immer auch die Frage stellen, ob man den Dialog überhaupt möchte, wie man ihn abbilden kann, wie man den Aufwand betreiben kann und welchen Wert das ganze für die jeweilige Organisation hat (zumindest abseits solcher “weichen” Werte wie Image, Nachwuchsansprache, etc.). Klar, diese Fragen sind großteils noch unbeantwortet, zumindest wenn man die Fragen mehr als nur durch das eigene Bauchgefühl beantwortet wissen will. Gerade dann verstehe ich aber nicht, warum wir uns seit dem ersten Forum vor einigen Jahren jedes Jahr auf’s Neue diese Fragen stellen ohne sie je so richtig zu beantworten? Ich glaube die prägendste, oder zumindest die deutlichste und ehrlichste Einschätzung dazu habe ich von Thomas Gazlig gehört, der klarstellte, dass wir aufhören müssen stets neue Konzepte auf den Tisch zu legen und über (dann doch nicht umgesetzte) Ideen zu diskutieren, sondern dass wir die bestehenden Konzepte und Ideen auf den Prüfstein stellen müssen. Da kann ich ihm nur beipflichten, denn nur im Abrieb durch die reale Umsetzung wird sich zeigen, welche Konzepte tauglich sind und welche Ideen weiter formbar. Ja, ich bin mir bewusst, dass genau das der schwierigste Schritt im Prozess einer modernen Wissenschaftskommunikation ist. Sicher sind die Hürden sehr hoch in der schwierigen Argumentation gegenüber den Verantwortlichen in den Organisationen hinsichtlich der Fragen zur Überprüfbarkeit der Ergebnisse und der Umsetzung des enormen Aufwands. Und dass auch die Argumentation gegenüber vieler Wissenschaftler einiges an Aufwand bedeuten könnte, haben wir u.a. an den Vorträgen von Prof. Ferdi Schüth und Dr. Kathrin Rübberdt gesehen, die beide eher sehr zurückhaltend (um nicht zu sagen konservativ) davon sprachen, was sich Wissenschaftler in der Wissenschaftskommunikation erhoffen würden und was man Wissenschaftlern im Kommunikationsprozess zumuten dürfte. Eine sehr treffende Aussage brachte Schüth, der meinte, dass man nach Watzlawik zwar nicht nicht kommunizieren könnte, dass Wissenschaftler dies aber durchaus manchmal versuchen würden. Aber auch hier beklagen wir uns schon viel zu lange darüber wie schwierig die Umsetzung und die Rechtfertigung sei, anstelle es Schritt für Schritt zu versuchen. Die Wissenschaftskommunikation hadert m.E. in den eigenen Prozessen mit einem der essentiellen Untersuchungsmethoden der Wissenschaft selbst – dem Experiment! Wo ist der Mut bei so vielen, einfach mal etwas auszuprobieren? Wo ist der Mut zu Scheitern, durch dieses Scheitern einem Erfolg aber wenigstens schrittweise näher zu kommen? Und wer sagt überhaupt, dass man Scheitern wird? Wo ist der Spaß???

Wir sind natürlich noch einige große Schritte davon entfernt effektive Kommunikationsprozess für das Web 2.0 entwickelt zu haben, die a) funktioniere, b) den Aufwand für alle erträglich halten und c) dann auch noch übertragbar sind und als Best Practice für eine „breitere Masse“ an Wissenschaftskommunikatoren adaptierbar sind. Ich frage mich allerdings, warum wir seit vielen Jahren dieselben Vorträge über Wissenschaftskommunikation (meist in der Ausprägung von „Kommunikation mit den Medien über Wissenschaft“) und ihre Eigenschaften (die meist grundlegende journalistische Eigenschaften à la Authentizität, Wahrhaftigkeit, etc. sind und damit von allen gekannt werden sollten) hören, anstelle sinnvolle Ideen zu diskutieren wie man interne Prozesse in Wissenschaftsorganisationen so entwickelt, dass sie sowohl dem Wissenschaftskommunikator, als auch dem Wissenschaftler in seinen Ansprüchen gerecht werden?

Und so verwundert es mich auch nicht, dass Michael Sonnabend (der ja auch als Mitglied der Programmkommission fungierte) in seinem Fazit zum Forum darüber nachdenkt, wie man das Format des Forums verändern und verbessern kann, um ein paar gehaltvolle Antworten auf die gestellten und schon so oft diskutierten Fragen zu erhalten. Ich selbst bin mir nicht sicher wie man den Schritt in diese Richtung innerhalb der Veranstaltungsreihe anstoßen könnte. Vielleicht muss man sich, wie es Michael ja auch formuliert, noch mehr vom Frontalvortrag verabschieden. Vielleicht muss man weniger CfP’s bedienen, als vielmehr Geschichten aus der Praxis heranzuziehen? Vielleicht muss man aber auch kleinere Teile des großen Oberthemas Wissenschaftskommunikation einzeln betrachten, z.B. „interne Kommunikationsprozesse als ‘Enabler’ einer Wissenschaftskommunikation nach Außen“, oder so. Vielleicht muss man aber auch am Format etwas drehen – ein Schritt in Richtung Barcamp wäre sicher für das Format etwas zu radikal, aber etwas kommunikativeres als Frontalunterricht mit wenigen anschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum dürfte es schon sein. Es wäre schön, wenn vom Forum nicht mehr nur Problembeschreibungen kommen würden, sondern Lösungsansätze. Impulse!

Übrigens habe ich natürlich nicht alle Vorträge und Sessions besuchen können, daher zeichnet sich mein Bild natürlich ausschließlich über meinen persönlichen Eindruck aus den von mir besuchten Veranstaltungspunkten und der Timeline auf Twitter, die unter dem Hashtag #fwk11 eine durchaus amüsante, aber auch kritische Kurzberichterstattung und Diskussion bereithielt. Kollege Henning Krause (@henningkrause) hat übrigens eine Twitterliste zu den (twitternden) Teilnehmern des Forums angelegt.

