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Hörempfehlung: #Soziopod und #Segelradio

Wie in vielen, vielen Posts schon beschrieben, bin ich ein großer Fan von Podcasts jeglicher Couleur. Mittlerweile zähle ich gut 30 verschiedene Podcasts, die ich regelmäßig höre und weitere Podcasts von denen ich einzelne Folgen höre, wenn mich das jeweilige Thema interessiert. Ich höre sowohl technikbezogen, als auch wissenschafts-, gesellschafts- oder popkulturbezogene Podcasts (für einen Ausschnitt meines Hörspektrums kann man zum Beispiel einen Blick in die Blogroll der Collaborativerockers werfen, vielleicht schreibe ich aber irgendwann auch noch einmal etwas ausführlicher über mein “Hörprogramm”).

Heute möchte ich bewusst eine klare und explizite Hörempfehlung für zwei relativ neue Podcastprojekte aussprechen, die es zwar noch nicht allzu lange gibt, die mich aber bereits mit den ersten Folgen vollkommen überzeugt haben.

Empfehlung N°1: Soziopod

Meine erste Empfehlung gilt dem Soziopod, einem Podcast zu “Netzkultur, Soziologie, Pädagogik, Religion, Philosophie und Politik” mit dem hehren Ansinnen diese Themen “endlich unterhaltsam und verständlich” zusammenzuführen. Hinter dem Podcast stecken:

  • Doktor Köbel aka Dr. Nils Köbel: wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut I für Bildungsphilosophie, Anthropologie und Pädagogik der Lebensspanne an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln)
  • Herr Breitenbach aka Patrick Breitenbach: freier Mitdenker und Quermacher, Medienarchitekt und Markengestalter, Mundpropagandist und Memforscher, Podcaster und Blogger.

Den beiden Machern gelingt tatsächlich, zumindest nach meinem Empfinden, was relativ selten gelingt:  komplexe Themen der Sozialwissenschaft unterhaltsam, unaufgeregt, und verständlich in unsere Lebenssituation einzubetten und diese gefühlt unelitär in unseren täglichen Erlebnishorizont einzubetten. Wer nicht unbedingt darauf Wert legt mit der ersten Folge zum Thema “Privacy” anzufangen, dem sei die aktuelle und achte Folge zum Thema “Identität” empfohlen. Chapeau! und bitte weiter so, die Herren!

Empfehlung N°2: Segelradio

Die zweite Empfehlung möchte ich an dieser Stelle einem Projekt aussprechen, dessen Initiator Hinnerk Weiler schon Gast bei uns im Collaborativerockers-Podcast war. Dies war vielleicht auch ein wenig Mitauslöser (oder das Tüpfelchen auf dem “i”), dass Hinnerk seine Podcastpläne in die Tat umsetzte und mit dem Segelradio ein großartiges Projekt am Start hat. Wie der Name schon erkennen lässt, geht es inhaltlich rund um’s Segeln – Technik, Geschichten, Touren u.v.m. Die ersten beiden Folgen sind bereits erschienen und sind jeweils nette Gespräche mit anderen Seglern, zuletzt mit Claudia und Jürgen Kirchberger die mit Ihrer La Belle Epoque derzeit in Alta, Norwegen überwintern. Den Podcast krönt Hinnerk noch mit einem schönen Gedanken, denn beim Segelradio kann man mitmachen:

Die Plattform segelradio.de steht nicht nur für meinen Törn als weitere Plattform, sondern ist offen für interessierte Podcaster und vor allem solche, die es werden wollen. Über die Zeit wird so ein breites Themenspektrum mit Formaten und Sendungen rund das Segeln entstehen. Mitmachen kann und soll jeder, der mit Spaß und Interesse eigene Projekte realisieren, und diese gebündelt mit Gleichgesinnten hier veröffentlichen möchte. Egal ob Bootsbauer, Weltumsegler, Segelmacher, Regattaskipper oder einfach nur begeisterter Segler, der aus diversen Themen Inhalte für seine Sendung heraussucht. Du hast Lust mitzumachen? Dann melde Dich hier!

Hut ab Hinnerk & gutes Gelingen!

