Shakehands, aber keine Kratzspuren am Prüfstein

Wie sich ja recht eindeutig aus meinen Tweets in der letzten Woche erkennen lassen konnte, war ich von Dienstag bis Donnerstag beim Forum Wissenschaftskommunikation des WiD in Köln zugegen. Das Forum hatte sich unter dem Titel “Zwischen den Stühlen: Wissenschaftskommunikation im Spannungsfeld von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft” vorgenommen, der Frage nachzugehen “…in welchen Spannungsfeldern Wissenschaftskommunikation stattfindet, wie sie von verschiedenen Gruppen beeinflusst wird und wie die Wissenschaftskommunikatoren dieser Situation begegnen.”

Es wurde von den Teilnehmern des Forums – darunter Wissenschaftsjournalisten, Presse-Referenten, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit in Wissenschaftsorganisationen, Hochschulen und Messen, aber auch Wissenschaftler - sogar versucht in Plenarvorträgen, Sessions und Diskussionen Antworten auf diese Frage zu geben. Die Qualität bzw. die Art und Weise dieser Antworten war für mich persönlich aber großteils erschreckend. Denn mein persönlicher Eindruck war, nachdem ich das Forum 2010 ausgelassen hatte, dass nach wie vor über dieselben Dinge in der selben Art und Weise diskutiert wurde. Ich will gar nicht allzu sehr ins Detail der einzelnen Vorträge gehen, vieles wurde auch schon bei Kollegen geschrieben, einige Punkte will ich aber doch kurz festhalten.

Es war erschreckend zu sehen, dass für viele Wissenschaftskommunikatoren das Web 2.0 in all seinen Ausprägungen (twitternde Wissenschaftler, twitternde Kommunikatoren, Wissenschaftsblogs, Wissenschaftsorganisationen bei Facebook, u.v.m.) noch immer Neuland, zumindest aber noch eine Randerscheinung ist. An der Stelle fiel mir vermehrt auf, dass an nicht wenigen Stellen noch immer die Mär vom gravierenden Unterschied zwischen Digital Natives, Digital Residents und Digital Visitors gesprochen wird. Das allerdings ist für mich unbegreiflich und sorry, aber es klingt leider wie eine Entschuldigung dafür sich nicht tiefergehend mit den (nun wahrlich nicht mehr neuen) “Neuen Medien” zu beschäftigen. Es ist für mich ein Rätsel, wie die Kommunikation im Web 2.0 noch immer als eine Art „Kür der Wissenschaftskommunikation“ verstanden und auch so vertreten wird. Es fällt mir schwer zu glauben, dass sich professionelle Kommunikatoren noch immer hinter dem Ammenmärchen um die Digital Natives verstecken. An dieser Stelle kann ich nur eines verdeutlichen: liebe Kommunikationsprofis, es ist Zeit aufzuwachen! Das Web 2.0 wird nicht mehr weggehen, wenngleich es vielleicht auch nicht immer in den jetzt existenten Formen da sein wird. Und mal ehrlich: ist es nicht unsere Aufgabe als Kommunikationsprofis genau die vermeintlichen Unterschiede zwischen Digital Natives/Residents/Visitors zu überwinden???