Abschließend möchte ich den Kolleginnen und Kollegen vom WiD noch einmal für die Organisation danken, die einen guten Job gemacht haben. Für die nächsten Jahre hoffe ich, dass sie das Format noch einmal etwas anspitzen können und aus dem Klassentreffen für Wissenschaftskommunikatoren wieder eine wegweisende Veranstaltung für die Wissenschaftskommunikation machen können!

Update (14.12.): Mittlerweile hat sich an mehreren Stellen eine spannende Diskussion zu vielerlei Aspekten entsponnen. In den Kommentaren zum Blogpost von Christoph (@erklaerfix) disktutierte man eifrig die Frage was eigentlich Wissenschaftskommunikatoren sind und wer sich denn wohl dazu zählen dürfte. Im Blog von Michael Sonnabend und in einem Facebook-Thread von Alex Gerber (Achtung, Link geht zu Facebook) geht es vor allem um die Ausrichtung des Forums im nächsten Jahr. Wenn wir diese Diskussionen forcieren und ins nächste Jahr transportieren können, haben wir etwas wirklich Großes gewonnen!

Leseempfehlung zum Umgang zwischen Journalismus und PR

Ich lese Michael Sonnabend schon eine ganze Weile, folge seinen Aktivitäten auf vielen Kanälen, konnte ihn bereits kurz treffen und schätze seine Meinung sehr. Darüber hinaus halte ich ihn für einen sehr guten Schreiber und möchte hier deswegen auf seinen kürzlich veröffentlichten Text “Schmeißt Eure Pressemitteilungen weg!” verweisen, den ich für absolut lesenswert halte und dessen Kernaussage ich in den meisten Fällen sofort unterschreiben würde:

…Wo der ausgelaugte Medien-Mainstream herrscht, ist selbst für gute PR kaum noch Platz. Bald muss man sich als PR-Verantwortlicher fragen, ob es überhaupt so attraktiv ist, gute Themen immer schlechter werdenden Medien anzudienen. Ein gutes Thema in einem schlechten Medium entwertet vor allem das Thema…

Guter PR muss es heutzutage gelingen, jene besondere Sprache zu sprechen, deren Verlust man bei den Medien so beklagt. Wenn sich die Medien nicht trauen, Ecken und Kanten zu haben, so muss die PR den Mut haben, neue und eigene Wege zu gehen…

Schmeißt Eure Pressemitteilungen weg. Geht Euren eigenen Weg. Dann werden sie Euch folgen.

Eine extrem wichtige Voraussetzung für das Gehen eigener Wege, das Beschreiten von noch nicht ausgetretenen Pfaden und der Findung neuer medialer und vor allem inhaltlicher Formate für (Wissenschafts-)Kommunikation dürfte dann also neben der Einstellung der PR-Profis vor allem der Mut und eine gewissen Risikobereitschaft der obersten Entscheider sein. An innovativen Ideen mangelt es aus meiner Sicht selten – wenn sie auch nicht immer in den Führungsetagen zu finden sind, sondern ein wenig weiter die Hierarchieleiter hinunter!

Audiovisuelle und Interaktive Wissenschaftskommunikation

In der letzten Zeit ist ja einiges mehr oder weniger Relevantes zum Thema Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation erschienen. Da ich aber keine Lust und Zeit habe die letzten 4 Wochen aufzurollen, möchte ich mich auf zwei Punkte beschränken, die mir in DIESER Woche besonders aufgefallen sind. Das meiste werdet Ihr ohnehin kennen (bin ja etwas spät dran), denn man konnte an einigen anderen Stellen schon etwas dazu lesen – beispielsweise beim Kollegen Heinz Pampel, drüben im wisspub-Blog, der u.a. auf die DHV-Empfehlungen zum wissenschaftlichen Publizieren sowie auf die Royal Society-Studie zur Vernetzung der Wissenschaft hingewiesen hat.

Zurück also zu meinen beiden Favoriten dieser Woche:

Produktion und Rezeption von Wissenschaft in audiovisuellen Medien der EU

Anfang der Woche kam von Markus Lehmkuhl (Forscher an der FU Berlin, Journalist sowie Herausgeber der WPK-Quarterly) der Hinweis über die PCST Mailing List (International Network on Public Communication of Science and Technology), dass der Abschlussbericht des Projekts AVSA (Audio Visual Science Audiences) erschienen ist. Im Rahmen des seit 2008 laufenden Projekts AVSA wurde die erste vergleichende Strukturanalyse aller Wissenschaftsprogramme im TV und Radio innerhalb von 13 EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt. Die detaillierten Ziele lesen sich auf der Projektseite wie folgt:

1. AVSA describes what science, and in what amounts, is actually communicated by science programmes in Europe; trends or results, relevant scientific expertise concerning current non-scientific subject matters, more or less established scientific findings, concepts or theories that are transmitted in a costly way, or scientific explanations with regard to assumed every day needs of the public.

2. AVSA links the classification of science programmes with their use by recipients. It is intended to clarify, how many people from different sections of the European public do perceive science programmes. It is expected that our approach will identify structural lacks with regard to the type of science journalism that is perceived by the public. That means that our approach will provide data that helps to assess, in which parts of Europe for instance young people perceive current scientific findings and in which parts not, although this type of science programme is offered.

3. AVSA links science programmes with judgements of focus groups that will help to assess, how different sections of the European public perceive, what about science is offered by science programmes. Our approach will help to explain why for instance young people in different parts of Europe prefer different types of science programmes respectively why the same type of science programmes is judged differently by certain sections of the European public.

Für die Herangehensweise wurde übrigens eine interessante Definition (PDF) und Klassifikation der Wissenschaftsprogramme erarbeitet.

Nach fast genau drei Laufzeit ist nunmehr also der abschließende Projektbericht erschienen, der übrigens auf der Projektseite kostenlos zum Download (PDF) zur Verfügung steht. Der Bericht ist mit fast 120 Seiten recht umfangreich, es wird also eine Weile dauern bis ich da durch bin, aber erscheint mir auf den Blick durchgängig interessant. Schon an den Kapiteln lässt sich durchaus die Tiefe der Information erahnen:

  • Chapter 1: Profiles of specialised programmes on science in audiovisual media in Europe
  • Chapter 2: Science in media and its respective media environment
  • Chapter 3: Exposure to science programmes in Europe
  • Chapter 4: Motives, expectations and judgements of European audiences towards science on TV
  • Chapter 5: Raising public engagement with science through audiovisual media? Current state and future of science programming in Europe.