Empfehlung N°3: Hörsuppe

Okay, oben schrieb ich ja noch etwas von zwei Empfehlungen. Es sind auch zwei Podcasts, die ich hier empfehle. Zu guter letzt möchte ich es mir aber nicht nehmen lassen Euch noch etwas an’s zu legen, dass zum Thema Podcasting mittlerweile durchaus dazu gehört, nämlich das Projekt/die Website/Die Redaktion der Hörsuppe. Auf der Website berichtet Christian mit einem schier endlosen Elan über “Neues aus der deutschen Podcastszene” – er bloggt aber nicht einzeln über erschienene Folgen, sondern bastelte auch einen Kalender der Sendetermine, einen Live-Link und eine Jukebox mit deren Hilfe man sich per Zufall mit einer aktuellen Podcastfolge irgendeines Podcast beschallen lassen kann. Einfach nur durch der Mann! ;-)

Respekt, Christian!

Digitale Medien im Promotionsprozess

Digitale Medien sind sicher – zumindest in meinem Leben – immer für eine Ablenkung gut; Prokrastination hört sich an der Stelle immer so böse an. ;-) Aber digitale Medien können sicher noch viel mehr als meinen Drang nach Eskapismus zu bedienen, eventuell sind sie sogar äußerst nützlich. In der Tat sind die Angebote, die ich beispielsweise nutze, viel mehr als nur Entertainment für mich. Mittlerweile sind Tools der digitalen Medien für mich unerlässlich als Informationszugang, Newsversorgung und Kontaktschnittstelle zu anderen Menschen. Und hilfreich sind sie sicher auf für andere, z.B. Doktoranden.

Sandra Hofhues, mittlerweile wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HAW Hamburg in der Fakultät für Wirtschaft und Soziales beschäftigt sich derzeit in einem Projekt mit dem Einsatz digitaler Medien im Promotionsprozess und führt aktuell eine Befragung dazu durch, die Doktoranden aller Fachrichtungen hier unterstützen können.

Geplant ist ein zweistufiges Vorgehen. Nach Abschluss der ersten Befragung wird sich daher ein unabhängiges Abfragefeld öffnen, in dem man E-Mail-Adressen eingeben kann.

Hier findet sich doch bestimmt jemand, der gewillt ist 10min für die Forschung zu “opfern”? Danke für die Unterstützung!

In eigener Sache: collaborativerockers.de “infiltriert”

Heute hatten wir drüben beim Collaborativerockers Podcast einigen Ärger durch schadhaften Code, der durch Fremdzugriff auf unserem Server gelandet ist. Ich hab das Problem drüben beschrieben und crossposte das hier zur Sicherheit:

Rockers!

Was ein Tag für jemanden wie mich, der zwar ein wenig Ahnung von der Materie “Sicherheit im Internet” hat und sich seit einigen Jahren auf einer eher abstrakten Ebene der IT-Sicherheit bewegt, aber dann doch schnell an seine Grenzen kommt, wenn es um Code-relevante Sachen geht. Ich will versuchen, auch ohne tiefergehende IT-Kenntnisse, zu beschreiben, was heute vorgefallen ist und wie wir mittlerweile reagieren konnten.

Heute fiel einem Hörer (danke André für die schnelle Reaktion!) auf, dass der bei Facebook via der RSS Graffiti App gepostete Link auf diesen Beitrag gar nicht auf den Beitrag führte, sondern auf eine merkwürdige russische Domain (.ru) mit Malware-Inhalt umgeleitet wurde. Diesen Fehler konnten diverse Leute mit verschiedenen Browsern reproduzieren (vor allem Firefox und Safari diverser Versionen waren davon betroffen). Nach diversen Stunden der Suche und des Diskutierens (Achtung, der Link geht auf mein Facebook-Profil) konnten wir (vor allem die anderen) den Fehler auf das Folgende herunterbrechen (Stand heute Abend am 15.02. // und Achtung, dies ist eine Laienbeschreibung von mir):

Anscheinend ist die Website collaborativerockers.de einem Hacking-Skript der Art C99-Shell (nagelt mich nicht auf einzelne Begrifflichkeiten fest) “zum Opfer gefallen”. Dabei wurde anscheinend durch eine Sicherheitslücke im Mobile Detector Plugin für WordPress ein mit schadhaftem PHP-Code manipuliertes GIF auf den Server geladen (timthumb Avatar-Funktion von Mobile Detector?), was wiederum Vollzugriff auf alle Dateien unter collaborativerockers.de erlaubte - hier findet man den extrahierten Quellcode des schadhaften GIF’s. Durch das dadurch ermöglichte Hochladen einer mit Schadcode manipulierten PHP-Datei auf den Server in das Standard-Upload-Verzeichnis wp-content/uploads/ (das viele selbstgehostete WordPress-Installationen nutzen), erlaubte die Shell-Datei den Vollzugriff (geänderte Rechte) und die Manipulation der .htaccess. Diese modifizierte .htaccess-Datei beinhaltete dann eine Auflistung von Referern, von denen der User auf einen Link zu collaborativerockers.de klickte, aber auf die russische Domain umgeleitet wurde. Unter diesen Referern waren u.a. Facebook, Google, Bing, Ask etc. gelistet und wer z.B. bei Facebook auf den Link geklickt hat, wurde instantan nach .ru umgeleitet. Zudem wurde diese Umleitung als permanent in ein Cookie geschrieben (301 redirect), sodass alle folgenden Zugriffe direkt auf der russischen Domain landete, solange die schadhaften Dateien auf dem Server und die Cookies beim Besucher lagen und diese gecleared wurden.

