Kollektive Intelligenz mit System

Dass die intelligente Masse Schöpfungsbecken für so manche Idee (und später Innovation) ist,  ist weder ein Geheimnis, noch eine Neuigkeit. Bei meinen Recherchen bin ich jedoch kürzlich auf eine aktuelle Arbeit dreier Forscher des Center for Collective Intelligence am Massachusetts Institute of Technology (MIT) gestoßen, die versucht haben einen systematisierten Ansatz zur Nutzung der „Crowd“ zu beschreiben. Dieser soll Entscheidern vor allem die Möglichkeit geben sich methodisch dem Nutzen einzelner Beteiligungsarten zu nähern und fundierte Entscheidungen zu treffen, anstatt nur Beispiele zu betrachten auf Inspiration zu hoffen.

Thomas W. Malone, Robert Laubacher, und Chrysanthos Dellarocas bedienen sich dazu in ihrem im Februar erschienenen Working Paper No. 2009-001 einer biologischen Analogie. Sie setzen die funktionalen Beteiligungsmuster kollektiver Plattformen (Who, Why, What, How) Genen gleich, die die Ausprägung – also die Art und Nutzweise – der Beteiligung bestimmen.

Für die Klassifizierung der Bausteine bedienen sich die Forscher zweier Fragenpaare:

Who is performing the task? Why are they doing it?

What is being accomplished? How is it being done?

Durch die Beantwortung dieser Fragen (auf ca. 250 Beispielplattformen im Web bezogen) und die Klassifizierung der Ergebnisse erhalten sie ein vierdimensionales Bezugssystem, ähnlich dem aus dem Organisationsdesign bekannten.

MIT_CCI_framework
Quelle: Malone, Thomas W., Laubacher, Robert and Dellarocas, Chrysanthos N.,Harnessing. Crowds: Mapping the Genome of Collective Intelligence (February 3, 2009). MIT Sloan Research Paper No. 4732-09. Available at SSRN: http://ssrn.com/abstract=1381502

Innerhalb dieses Bezugssystems verorten die Forscher nun die einzelnen Beteiligungsarten, wie im Folgenden kurz zusammengefasst.

Who?

  • Hierarchy: Zuweisung einzelner Arbeitsaufgaben durch eine Autorität an eine bestimmte Person oder Gruppe (Bsp: Linux in der Entscheidung welche eingereichten Module in den nächsten Release der Software integriert werden)
  • Crowd: einzelne Arbeitsaufgaben werden in großen Gruppen nicht verteilt, stattdessen wählen Mitglieder aus der Gruppe selbstständig Aufgaben (Bsp: die Einreichung einzelner Module bei Linux)

Why?

  • Money: Aussicht auf finanziellen Profit
  • Love: intrinsische Motive des Vergnügens der Beteiligung, der Sozialisierung mit anderen oder der Beteiligung an etwas Größerem als sie selbst
  • Glory: Anerkennung (ein Faktor der bei kollektiven Plattformen erheblich an Bedeutung gewinnt, im Gegensatz zu seiner eher geringen Bedeutung in  klassischen Organisationsgefügen)

What?

  • Create: Beteiligte erschaffen etwas Neues
  • Decide: Beteiligte evaluieren und selektieren Alternativen

How – create?

  • Collection: Elemente werden von Mitgliedern der Crowd unabhängig voneinander geschaffen
  • Collaboration: Mitglieder der Crowd arbeiten zusammen, zwischen Beiträgen existieren Abhängigkeiten

How – decide?

  • Group Decisions: der Input aus der Masse wird aggregiert um eine Entscheidung zu treffen, die für die gesamte Gruppe gilt (Methoden sind hier das Voting, Konsensbildung, Durchschnittsbildung und Bildung eines Prognosemarktes)
  • Individual Decisions: Mitglieder der Crowd treffen einzelne Entscheidungen (Variationen sind hier Märkte [ebay, etc.] und Soziale Netzwerke [Blogs, Epinions.com, YouTube etc.]

Durch die Kombination der einzelnen Gene erhält man das Genom der kollektiven Plattform, ein vollständige Beschreibung der Funktionalitäten und damit des Nutzens der jeweiligen Plattform. Die Forscher erarbeiten darüber hinaus Voraussetzungen unter denen die einzelnen Gene nutzbringend sind.

Conditions for when collective intelligence genes are useful
Quelle: Malone, Thomas W., Laubacher, Robert and Dellarocas, Chrysanthos N.,Harnessing. Crowds: Mapping the Genome of Collective Intelligence (February 3, 2009). MIT Sloan Research Paper No. 4732-09.

Zusammenfassend konstatieren die Autoren:

“With this framework, managers can do more than just look at examples and hope for inspiration. Instead, for each key activity to be performed, they can systematically consider many possible combinations of answers to questions about Who, Why, What, and How.”

Dank der vielen Beispiele lohnt sich ein Blick in die Arbeit, die einen guten nutzenorientierten Ansatz für die verschiedenen Kollaborationsarten und Beteiligungsmuster bietet.

Veröffentlicht von Matthias

Born '81. Berlin-based. Science Fan | Open Science Enthusiast | Podcaster Science Communication & -PR | Education & E-Learning | Rock'n'Roll | Metal | Sailing | Podcasting Jack of all trades, master of none.

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