Ein Blick in das letzte Kapitel (5) führt einen dann schnell in das Destillat der vorliegenden Arbeit, die eine Unzahl von statistischen und inhaltlichen Daten prozessiert hat:

  • Summary
  • Current state of information journalism in Europe
  • The current state of science popularisation in Europe
  • The current state of edutainment in Europe
  • The future of science journalism in Europe
  • Raising public engagement with science through audiovisual media?
  • Previous policy proposals
  • Recommendations

Wir lesenswert sind übrigens die Recommendations, aus denen ich mal ein paar zitiere:

Broadcasting organisations should

2. recognise the contribution to their organisations of programme-makers and other media professionals with a specialist interest and capacity in monitoring and reporting current developments in science; protect and support that capacity as an important resource for the organisations in times if increasing impacts of science on society

4. develop further the use of web-based media, including ‘social media’, as means to enhance public participation in science-based programmes and the topics they cover; explore and develop further other means of public participation, e.g. ‘citizen science’ projects, encouraging audience ideas and questions as the basis of programme items, organising face-to-face public events and facilitating audience members to perform experiments  online.5. Raising public engagement with science through audiovisual media?

The European Broadcasting Union should

5. further incentivise innovation in science-based programming through targeted programme development funding, commissioning of science-related series in innovative and diverse formats, encouragement of co-production of such series and staging of programme competitions in science-related fields

National governments and the European Commission should

9. defend and promote the independence of media professionals, e.g.  in making judgements of the newsworthiness and merit of developments in science

10. acknowledge the value of many forms of public engagement with science, including critical engagement with the ethical and other social aspects of science, and avoid constraining broadcasting organisations with demands for science programming to meet political needs for boosting support for science

The European Commission should

11. highlight to EU-funded researchers the opportunities and challenges of radio and television and audio-visual communication as valuable means to disseminate scientific research; support researchers in facing those opportunities and challenges through training schemes, developing relations with broadcasting organisations and contracting production companies to prepare audio-visual packages

12. establish targeted media funding programmes to support in-service training of non specialised programme-makers on the use of scientific sources and expertise and to support the development of new concepts targeting at linking scientific expertise with societally relevant subject matters

13. promote and support mechanisms for ongoing interactions across the EU between broadcasting organisations, media professionals of all media, media researchers and independent audio-visual producers and other freelancers and communication consultancies (SMEs) that could address issues raised in this report as well as other issues; such mechanisms could include occasional meetings, an online forum and an independent online publication for the professional communities, which observes and reflects upon recent trends in science reporting across national borders

Liest sich doch sehr, sehr sinnig!

Sascha Lobo… äh, nein, Fraunhofer startet ein “Forschungs-Blog”


Die Fraunhofer-Gesellschaft greift immer tiefer öfter in die Werkzeugkiste des Web 2.0 und stellt sich immer mehr einer Öffentlichkeit, die über ein Fachpublikum hinausgeht. Im Rahmen des Forschungsprojekts “Discover Markets” haben die Münchner in Zusammenarbeit mit Sascha Lobo nun ein neues Blog gestartet: das Forschungs-Blog. Im Grunde ist das soweit nichts wirklich neues (von den Zusammenarbeit mit einem der deutschen Alphablogger mal abgesehen, der übrigens auch die redaktionalle Verantwortung trägt), denn es gibt auch an anderen Stellen schon Fraunhofer-Blogs (z.B. das IAO-Blog, oder das Fraunhofer-CeBIT-Blog). Neu ist im Grunde die adressierte Zielgruppe, nämlich Menschen außerhalb eines Fachpublikums, sowie der Ansatz im Kern des Blogs, dem Dual-Blogging. Dabei wird “ein wissenschaftsnaher Text von Fraunhofer-Forschern veröffentlicht und einem lebensnahen, aus alltagsrelevanter Sicht geschriebenen Text gegenübergestellt” heißt es in der Verlautbarung dazu. Auf dem Blog selbst erklären die Autoren – zu denen neben Sascha Lobo und Fraunhofer-MitarbeiterInnen auch die Wissenschaftsblogger Florian Freistetter und Lars Fischer zählen – das Prinzip des Dual-Blogging etwas weniger verklausuliert:

Als eine Sollbruchstelle der wissenschaftlichen Kommunikation mit der Öffentlichkeit haben wir eine, sagen wir, oft recht hohe thematische Komplexität identifiziert. Die Fachsprache der Wissenschaft entspricht nicht immer unbedingt dem, was man auf Facebook in der Mittagspause freundlich interessiert durchliket. Und das ist ja auch okay. Um aber trotzdem auch für interessierte Laien zu bloggen, haben wir uns das Konzept Dual-Blogging ausgedacht.

Artikel im Dual-Modus haben zwei parallele Textspalten. In der linken ist ein Fachtext zu finden, der eine wissenschaftliche Entwicklung fachlich präzise in der entsprechenden Terminologie beschreibt. In der rechten Spalte findet sich die blogaffine Perspektive des gleichen Themas, lebensnäher und (hoffentlich) unterhaltsam geschrieben, was sich vermutlich besser für die Social-Media-Welt eignet.

Marco Trovatello, den meisten sicher bekannt aufgrund seiner Tätigkeit beim DLR, hat gestern Abend in seinem privaten Blog ein Paar Gedanken zum Fraunhofer “Forschungs-Blog” geäußert, denen ich eigentlich sehr gut folgen kann und die durchaus meine Zustimmung finden. Ich bin gespannt wie sich das Projekt entwickelt, werde es eine Weile beobachten und mir anschließend eine genauere Meinung bilden. Aus meiner bisherigen Warte lesen sich aber die ersten Beiträge (z.B. der von Florian zum Weltraumschrott, oder der aktuelle Dual-Blogbeitrag) sehr gut, sind verständlich, unterhaltsam und informativ.