UNSERE REAKTION

Wir haben mittlerweile die schadhaften PHP-Dateien entfernt, die .htaccess wieder von den Eingriffen bereinigt, das Plugin Mobile Detector entfernt, alle Passwörter geändert und die WordPress-Installation auf die aktuelle Version 3.3.1 aktualisiert und für’s erste ein Standardtheme eingestellt. Bis auf weiteres werden wir dabei bleiben und uns dann sukzessive um die Umsetzung eines neuen (und ohnehin schon lang geplanten) Designs kümmern!

HINWEIS FÜR EUCH BESUCHER

Wir würden Euch empfehlen die für die collaborativerockers.de angelegten Cookies zu löschen, damit die darin festgeschriebenen Redirects entfernt werden. Dann sollte die Seite wieder funktionieren. Wie wir leider feststellen mussten, beinhaltete die russische Domain auf die der Redirect zeigte wohl Malware (Trojaner), der sich eventuell im Hintergrund auf dem System installieren konnte. Hier ist unser Wissen noch sehr begrenzt, daher lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt schlecht sagen, was diese Schadsoftware genau tut. Eventuell beeinträchtigt sie aber das installierte Antivirenprogramm (eventuell erkennbar durch einen Prozess av1), das können wir aber noch nicht in Gänze beurteilen und melden uns, sobald wir etwas Genaueres wissen. Es schadet jedoch sicher nicht – wenn man auf der russischen Domain gelandet ist – auch einmal ein frisches Antivirenprogramm über das eigene System laufen zu lassen!

REICHWEITE UND ERKENNUNG

Aus unserer, nach dem derzeitigen Stand, vorsichtigen Einschätzung könnte der heute aufgetretene Exploit kein Einzelfall sein und selbstgehostete WordPress-Installation (evtl. ältere Versionen der Software), die mit dem Mobile Detector Plugin arbeiten, betreffen. Es gibt wohl auch ein CVE in diese Richtung. Wenn Euch etwas verdächtig vorkommt, dann schaut einmal nach diesen Anzeichen:

  • unnatürlich große .htaccess (in meinem Fall war sie ca. 2700Byte groß anstelle von 260Byte)
  • PHP-Dateien im Upload-Ordner wp-content/uploads/

Es tut uns sehr leid, dass dieser Fehler bei uns aufgetreten ist, eine ernstgemeinte Entschuldigung geht vor allem an alle Besucher dieses Blogs, die eventuell durch diesen Fehler beeinträchtigt wurden! Wir arbeiten daran noch mehr Erkenntnis zu gewinnen, diese anständig zu dokumentieren und dann hier zur Verfügung zu stellen sowie die entsprechenden Personen/Programmierer zu informieren.

Ein herzliches Danke von uns geht an AndréMarkusPeter (Bootschaft) und Andi (meinem Hoster) sowie alle stillen Helfer im Hintergrund, ohne die wir heute wirklich aufgeschmissen gewesen wären!

Wenn Euch noch etwas auffällt, wir etwas übersehen haben, sich weiterhin komische Fehler abbilden, oder irgendein wie auch immer geartetes Problem auftritt, zögert bitte nicht uns zu hier in dem Kommentaren, via Twitter oder via Mail kontakt [ät] collaborativerockers [punkt] de zu kontaktieren!

Cheers, Eurer crM

Wir haben die anderen WordPress-Installationen wie diese hier, die Transienten Sichten und die Scientists-in-Progress kontrolliert, hier sollte alles in Ordnung sein. Sollte Euch dennoch irgendeine Unregelmäßigkeit auffallen, dann lasst es mich bitte wissen – Ihr erreicht mich hier in den Kommentaren, via Twitter oder via Mail fromm [ät] mfromm.de [punkt] de. Danke!