Sicher, an dieser Stelle muss man sich immer auch die Frage stellen, ob man den Dialog überhaupt möchte, wie man ihn abbilden kann, wie man den Aufwand betreiben kann und welchen Wert das ganze für die jeweilige Organisation hat (zumindest abseits solcher “weichen” Werte wie Image, Nachwuchsansprache, etc.). Klar, diese Fragen sind großteils noch unbeantwortet, zumindest wenn man die Fragen mehr als nur durch das eigene Bauchgefühl beantwortet wissen will. Gerade dann verstehe ich aber nicht, warum wir uns seit dem ersten Forum vor einigen Jahren jedes Jahr auf’s Neue diese Fragen stellen ohne sie je so richtig zu beantworten? Ich glaube die prägendste, oder zumindest die deutlichste und ehrlichste Einschätzung dazu habe ich von Thomas Gazlig gehört, der klarstellte, dass wir aufhören müssen stets neue Konzepte auf den Tisch zu legen und über (dann doch nicht umgesetzte) Ideen zu diskutieren, sondern dass wir die bestehenden Konzepte und Ideen auf den Prüfstein stellen müssen. Da kann ich ihm nur beipflichten, denn nur im Abrieb durch die reale Umsetzung wird sich zeigen, welche Konzepte tauglich sind und welche Ideen weiter formbar. Ja, ich bin mir bewusst, dass genau das der schwierigste Schritt im Prozess einer modernen Wissenschaftskommunikation ist. Sicher sind die Hürden sehr hoch in der schwierigen Argumentation gegenüber den Verantwortlichen in den Organisationen hinsichtlich der Fragen zur Überprüfbarkeit der Ergebnisse und der Umsetzung des enormen Aufwands. Und dass auch die Argumentation gegenüber vieler Wissenschaftler einiges an Aufwand bedeuten könnte, haben wir u.a. an den Vorträgen von Prof. Ferdi Schüth und Dr. Kathrin Rübberdt gesehen, die beide eher sehr zurückhaltend (um nicht zu sagen konservativ) davon sprachen, was sich Wissenschaftler in der Wissenschaftskommunikation erhoffen würden und was man Wissenschaftlern im Kommunikationsprozess zumuten dürfte. Eine sehr treffende Aussage brachte Schüth, der meinte, dass man nach Watzlawik zwar nicht nicht kommunizieren könnte, dass Wissenschaftler dies aber durchaus manchmal versuchen würden. Aber auch hier beklagen wir uns schon viel zu lange darüber wie schwierig die Umsetzung und die Rechtfertigung sei, anstelle es Schritt für Schritt zu versuchen. Die Wissenschaftskommunikation hadert m.E. in den eigenen Prozessen mit einem der essentiellen Untersuchungsmethoden der Wissenschaft selbst – dem Experiment! Wo ist der Mut bei so vielen, einfach mal etwas auszuprobieren? Wo ist der Mut zu Scheitern, durch dieses Scheitern einem Erfolg aber wenigstens schrittweise näher zu kommen? Und wer sagt überhaupt, dass man Scheitern wird? Wo ist der Spaß???

Wir sind natürlich noch einige große Schritte davon entfernt effektive Kommunikationsprozess für das Web 2.0 entwickelt zu haben, die a) funktioniere, b) den Aufwand für alle erträglich halten und c) dann auch noch übertragbar sind und als Best Practice für eine „breitere Masse“ an Wissenschaftskommunikatoren adaptierbar sind. Ich frage mich allerdings, warum wir seit vielen Jahren dieselben Vorträge über Wissenschaftskommunikation (meist in der Ausprägung von „Kommunikation mit den Medien über Wissenschaft“) und ihre Eigenschaften (die meist grundlegende journalistische Eigenschaften à la Authentizität, Wahrhaftigkeit, etc. sind und damit von allen gekannt werden sollten) hören, anstelle sinnvolle Ideen zu diskutieren wie man interne Prozesse in Wissenschaftsorganisationen so entwickelt, dass sie sowohl dem Wissenschaftskommunikator, als auch dem Wissenschaftler in seinen Ansprüchen gerecht werden?

Und so verwundert es mich auch nicht, dass Michael Sonnabend (der ja auch als Mitglied der Programmkommission fungierte) in seinem Fazit zum Forum darüber nachdenkt, wie man das Format des Forums verändern und verbessern kann, um ein paar gehaltvolle Antworten auf die gestellten und schon so oft diskutierten Fragen zu erhalten. Ich selbst bin mir nicht sicher wie man den Schritt in diese Richtung innerhalb der Veranstaltungsreihe anstoßen könnte. Vielleicht muss man sich, wie es Michael ja auch formuliert, noch mehr vom Frontalvortrag verabschieden. Vielleicht muss man weniger CfP’s bedienen, als vielmehr Geschichten aus der Praxis heranzuziehen? Vielleicht muss man aber auch kleinere Teile des großen Oberthemas Wissenschaftskommunikation einzeln betrachten, z.B. „interne Kommunikationsprozesse als ‘Enabler’ einer Wissenschaftskommunikation nach Außen“, oder so. Vielleicht muss man aber auch am Format etwas drehen – ein Schritt in Richtung Barcamp wäre sicher für das Format etwas zu radikal, aber etwas kommunikativeres als Frontalunterricht mit wenigen anschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum dürfte es schon sein. Es wäre schön, wenn vom Forum nicht mehr nur Problembeschreibungen kommen würden, sondern Lösungsansätze. Impulse!