Man darf wirklich gespannt sein, wie sich das Projekt entwickelt und wie die ersten Reaktionen ausfallen.

Disclaimer: Ich bin übrigens selbst Mitarbeiter der Fraunhofer-Gesellschaft – wirke jedoch nicht beim Forschungs-Blog mit und habe auch eine eigene, arbeitgeberunabhängige Meinung! ;-)

Online-Befragung zur Wissenschaftskommunikation in Deutschland

Heute bin ich über den Twitter-Account des Deutschen Fachjournalisten-Verbands auf die frisch veröffentliche Studie des DFJV zur Wissenschaftskommunikation in Deutschland gestoßen, die sich in der Pressemeldung vollmundig mit der Überschrift “Der Weg aus dem Elfenbeinturm: Wissenschaft kommunizieren” ankündigt. Besagte Studie wurde vom DFJV finanziert und am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung (IWT) der Universität Bielefeld durchgeführt. Genauer gesagt führte das Team Pansegrau/Taubert/Weingart/Förster eine Online-Befragung unter “…7.460 Wissenschaftler aus den übergeordneten Wissenschaftsbereichen Natur-, Lebens-, Ingenieur-, Geistes- und Sozialwissenschaften…” durch, wie u.a. aus der Pressemeldung und der Studie zu lesen ist. Die Studie kann über die Seiten des DFJV als PDF heruntergeladen werden – was ich mal getan habe, um sie mir genauer anzuschauen.

Die Eckdaten

Wie bereits erwähnt wurden 7.460 Wissenschaftler online im Zeitraum vom 26.07.2010 und dem 08.08.2010 befragt. In der Studie ist dann weiter zu lesen, dass 1357 Personen zumindest begonnen haben den Fragebogen auszufüllen und 779 Personen die Umfrage auch beendet haben (also alles im Rahmen der aus der Literatur zu Online-Befragungen bekannten Werten).

Der Fragebogen umfasste Fragen zur innerwissenschaftlichen Kommunikation, zu Massenmedien und Öffentlichkeit, zu den Motiven für/gegen die Vermittlung gegenüber einer nicht-fachspezifischen Öffentlichkeit und zur Beteiligung an öffentlichen Veranstaltungen. Bemerkenswert ist hierbei, dass ein großer Teil der Fragen auf diesen letzten Bereich entfiel.

Das Fazit

Im Laufe der Studie kristallisiert sich an mehreren Stellen die Kernthese heraus, dass hauptsächlich die klassischen Arten der Wissenschaftskommunikation wie Pressemitteilung, Pressekonferenzen, Präsenzveranstaltungen (v.a. Vorträge) und die Bearbeitung journalistischer Anfragen dominieren. Obwohl es sehr gute Beispiele dafür gibt, ist von “moderner Wissenschaftskommunikation” im Web und im Web 2.0 (interaktive Websites, Blogs, Twitter, Facebook, etc.) kaum ein Wort zu lesen. In der Diskussion fehlen diese gar komplett. So ist es nicht verwunderlich, dass in der Pressemitteilung zu lesen ist, dass die Studie zum Schluß kommt, dass

Wissenschaftler den verschiedenen Formen der Wissenschaftskommunikation positiver gegenüber stehen, als es das traditionelle Bild suggerieren mag. Wissenschaftskommunikation im Sinne von Berichtspflicht und im Interesse des Fachs (Ressourcenbeschaffung und Nachwuchsrekrutierung) setzt sich sukzessive durch. Allerdings bedient sich bislang lediglich eine Minderheit regelmäßig der breiten Palette an Kommunikationsformaten. Es bleibt zu hoffen, dass die Bereitschaft zur Kommunikation an eine nicht-fachliche Öffentlichkeit an Intensität und Varianz nach und nach zunimmt. (Quelle)

Die Schwachstellen

Ich weiß nicht, ob ich bloß ein bißchen empfindlich bin oder die Studie wirklich so beklagenswert ist, aber ich habe mich schon ein paar Mal bei der Lektüre des Papiers aufgeregt. Ich bin noch nicht ganz durch, möchte aber im Folgenden schon kurz auf diese ersten Aufreger eingehen und einige der – in meinen Augen – Schwachstellen der Studie aufzeigen:

  1. Die Ausrichtung der Studie
    Schon beim zum Begriff der Wissenschaftskommunikation merkt man m.E. eine stark ” einsnullige” Ausrichtung der Studie (oder gar Denkweise der durchführenden Wissenschaftler?).
    Hier setzt man beispielsweise den Begriff der ” …Kommunikation ‚der’ und ‚über die’ Wissenschaft mit einer unspezifizierten aber möglichst breiten Öffentlichkeit…” mit Veranstaltungen gleich (“Damit sind Aktivitäten wie die ‚Jahre der Wissenschaft’, ‚Lange Nächte der Forschung’ und /oder ähnliche Stadtfeste in Verbindung mit Wissenschaft gemeint.”). Im zweiten Fall, der “…Kommunikation der Wissenschaft über die Massenmedien bzw. auch umgekehrt der Massenmedien über die Wissenschaft”, meint man vornehmlich die klassische Pressearbeit (Zeitungen, Magazine, Fernsehen).
    Äh bitte? Wo sind die bereits oben erwähnten Websites, Blogs, Twitter- und Facebook-Accounts, die bereits viele Wissenschaftsorganisationen anbieten und einige Wissenschaftler schon sehr erfolgreich nutzen????
    Anekdote am Rande: bereits auf Seite 2 ist vom BMBW, dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft zu lesen. Vielleicht sollte jemand den Kolleginnen und Kollegen erklären, dass besagtes Ministerium nun schon seit einiger Zeit Bundesministerium für Bildung und Forschung heißt und mit BMBF abgekürzt wird. Aber naja…

  2. Die Befragtenstruktur
    In Abschnitt 3, der Beschreibung der Stichprobe und Einschätzung der Datenqualität, lässt sich dann nachlesen,  dass “…dass sich die Stichprobe nahezu ausschließlich aus Professoren zusammensetzt. 89,2 % der Stichprobe gehören dieser Statusgruppe an, gefolgt von 8,1 % Dozenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern sowie 2,6 % Lehrbeauftragten.” Eine solche Verteilung ist nahezu entgegengesetzt der Verteilung der Realität.
    Frage ich mich doch an dieser Stelle, ob wirklich die Professoren diejenigen im Wissenschaftsbetrieb sind, die sich mit der aktiven Wissenschaftskommunikation maßgeblich befassen? Ich denke nein.