Update (16.02.2012, 15:15 Uhr): Unser Admin des Vertrauens hat mittlerweile einen eigenen Blogpost geschrieben und das Geschehen aus seiner Sicht, und sicher technisch versierter als ich, beschrieben.

Wissenschaft im Zukunftsdialog

Die Möglichkeiten zur direkten Beteiligung an Abstimmungsprozessen (oder, seltener, an Entscheidungsprozessen) findet man mittlerweile recht häufig, auch in Deutschland. Selbst die deutsche Politik hat das Thema für sich entdeckt und es finden sich vielfältige Angebote – angefangen bei Bürgerhaushalten, über externe Angebote wie Abgeordnetenwatch.de, parteizentrierte Plattformen (z.B. Liquid Feedback der Piraten) und Youtube-Fragen an die Kanzlerin, bis hin zum neuen Zukunftsdialog der Bundesregierung. Bei nicht allen Angeboten ist immer gleich klar, welchen Sinn und Zweck dahinterstehen und ob wirklich Ergebnisse am Ende des Aufwands stehen, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Bei dem kürzlich gestarteten Dialog über Deutschlands Zukunft geht es vor allem darum die Bürger bei der Diskussion über die Zukunft Deutschlands teilhaben zu lassen und ihnen zumindest das Gefühl zu geben, sie könnten sich durch eigene Vorschläge an den Überlegungen der Bundesregierung beteiligen. Im Bundesregierungssprech klingt das dann so:

Mit dem Zukunftsdialog hat die Bundeskanzlerin eine neue Art von Beteiligung geschaffen, wie sie in Deutschland bislang noch nicht stattgefunden hat. Es geht um eine neue Kultur des Zuhörens und eine neue Form des Dialogs. Der Zukunftsdialog ist ein Experiment, das stark auf den Prozess des gemeinsamen Arbeitens und Diskutierens setzt, Fehler bewusst zulässt und vor allem eines im Blick hat: das Hinzulernen. Konsenspapiere und klassische Kommissionsberichte sind nicht vorgesehen.

Auch bei diesem Experiment werden wir sehen, wohin die Sache führt, denn bisher sind sowohl die eingereichten Vorschläge, als auch die Bewertungen der Vorschläge zahlenmäßig noch verhalten, wenn auch nicht desillusionierend wenig (derzeit gibt es in den 3 Themenfeldern knapp unter 2900 Vorschläge). Davon aber einmal abgesehen, möchte ich an dieser Stelle besonders auf zwei Vorschläge im Wissenschaftskontext hinweisen und darum bitten diese zu unterstützen:

ScienceBlogger Christian Reinboth hat bereits sehr früh Vorschläge eingebracht und fordert:

Ihr könnt diese Vorschläge unterstützen, leider nur indem Ihr Eure Stimme dafür abgebt oder/und kommentiert. Bisher haben die Vorschläge übrigens 1405 und 814 Stimmen. Zu letzterem Vorschlag und der Arbeitssituation der Nachwuchswissenschaftler kann ich übrigens die kürzlich erschienenen Text von Florian Freistetter und Markus Dahlem empfehlen.

Parallel zum Bürgerdialog findet übrigens bereits seit 2011 ein Expertendialog statt, der gemeinsam mit dem Bürgerdialog in konkrete Vorschläge zusammenfließen soll.

Quelle: Screenshot

Twissenschaftler und Tworschungseinrichtungen

Marc Scheloske (Twitter) macht sich ja bereits seit einiger Zeit (November 2011) die Mühe und führt eine Twitterstudie (zur wissenschaftlichen Nutzung von Twitter) durch. Jetzt kann man argumentieren, dass auf Twitter eher weniger wissenschaftliche Diskurse und mehr wissenschaftspolitische oder wissenschaftspublizistische* Diskurse geführt werden, worauf aber auch Marc hingewiesen hat:

Um eine Sache klarzustellen: Ich bin mir keineswegs sicher, ob auf Twitter wirklich nennenswerte wissenschaftsbezogene Diskurse stattfinden. Gut möglich, daß fast alles, was von Wissenschaftlern oder Wissenschaftsjournalisten über Twitter verbreitet wird, aus wissenschaftlicher Perspektive irrelevant ist. Aber sicher bin ich mir eben nicht. Und genau deswegen untersuche ich die wissenschaftliche Twitternutzung innerhalb einer kleinen Studie.

Wie dem auch sei, mittlerweile hat Marc eine ganze Reihe an Daten gesammelt und einen aktuellen Stand veröffentlicht. Es gibt derzeit die Einteilung in

Sehr schöne Übersicht. Herzlichen Dank an Marc für den betriebenen Aufwand! Wir dürfen gespannt sein, was aus der Twitterstudie noch für Ergebnisse “herausfallen”.

Mir fällt bei dem Thema übrigens noch ein Artikel aus dem Jahr 2009 ein, in dem Andrew Maynard den “Science Influence on Twitter” beleuchtete.

Update: Mittlerweile ist auch die Liste der twitternden Wissenschaftsmedien, Vereinen und Verbänden erschienen.

* Nur ein kleiner Hinweis: hierunter würde ich sowohl die Wissenschaftskommunikation, als auch das “harte” publizistische Themenfeld (z.B. mit Open Access) verstehen.

Shakehands, aber keine Kratzspuren am Prüfstein

Wie sich ja recht eindeutig aus meinen Tweets in der letzten Woche erkennen lassen konnte, war ich von Dienstag bis Donnerstag beim Forum Wissenschaftskommunikation des WiD in Köln zugegen. Das Forum hatte sich unter dem Titel “Zwischen den Stühlen: Wissenschaftskommunikation im Spannungsfeld von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft” vorgenommen, der Frage nachzugehen “…in welchen Spannungsfeldern Wissenschaftskommunikation stattfindet, wie sie von verschiedenen Gruppen beeinflusst wird und wie die Wissenschaftskommunikatoren dieser Situation begegnen.”

Es wurde von den Teilnehmern des Forums – darunter Wissenschaftsjournalisten, Presse-Referenten, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit in Wissenschaftsorganisationen, Hochschulen und Messen, aber auch Wissenschaftler - sogar versucht in Plenarvorträgen, Sessions und Diskussionen Antworten auf diese Frage zu geben. Die Qualität bzw. die Art und Weise dieser Antworten war für mich persönlich aber großteils erschreckend. Denn mein persönlicher Eindruck war, nachdem ich das Forum 2010 ausgelassen hatte, dass nach wie vor über dieselben Dinge in der selben Art und Weise diskutiert wurde. Ich will gar nicht allzu sehr ins Detail der einzelnen Vorträge gehen, vieles wurde auch schon bei Kollegen geschrieben, einige Punkte will ich aber doch kurz festhalten.

Es war erschreckend zu sehen, dass für viele Wissenschaftskommunikatoren das Web 2.0 in all seinen Ausprägungen (twitternde Wissenschaftler, twitternde Kommunikatoren, Wissenschaftsblogs, Wissenschaftsorganisationen bei Facebook, u.v.m.) noch immer Neuland, zumindest aber noch eine Randerscheinung ist. An der Stelle fiel mir vermehrt auf, dass an nicht wenigen Stellen noch immer die Mär vom gravierenden Unterschied zwischen Digital Natives, Digital Residents und Digital Visitors gesprochen wird. Das allerdings ist für mich unbegreiflich und sorry, aber es klingt leider wie eine Entschuldigung dafür sich nicht tiefergehend mit den (nun wahrlich nicht mehr neuen) “Neuen Medien” zu beschäftigen. Es ist für mich ein Rätsel, wie die Kommunikation im Web 2.0 noch immer als eine Art „Kür der Wissenschaftskommunikation“ verstanden und auch so vertreten wird. Es fällt mir schwer zu glauben, dass sich professionelle Kommunikatoren noch immer hinter dem Ammenmärchen um die Digital Natives verstecken. An dieser Stelle kann ich nur eines verdeutlichen: liebe Kommunikationsprofis, es ist Zeit aufzuwachen! Das Web 2.0 wird nicht mehr weggehen, wenngleich es vielleicht auch nicht immer in den jetzt existenten Formen da sein wird. Und mal ehrlich: ist es nicht unsere Aufgabe als Kommunikationsprofis genau die vermeintlichen Unterschiede zwischen Digital Natives/Residents/Visitors zu überwinden???