  3. Die Altersstruktur
    Laut der Studie beträgt das Durchschnittsalter innerhalb der Stichprobe 56,1 Jahre. Es “…zeigt sich, dass sämtliche Altersgruppen bis 65 Jahre leicht oder mäßig unterrepräsentiert sind und die Gruppe der über 65jährigen stark überrepräsentiert ist.” Der Clou: “Die Befragung schließt dabei eine recht große Anzahl an nicht mehr in Dienstverhältnissen befindlichen emeritierten Professoren mit ein.”
    Auch hier stellt sich die Frage ob wirklich die Professoren diejenigen im Wissenschaftsbetrieb sind, die sich vorrangig mit der aktiven Wissenschaftskommunikation befassen, zumal wenn Sie quasi nicht mehr im Dienst sind? Ich denke nein.

  4. Die Gruppierung der Wissenschaftskommunikatoren
    Als “massenmediale Wissenschaftskommunikatoren” gelten der Studie nach eine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich durch die folgenden Aktivitäten in den letzte 24 Monaten herausheben:
    (a) Herausgabe von mehr als 10 Pressemitteilungen, (b) Beantwortung von mehr als 10 Presseanfragen, (c) Verfassen von mehr als 6 Beiträgen zu Wissenschaftsseiten / zum Feuilleton, (d) Einsenden von mehr als 6 Forschungsberichten an die Presse und (e) Abhalten von mehr als 6 Pressekonferenzen.
    Auch hier  frage ich mich, wo die Blogs, Twitter-Accounts, Facebook-Engagements so vieler Wissenschaftler abgeblieben sind?
An vielen weiteren Stellen der Studie lassen sich Faktoren und Auslegungen feststellen, die ich in einer Studie mit einem Titel wie dieser (Wissenschaftskommunikation in Deutschland) schlichtweg irritierend sind. Ich wage mich mal etwas hinaus und möchte mal folgende Dinge behaupten:
  • niemand, der heutzutage in Deutschland eine Studie zur Wissenschaftskommunikation in Deutschland durchführt, kommt am Web 2.0 im weitesten Sinne vorbei (oder kann es gar gänzlich ausblenden). Dazu nutzen bereits zu viele Wissenschaftsorganisationen, Forschungseinrichtungen und Universitäten einzelne Formen dieser Kommunikation, seien es Twitter, Facebook, Blogs oder gänzlich andere. Zudem nutzen viele Wissenschaftsjournalisten diese Kanäle zu Informationszwecken, wie auch schon die Trendstudie “Wissenschaftskommunikation” von Alexander Gerber in Teilen zeigte.
  • um den Stand der Wissenschaftskommunikation zu erfassen, sollte man nicht nur an der obersten Schicht kratzen – “oberste Schicht” ist hier auch auf den wissenschaftlichen Status innerhalb der Wissenschafts-Community bezogen. Es reicht schlichtweg nicht die Professoren zu befragen. Hier muss man an die Basis – dorthin, wo die tagtägliche Arbeit in der Wissenschaftskommunikation erledigt wird. Auch dorthin, wo sich Nutzungstrends in den modernen Kommunnikationsmitteln oftmals zuerst durchsetzen, bevor die “Oberen” überzeugt werden.
  • die Betrachtung von Präsenz(!)veranstaltungen und klassischer Presse- oder Medienarbeit greift zu kurz, um umfassend den Stand der Wissenschaftkommunikation in Deutschland zu erfassen.

Ich werde die Studie noch weiter durcharbeiten, vielleicht findet sich noch etwas interessantes, oder gar wegweisendes. Aus dem jetzigen Stand meiner Kenntnis, ist die Studie für mich allerdings wenig wert. Die durchführenden Wissenschaftler mögen mir an dieser Stelle meine Unverfrorenheit verzeihen – ich möchte sie weder angreifen, noch ihre Arbeit in den Dreck ziehen. Aber für mich manifestiert sich in der vorliegenden Studie ein altbackener und leider viel zu versteifter Blick auf ein Themengebiet, von dessen Lebhaftigkeit ich in den letzten 2 Jahren begeistert bin!

Übrigens hat Wenke Richter vor dem Hintergrund der Altersstruktur der Befragten in ihrem Blog digiwis die Frage nach einem Altersstrukturproblem gestellt:

Damit scheint das Bestreiten neuer Wege in der Wissenschaftskommunikation auch wohl ein Altersstrukturproblem zu sein. Nun stellt sich die Frage nach der Ursache. Fehlt es an Kenntnissen über neue Medien und ihre Wirkmöglichkeiten bei den Professoren oder am Willen zur Nutzung?

Sicher hat die Altersstruktur einen gewissen Einfluss auf den Umgang mit neuen Medien. Ich denke aber, dass die Ursache der zurückhaltenden Nutzung von neuen Medien in den Kreisen von Professoren in den oberen Altersklassen bei weitem nicht ausschließlich im Alter begründet liegt. Sicher steht man Systemen, in denen man nicht selbst unterwegs ist kritischer gegenüber. Und bestimmt hat man eine vorsichtigere Meinung von Werkzeugen, die man selbst noch nicht kennt. Aber ich vermute auch, dass viele Professoren in ihrer Arbeit so festgefahren sind (neben Forschungs- und Lehrauftrag ja vor allem auch in der Verwaltung – Anträge, Anträge, Anträge – und den repräsentativen Aufgaben), dass sie sich nicht die Mühe machen wollen/können sich mit neuen Technologien und deren Wirkpotentialen auseinander zu setzen. Das Eingehen von Risikos im Sinne von “Wir probieren das mal, ohne dass wir wirklich wissen, was es uns bringt” ist bestimmt nicht sonderlich ausgeprägt.