Sicher, an dieser Stelle muss man sich immer auch die Frage stellen, ob man den Dialog überhaupt möchte, wie man ihn abbilden kann, wie man den Aufwand betreiben kann und welchen Wert das ganze für die jeweilige Organisation hat (zumindest abseits solcher “weichen” Werte wie Image, Nachwuchsansprache, etc.). Klar, diese Fragen sind großteils noch unbeantwortet, zumindest wenn man die Fragen mehr als nur durch das eigene Bauchgefühl beantwortet wissen will. Gerade dann verstehe ich aber nicht, warum wir uns seit dem ersten Forum vor einigen Jahren jedes Jahr auf’s Neue diese Fragen stellen ohne sie je so richtig zu beantworten? Ich glaube die prägendste, oder zumindest die deutlichste und ehrlichste Einschätzung dazu habe ich von Thomas Gazlig gehört, der klarstellte, dass wir aufhören müssen stets neue Konzepte auf den Tisch zu legen und über (dann doch nicht umgesetzte) Ideen zu diskutieren, sondern dass wir die bestehenden Konzepte und Ideen auf den Prüfstein stellen müssen. Da kann ich ihm nur beipflichten, denn nur im Abrieb durch die reale Umsetzung wird sich zeigen, welche Konzepte tauglich sind und welche Ideen weiter formbar. Ja, ich bin mir bewusst, dass genau das der schwierigste Schritt im Prozess einer modernen Wissenschaftskommunikation ist. Sicher sind die Hürden sehr hoch in der schwierigen Argumentation gegenüber den Verantwortlichen in den Organisationen hinsichtlich der Fragen zur Überprüfbarkeit der Ergebnisse und der Umsetzung des enormen Aufwands. Und dass auch die Argumentation gegenüber vieler Wissenschaftler einiges an Aufwand bedeuten könnte, haben wir u.a. an den Vorträgen von Prof. Ferdi Schüth und Dr. Kathrin Rübberdt gesehen, die beide eher sehr zurückhaltend (um nicht zu sagen konservativ) davon sprachen, was sich Wissenschaftler in der Wissenschaftskommunikation erhoffen würden und was man Wissenschaftlern im Kommunikationsprozess zumuten dürfte. Eine sehr treffende Aussage brachte Schüth, der meinte, dass man nach Watzlawik zwar nicht nicht kommunizieren könnte, dass Wissenschaftler dies aber durchaus manchmal versuchen würden. Aber auch hier beklagen wir uns schon viel zu lange darüber wie schwierig die Umsetzung und die Rechtfertigung sei, anstelle es Schritt für Schritt zu versuchen. Die Wissenschaftskommunikation hadert m.E. in den eigenen Prozessen mit einem der essentiellen Untersuchungsmethoden der Wissenschaft selbst – dem Experiment! Wo ist der Mut bei so vielen, einfach mal etwas auszuprobieren? Wo ist der Mut zu Scheitern, durch dieses Scheitern einem Erfolg aber wenigstens schrittweise näher zu kommen? Und wer sagt überhaupt, dass man Scheitern wird? Wo ist der Spaß???

Wir sind natürlich noch einige große Schritte davon entfernt effektive Kommunikationsprozess für das Web 2.0 entwickelt zu haben, die a) funktioniere, b) den Aufwand für alle erträglich halten und c) dann auch noch übertragbar sind und als Best Practice für eine „breitere Masse“ an Wissenschaftskommunikatoren adaptierbar sind. Ich frage mich allerdings, warum wir seit vielen Jahren dieselben Vorträge über Wissenschaftskommunikation (meist in der Ausprägung von „Kommunikation mit den Medien über Wissenschaft“) und ihre Eigenschaften (die meist grundlegende journalistische Eigenschaften à la Authentizität, Wahrhaftigkeit, etc. sind und damit von allen gekannt werden sollten) hören, anstelle sinnvolle Ideen zu diskutieren wie man interne Prozesse in Wissenschaftsorganisationen so entwickelt, dass sie sowohl dem Wissenschaftskommunikator, als auch dem Wissenschaftler in seinen Ansprüchen gerecht werden?

Und so verwundert es mich auch nicht, dass Michael Sonnabend (der ja auch als Mitglied der Programmkommission fungierte) in seinem Fazit zum Forum darüber nachdenkt, wie man das Format des Forums verändern und verbessern kann, um ein paar gehaltvolle Antworten auf die gestellten und schon so oft diskutierten Fragen zu erhalten. Ich selbst bin mir nicht sicher wie man den Schritt in diese Richtung innerhalb der Veranstaltungsreihe anstoßen könnte. Vielleicht muss man sich, wie es Michael ja auch formuliert, noch mehr vom Frontalvortrag verabschieden. Vielleicht muss man weniger CfP’s bedienen, als vielmehr Geschichten aus der Praxis heranzuziehen? Vielleicht muss man aber auch kleinere Teile des großen Oberthemas Wissenschaftskommunikation einzeln betrachten, z.B. „interne Kommunikationsprozesse als ‘Enabler’ einer Wissenschaftskommunikation nach Außen“, oder so. Vielleicht muss man aber auch am Format etwas drehen – ein Schritt in Richtung Barcamp wäre sicher für das Format etwas zu radikal, aber etwas kommunikativeres als Frontalunterricht mit wenigen anschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum dürfte es schon sein. Es wäre schön, wenn vom Forum nicht mehr nur Problembeschreibungen kommen würden, sondern Lösungsansätze. Impulse!