Aber ich kann mich täuschen.

What lingers behind, what lies ahead

Ich bin eigentlich kein Fan von Rückblicken und dem gezwungenen Vorausschauen auf die Dinge, die da hoffentlich kommen mögen. Bei letzterem ist es aber manchmal der Fall, dass das öffentliche äußern einen gewissen Druck erzeugt, der im Zweifel (und in meinem Fall ist es so) eher förderlich, denn hinderlich ist – Thema extrinsische Motivation und so.

Auch die Anzahl der Baustellen, die man ich so beackere, zwingt einen schlicht gewisse Dinge sehr genau zu planen, um Kollisionen zu vermeiden – wie es mir im zurückliegenden Jahr nicht immer gelungen ist. Also versuche ich die Dinge mal ein wenig zu ordnen, einzuordnen, glatt zu ziehen und für das nächste Jahr in ein wenig mehr geregelte Bahnen zu lenken. Genau damit beginne ich, auch ganz im Sinne der eben erwähnten Motivation öffentlich, indem ich es hier und an anderer Stelle verblogge.

DER DIE JOBS

Ich kann auch das vergangene Jahr auf ein erlebnisreiches, wenn auch nicht immer einfaches Jahr bei meinem Hauptarbeitgeber, dem Fraunhofer-Verbund IuK-Technologie zurückblicken. In diesem Umfeld, diesem Spannungsfeld, zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erlebt man viele interessante, spannende, manchmal auch ermüdende Dinge. Nach den Jahren der Tätigkeit im „Universum Fraunhofer“ hat man sich mit vielen Dingen abgefunden angefreundet, steht aber dann doch auch immer wieder vor neuen Herausforderungen, die es lohnen angegangen zu werden und einen nicht ganz unerheblichen Kraftaufwand zu investieren. Viele Der Dinge mit denen ich beschäftigt bin, laufen im Backoffice ab. Dennoch konnten wir uns auch wieder erfolgreich an öffentlichen Veranstaltungen beteiligen, wie bspw. am dbb-Kongress Neue Verwaltung, dem Kongress für Verwaltungsmodernisierung und eGovernment (einem Thema mit dem ich mich auch an anderer Stelle auseinandersetzte), oder auch dem 12. E12-Gipfel. Auf letzterem bin ich für einen Kollegen eingesprungen und hatte das Vergnügen mich auch mal vor der Kamera als Interviewer umzutun – nicht gerade einer meiner Stärken. Wen es interessiert: ich habe im Rahmen des Kongresses unter anderem mit Dr. Jörg Liebe (Director New Business & Innovation Management der Lufthansa Systems Infratec GmbH) über moderne Inflight-Entertainment-Systeme gesprochen, habe Ralph Haupter (Vorsitzender der Geschäftsführung Microsoft Deutschland und Area Vice President International) zu Enterprise 2.0, kollaborativem Arbeiten und den Kulturwandel im Unternehmen befragt und sprach mit Martin Zimmerman (Geschäftsführer der Visenso GmbH) über den Umgang, die Technologien und die Visionen im Bereich 3D. Es folgen voraussichtlich noch zwei Interviews mit Dr. Thomas Endres (Chief Information Officer der Lufthansa AG) und Andy Müller-Maguhn (Sprecher des Chaos Computer Club).

In meiner beratenden Tätigkeit als Selbstständiger und bei der Wimko Wissensberatung habe ich (wir) in diesem Jahr viele Gespräche geführt, einige Aufträge erfolgreich beendet und vor allem viel lernen können. Eine Erkenntnis, die ich besonders deutlich gewinnen konnte, ist, dass man hierbei seine Kräfte sehr wohl dosiert einsetzen sollte und einen besonders realistischen Blick auf das eigene Leistungsvermögen und den eigenen Kenntnishorizont werfen sollte (Stichwort: was sind eigentlich meine Kernkompetenzen?). Ich denke im kommenden Jahr ist es ratsam hier noch wesentlich strategischer gezielter vorzugehen. Ich persönlich werde mich auch wieder mehr auf das Konzeptionieren von Kommunikationsstrategien und die damit einhergehenden Analyse- und Monitoring-Aufgaben konzentrieren.

DAS LEBEN UM DIE JOBS HERUM DIE FREIZEIT

Ich bin niemand, der sich besonders gut zurückhalten kann, wenn es darum geht neue Baustellen aufzureißen. Dennoch habe ich an einigen Stellen im zurückliegenden Jahr gemerkt, dass ich mich an der einen oder anderen Stelle doch etwas übernommen habe. Da ich 2011 sowohl (nun endlich) mein Studium zum Ende bringen möchte, als auch mich beruflich weiter professionalisieren möchte und darüber hinaus auch etwas mehr Freizeit gewinnen möchte, ist es schlichtweg auch hier Zeit die Dinge etwas strategischer anzugehen. Ich werde einige meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten auf ein Minimum reduzieren aufgeben und versuchen mich zusammenzureißen, um möglichst wenig neue zusätzliche Projekte anzuhäufen. Dennoch gibt es Dinge, die ich gern weiter betreiben möchte und teilweise auch noch ausbauen werde (wie z.B. das Podcast-Projekt). Also, wie wird es auf den drei Blogs, auf denen ich mich maßgeblich umtue, weitergehen?

www.mfromm.de

Dieses Blog ist auch weiterhin meine „Hauptblog“, auf dem ich mich relativ offen zu allen möglichen Themen äußern möchte mit denen ich mich eingehender beschäftige und zu denen ich glaube etwas zu sagen zu haben. Dennoch wird es hier weiterhin vor allem um Wissenschaftskommunikation im Allgemeinen und Wissenschafts-PR im Besonderen gehen. Verstärkt werde ich im Jahr 2011 kleinere Thesen hier diskutieren, die ich im Rahmen meiner anstehenden Magisterarbeit entwerfe oder auch verwerfe.