Übrigens habe ich natürlich nicht alle Vorträge und Sessions besuchen können, daher zeichnet sich mein Bild natürlich ausschließlich über meinen persönlichen Eindruck aus den von mir besuchten Veranstaltungspunkten und der Timeline auf Twitter, die unter dem Hashtag #fwk11 eine durchaus amüsante, aber auch kritische Kurzberichterstattung und Diskussion bereithielt. Kollege Henning Krause (@henningkrause) hat übrigens eine Twitterliste zu den (twitternden) Teilnehmern des Forums angelegt.

Abschließend möchte ich den Kolleginnen und Kollegen vom WiD noch einmal für die Organisation danken, die einen guten Job gemacht haben. Für die nächsten Jahre hoffe ich, dass sie das Format noch einmal etwas anspitzen können und aus dem Klassentreffen für Wissenschaftskommunikatoren wieder eine wegweisende Veranstaltung für die Wissenschaftskommunikation machen können!

Update (14.12.): Mittlerweile hat sich an mehreren Stellen eine spannende Diskussion zu vielerlei Aspekten entsponnen. In den Kommentaren zum Blogpost von Christoph (@erklaerfix) disktutierte man eifrig die Frage was eigentlich Wissenschaftskommunikatoren sind und wer sich denn wohl dazu zählen dürfte. Im Blog von Michael Sonnabend und in einem Facebook-Thread von Alex Gerber (Achtung, Link geht zu Facebook) geht es vor allem um die Ausrichtung des Forums im nächsten Jahr. Wenn wir diese Diskussionen forcieren und ins nächste Jahr transportieren können, haben wir etwas wirklich Großes gewonnen!

Reden lernt man durch reden

Deutsch by Cuito Cuanavale

Deutsch (© by Cuito Cuanavale)

In diesem Blog diskutiere ich ja vor allem Themen rund um die Wissenschaftskommunikation. Jaja, ich weiß, der Veröffentlichungsrythmus könnte besser sein! ;-) Vor meinem eigene Hintergrund des jahrelangen Studiums der Englischen Philologie, und besonders der Englischen Linguistik (meiner Spezialisierung innerhalb der Engl. Phil.), möchte ich aber heute einen kurzen, expliziten Hinweis auf eine Podcast-Folge des Podcasts WRINT von Holger Klein (@holgi) geben.

In der kürzlich veröffentlichten Folge 27 von WRINT hatte Holger den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch virtuell zu Gast und die beiden mäanderten rund um das Thema Sprache. Anatol ist nicht nur Professor für Englische Linguistik an der Uni Hamburg, sondern auch Sprachblogger und damit wohl überaus qualifiziert für dieses Thema. Im Verlauf des Gesprächs kommen Holger und Anatol auch auf die Petition von Anatol zu sprechen, die vom ihm als “Gegenentwurf” zur Petition des Vereins Deutscher Sprache e.V. für die Aufnahme von Deutsch als Landessprache ins Grundgesetz initiiert wurde. Diese Petitionen kamen am 07. November gemeinsam zu einer ersten Verhandlung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, die erste Reaktion seitens des Petitionsausschusses ist aber eher verhalten – man steht der Aufnahme von Deutsch als Landessprache in das Grundgesetz eher skeptisch gegenüber. Die Argumentation vor dem Ausschuss ist aber durchaus sehenswert, sie ist in der Mediathek des Parlamentsfernsehens abrufbar.

Einen kleinen Wermutstropfen für mich, aber eine sehr gute Nachricht für alle Studenten der Linguistik an der FU Berlin erfährt man dann noch am Ende von WR027, denn wie es aussieht, wechselt Anatol an die FU Berlin.

Abschließend möchte ich noch die Blog-Tipps aufgreifen, die ich selbst auch lese. Sprach- und besonders auch Linguistikinteressierte werden fündig und gut unterhalten bei: */ˈdɪːkæf/ von Susanne Flach, [ʃplɔk] von Kristin Kopf und natürlich dem Sprachlog von Anatol Stefanowitsch. Einen Blick lohnt übrigens auch immer Neusprech.org von Martin Haase und Kai Biermann.

Bildnachweis: Deutsch by Cuito Cuanavale on Flickr.com.