Ich habe mich über die letzten 1,5 Jahre recht ausgiebig mit der Wissenschaftskommunikation beschäftigt, besonders natürlich vor dem Hintergrund der durch das Web 2.0 vorangetriebenen Entwicklung. Ich habe immer wieder neue Ideen für die Magisterarbeit gehabt, bestehende verändert oder auch komplett verworfen. Dies ist zum einen meiner täglichen Arbeit im Umfeld von Wissenschaft und Forschung geschuldet, zum anderen aber auch dem wachsenden Dialog der (vor allem) im Netz dazu stattfindet und sich zunehmend auch in neu erscheinenden Publikationen niederschlägt. Ich habe zu einigen der Ideen und Thesen bereits kleinere Vorstudien durchgeführt, um zumindest auf einer einigermaßen sicheren Basis über den fortwährenden Umgang mit ihnen entscheiden zu können. Wie dem auch sei, mittlerweile drehen sich der Großteil meiner  Ideen und der sich entwickelnden Thesen um die Folgen, die die Kommunikation von Wissenschaftlern und Wissenschaftsorganisationen im Netz auf der einen Seite und die Interaktivität und Dialogizität im Web 2.0 auf der anderen Seite auf den Wissenschaftsprozess und die Präsentation von Forschungsergebnissen haben. Stichworte sind hier Transparenz des Forschungsprozesses, Crowd Reviewing, Wissenschaftliches Publizieren und vor allem auch die Öffnung des Wissenschaftsprozesses (neben Open Research also vor allem auch Open Science im Sinne von Open Innovation in der Wissenschaft), aber auch vieles mehr. Was letztlich Kern meiner Magisterarbeit sein wird, wird sich im ersten Jahresdrittel herausstellen, vielleicht auch mit Hilfe (oder dank) der Diskussion oder Reaktion hier.

www.transiente-sichten.de

Tatsächlich hatte ich am Anfang, als ich die Domain registrierte und das Blog eröffnete, noch keine rechte Ahnung in welche Richtung es sich entwickeln würde. Nun ja, Überraschung: es ist mir auch nach wie vor noch nicht ganz klar. Fest steht, dass Transiente-Sichten auch weiterhin mein Schnipselblog bleiben wird, in dem ich all jenes verpacke, was mich da draußen im Netz aus der Welt des Naturwissenschaftlichen und des Fantastischen fasziniert.

Ich möchte aber zukünftig mehr versuchen neben den faszinierenden Schnipseln auch etwas planmäßiger Konzepte und Konstrukte aus den Naturwissenschaften in eine andere Ebene zu transferieren und sie auf gesellschaftliche, medien- oder auch kommunikationswissenschaftliche Funktionsweisen und Phänomene zu übertragen. Mal sehen, ob es mir gelingt.

www.collaborativerockers.de

Collaborativerockers ist ein Konstrukt ein Projekt eine Idee, die mein „Bruder im Geiste“ und ich es schon sehr lange im Hinterkopf haben, schon öfter einmal mit Leben zu füllen versuchten, und der wir uns jetzt ernsthaft verpflichtet haben.

Unter Collaborativerockers.de entsteht sukzessive eine Plattform, auf der wir uns einem Podcast-Projekt widmen wollen. Wir werden uns in unregelmäßig-regelmäßigen Abständen real oder virtuell treffen, um über Hinz und Kunz zu reden. Unsere Aufmerksamkeit wird dabei sicher auf Themen wie Musik, Film, Literatur, Abenteuer und Netzkultur liegen, aber es wird sich auch immer wieder mal um Themen wie Gesellschaft, Politik, Religion, Fernsehen, Technik, Wissenschaft und Lifestyle (die guten Seiten des Lebens) drehen. Wir haben eine grundlegende Vorstellung und einen augenscheinlich recht guten Plan, was das Format angeht. Aber wie das mit Plänen so ist, wir werden sehen inwieweit alles so funktioniert. Auch hier gilt wahrscheinlich: Fortschritt ist Rückschritt.

Flankiert wird das Projekt von der entsprechenden Facebook-Fanpage und dem passenden Twitter-Account @collabRockers. Aber ACHTUNG: gerade designtechnisch sind wir bei weitem noch nicht da, wo wir gern hin wollen. Aber das ist ein Prozess, wie so vieles im Leben. Und schließlich hapert es bei vielen Projekten vor allem am Start, denn so einige Projekte kommen nie über eine Planungsphase hinaus. Daher legen wir einfach einmal los. Die Aufzeichnung der ersten Folge ist übrigens für den 30.12.2010 geplant, sie dürfte dann in der ersten Januarwoche 2011 online gehen.

Wir würden uns natürlich freuen, wenn wir über die Zeit ein paar Hörer erreichen können! ;-)

2011

Was auch immer 2011 geschehen mag, ich würde mich freuen den Weg zu einem Teil auch mit Euch zu gehen!

Bildnachweise:

Glaskugelbild: Crystal Castles by Frogman!

Collaborativerockers: M.Fromm/C.Koerber

Wegbild: The bluebells path by Vainsang

Kurz verlinkt: Ist die Wissenschaftskommunikation bereit für Social Media?

Michael Sonnabend aka @earl_piggot – seines Zeichens Blogger und vor allem hauptberuflich Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft (Twitter) – veröffentlichte gestern einen ausführlichen Blogpost zur Frage, ob die Wissenschaftskommunikation bereit für Social Media ist.

Verschiedenste Facetten dieser Frage werden ja bereits an anderen Stellen beleuchtet und diskutiert, z.B.:

Disclaimer: Die ist nur eine kurze beispielhafte Auflistung (Basis sind hier gut 2min Google-Suche). Sicher gäbe es hier unzählige Kolleginnen und Kollegen mehr, die man aufzählen könnte (vom internationalen Kreis mal ganz abgesehen). Selbst die gelisteten Kollegen haben unendlich viel mehr zum Thema geliefert.

Der eingangs erwähnte, und im Kern dieses Kurzbeitrags stehende Blogpost von Michael Sonnabend “Austausch auf Augenhöhe” jedoch vor allem einen sehr umfassenden Einstieg in das Thema, da er die Entwicklung von Moment an beschreibt, da die PUSH-Inititative nach Deutschland schwappte:

Vor mehr als zehn Jahren brachte PUSH den nötigen Schwung in die Wissenschaftskommunikation. Vieles hat die Initiative erreicht, allein schon eine größere Aufmerksamkeit gegenüber Themen, die aus den Forschungslaboren nach außen dringen. Heute aber, zwischen Medienkrise und wachsenden Social-Media-Diensten, bedarf es neuer Denkanstöße.

Michael Sonnabend legt ein breites Bild vieler Aktivitäten im Bereich der Wissenschaftskommunikation in Deutschland dar – von den Anfängen der Initiative Wissenschaft im Dialog (WiD), über die Wissenschaftsjahre, die Wissenschaftssommer, die Initiative „Stadt der Wissenschaft“, die seit kurzem in immer mehr Städten stattfindenden Science Slams, bis hin zu audiovisuellen Projekten wie das DFG Science TV der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Am Ende seines ausfürhlichen Beitrags kommt er schließlich auf die Frage zurück, in welche Richtung sich die Wissenschaftskommunikation denn nun weiter entwickeln wird, wo doch “weltumspannende Dienste wie Facebook, Twitter, LinkedIn oder Google Buzz bzw. ein eigenes Blog für Wissenschaftler einen ganzen Pool von Möglichkeiten [bieten], sich selbst und die eigene Arbeit zu vermarkten.”

Die Antwort möchte ich selbstverständlich nicht vorwegnehmen, sonder verweise einfach an dieser Stelle auf den empfehlenswerten Beitrag von Herrn Sonnabend, der übrigens schon 2009, im Nachgang zum Forum Wissenschaftskommunikation (pdf), einen Beitrag zu den Herausforderungen der modernen Wissenschaftskommunikation verfasste.  Auch dieser ist eine echte Leseempfehlung, im Stifterverband-Magazin “Wirtschaft & Wissenschaft” 4/2009 erschienen und online abrufbar:

Michael Sonnabend: “Stellt die Megaphone weg” (pdf)

Viel Spass beim Lesen der Beiträge, beim Nachdenken, Umsetzen, oder Diskutieren (ob hier, bei Michael Sonnabend, oder auf dem diesjährigen Forum Wissenschaftskommunikation in Mannheim)!

Trendstudie zu Wissenschaftskommunikation

Der Original-Post ist im Blog [sic] Science & Innovation Communication erschienen.

Welche Ziele, welchen Selbstanspruch und welche Perspektiven hat die deutsche Wissenschaftskommunikation heute – nach vier Jahrzehnten? Droht ihr beispielsweise durch “Social Media” eine Reduzierung auf 140 Zeichen, oder kommt es endlich zu dem lang ersehnten, vertrauensbildenden Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft? Was heißt das für die Veränderungsbereitschaft der Bevölkerung gegenüber neuen Technologien? Machen Blogs den Wissenschaftsjournalismus überflüssig? Oder kommt ihm vielmehr als investigative Instanz eine neue Rolle zu? Muss vielleicht die Wissenschafts-PR künftig mehr “verführen” als “informieren”?

Solchen Fragen geht die „Trendstudie Wissenschaftskommunikation” nach (http://www.wk-trends.de), unter anderem in sechs Umfragen für Branchenvertreter aus Journalismus und PR, Bildungs- und Eventbereich sowie natürlich für Wissenschaftler und Kommunikationsforscher.

Die Ergebnisse werden auf dem „Forum Wissenschaftskommunikation” von Wissenschaft im Dialog WiD am 1. Dezember präsentiert.

Die Umfrage nimmt in etwa 5-10 min in Anspruch. Unter den Teilnehmern der einzelnen Studienabschnitte werden dann iPods der neuesten Generation verlost.

Weitere Informationen zur Trendstudie findet man unter:
http://www.wk-trends.de

Direkter Link zur Umfrage:
http://wk-trends.limequery.net/index.php?sid=27188〈=de

Tweets zu den Zwischenergebnissen:
http://twitter.com/innovisions

Die (Zwischen-)Ergebnisse der Studie werden dann bei ScienceBlogs diskutiert: http://www.scienceblogs.de/sic/

Weitere Information zum Forum Wissenschaftskommunikation findet man auf den Seiten des WiD:
http://www.wissenschaft-im-dialog.de/wissenschaftskommunikation/forum-wissenschafts-brkommunikation.html

Kurz verlinkt: Ausbildung in der PR

Auf Kommunikationsblog.de, dem Blog der Kölner Agentur BetterRelations äußert sich Dr. Peter Gerlach, seit dem 1. Juli neuer Geschäftsführer der PZOK, knapp einem Monat nach seinem Amtsantritt zu seinen weiteren Plänen für die Entwicklung der PR-Ausildung. Das Interview führte Riccardo Wagner (RW) – (V.i.S.d.P.), Geschäftsführer der BetterRelations GmbH.

Kritische Worte bezüglich der Ausbildung und Weiterbildung von PR-Leuten findet Norbert Schulz-Bruhdoel in seinem offenen Brief, in dem er die Beweggründe für seinen Austritt aus der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) darlegt.

Stellung zur PR-Ausbildung bezieht auch die Deutsche Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft DG PuK im entsprechenden Papier der Fachgruppe PR/Organisationskommunikation. Das Positionspapier kann man hier einsehen. Wie allein schon aus dem Titel ersichtlich, bindet diese Position die Ausbildung sehr stark an die Forschung und somit vor allem an Universitäten und Fachhochschulen. Im Gegensatz zum Praktiker-Ansatz soll das Handeln hier also vornehmlich auf Wissen & Reflexion gestützt werden, wie das Papier in den Qualifikationszielen (Wissen – Reflexion – Kritik und Selbstkritik – reflektierte Anwendung) darstellt.