Es betritt die Bühne: Explorism!

Es hat lang gedauert und es wird sicher noch einmal etwas Zeit benötigen bis sich das Format und das Drumherum eingespielt haben, ABER: heute ist die erste Folge meines neuen Podcasts Explorism erschienen. Zu Gast hatte ich Oliver Tacke, vielen sicher nicht nur bekannt als Twitterer und Blogger, sondern auch als öffentlicher Wissenschaftler am Lehrstuhl für Organisation und Führung der Technischen Universität Braunschweig. Wir sprachen über seine Person, seinen Werdegang in die Wissenschaft, sein Kernthema “Lernen durch Lehren” und die Öffentliche Wissenschaft.

Anhören kann man sich das Ganze im Blog zum Podcast http://www.scientists-in-progress.org/.

Folgen kann man außerdem auf der Facebook-Fanpage oder via Twitter unter @Explorism.

Mir bleibt also nur noch viel Spaß zu wünschen!

Leseempfehlung zum Umgang zwischen Journalismus und PR

Ich lese Michael Sonnabend schon eine ganze Weile, folge seinen Aktivitäten auf vielen Kanälen, konnte ihn bereits kurz treffen und schätze seine Meinung sehr. Darüber hinaus halte ich ihn für einen sehr guten Schreiber und möchte hier deswegen auf seinen kürzlich veröffentlichten Text “Schmeißt Eure Pressemitteilungen weg!” verweisen, den ich für absolut lesenswert halte und dessen Kernaussage ich in den meisten Fällen sofort unterschreiben würde:

…Wo der ausgelaugte Medien-Mainstream herrscht, ist selbst für gute PR kaum noch Platz. Bald muss man sich als PR-Verantwortlicher fragen, ob es überhaupt so attraktiv ist, gute Themen immer schlechter werdenden Medien anzudienen. Ein gutes Thema in einem schlechten Medium entwertet vor allem das Thema…

Guter PR muss es heutzutage gelingen, jene besondere Sprache zu sprechen, deren Verlust man bei den Medien so beklagt. Wenn sich die Medien nicht trauen, Ecken und Kanten zu haben, so muss die PR den Mut haben, neue und eigene Wege zu gehen…

Schmeißt Eure Pressemitteilungen weg. Geht Euren eigenen Weg. Dann werden sie Euch folgen.

Eine extrem wichtige Voraussetzung für das Gehen eigener Wege, das Beschreiten von noch nicht ausgetretenen Pfaden und der Findung neuer medialer und vor allem inhaltlicher Formate für (Wissenschafts-)Kommunikation dürfte dann also neben der Einstellung der PR-Profis vor allem der Mut und eine gewissen Risikobereitschaft der obersten Entscheider sein. An innovativen Ideen mangelt es aus meiner Sicht selten – wenn sie auch nicht immer in den Führungsetagen zu finden sind, sondern ein wenig weiter die Hierarchieleiter hinunter!

OT: Podcasting – wir mäandern schon eine Weile

Podcasting hat sich, wie ich an vielen Stellen ja schon erwähnte, zu einer Leidenschaft von mir entwickelt – massiv beim Hören, als auch immer mehr beim selber Podcasten. Heute ist die aktuellste Folge des kleinen Podcastprojekts, das ich mit Christian zusammen betreibe, online gegangen. Unter Collaborativerockers.de sind wir mittlerweile bei Folge 13 angelangt und haben einen wilden Ritt durch alle möglichen Themen hinter uns. Wir haben uns inzwischen eingespielt, auch wenn das Lernen nie aufhört und das Basteln am Audio-Setup sowieso nie. Es ist also noch viel Luft nach oben. ;-)

Collaborativerockers - Der Podcast

Dennoch sind die Collaborativerockers mittlerweile in einem Zustand, in dem ich frohen Mutes darauf verweisen kann. Es gibt sogar einige Folgen, die ich besonders empfehlen kann und hier tun möchte:

Soviel zur schamlosen Eigenwerbung. Jetzt gilt es weiter zu arbeiten und auch das zweite Podcast-Projekt auf den Weg zu bringen.

Gehabt Euch…wohl, im besten Fall!

P.S.: besagter Hinnerk aus Folge XII hat übrigens gerade ein mittelschweres Problem und könnte ein wenig Unterstützung gebrauchen.

Update: drüben bei Facebook kam übrigens von Christian (crK) der berechtigte Kommentar, dass sich auch die ein oder andere themenlose Folge ja nicht verstecken muss. Richtig so! ;-)