Übrigens habe ich natürlich nicht alle Vorträge und Sessions besuchen können, daher zeichnet sich mein Bild natürlich ausschließlich über meinen persönlichen Eindruck aus den von mir besuchten Veranstaltungspunkten und der Timeline auf Twitter, die unter dem Hashtag #fwk11 eine durchaus amüsante, aber auch kritische Kurzberichterstattung und Diskussion bereithielt. Kollege Henning Krause (@henningkrause) hat übrigens eine Twitterliste zu den (twitternden) Teilnehmern des Forums angelegt.

Abschließend möchte ich den Kolleginnen und Kollegen vom WiD noch einmal für die Organisation danken, die einen guten Job gemacht haben. Für die nächsten Jahre hoffe ich, dass sie das Format noch einmal etwas anspitzen können und aus dem Klassentreffen für Wissenschaftskommunikatoren wieder eine wegweisende Veranstaltung für die Wissenschaftskommunikation machen können!

Update (14.12.): Mittlerweile hat sich an mehreren Stellen eine spannende Diskussion zu vielerlei Aspekten entsponnen. In den Kommentaren zum Blogpost von Christoph (@erklaerfix) disktutierte man eifrig die Frage was eigentlich Wissenschaftskommunikatoren sind und wer sich denn wohl dazu zählen dürfte. Im Blog von Michael Sonnabend und in einem Facebook-Thread von Alex Gerber (Achtung, Link geht zu Facebook) geht es vor allem um die Ausrichtung des Forums im nächsten Jahr. Wenn wir diese Diskussionen forcieren und ins nächste Jahr transportieren können, haben wir etwas wirklich Großes gewonnen!

Reden lernt man durch reden

Deutsch by Cuito Cuanavale

Deutsch (© by Cuito Cuanavale)

In diesem Blog diskutiere ich ja vor allem Themen rund um die Wissenschaftskommunikation. Jaja, ich weiß, der Veröffentlichungsrythmus könnte besser sein! ;-) Vor meinem eigene Hintergrund des jahrelangen Studiums der Englischen Philologie, und besonders der Englischen Linguistik (meiner Spezialisierung innerhalb der Engl. Phil.), möchte ich aber heute einen kurzen, expliziten Hinweis auf eine Podcast-Folge des Podcasts WRINT von Holger Klein (@holgi) geben.

In der kürzlich veröffentlichten Folge 27 von WRINT hatte Holger den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch virtuell zu Gast und die beiden mäanderten rund um das Thema Sprache. Anatol ist nicht nur Professor für Englische Linguistik an der Uni Hamburg, sondern auch Sprachblogger und damit wohl überaus qualifiziert für dieses Thema. Im Verlauf des Gesprächs kommen Holger und Anatol auch auf die Petition von Anatol zu sprechen, die vom ihm als “Gegenentwurf” zur Petition des Vereins Deutscher Sprache e.V. für die Aufnahme von Deutsch als Landessprache ins Grundgesetz initiiert wurde. Diese Petitionen kamen am 07. November gemeinsam zu einer ersten Verhandlung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, die erste Reaktion seitens des Petitionsausschusses ist aber eher verhalten – man steht der Aufnahme von Deutsch als Landessprache in das Grundgesetz eher skeptisch gegenüber. Die Argumentation vor dem Ausschuss ist aber durchaus sehenswert, sie ist in der Mediathek des Parlamentsfernsehens abrufbar.

Einen kleinen Wermutstropfen für mich, aber eine sehr gute Nachricht für alle Studenten der Linguistik an der FU Berlin erfährt man dann noch am Ende von WR027, denn wie es aussieht, wechselt Anatol an die FU Berlin.

Abschließend möchte ich noch die Blog-Tipps aufgreifen, die ich selbst auch lese. Sprach- und besonders auch Linguistikinteressierte werden fündig und gut unterhalten bei: */ˈdɪːkæf/ von Susanne Flach, [ʃplɔk] von Kristin Kopf und natürlich dem Sprachlog von Anatol Stefanowitsch. Einen Blick lohnt übrigens auch immer Neusprech.org von Martin Haase und Kai Biermann.

Bildnachweis: Deutsch by Cuito Cuanavale on Flickr.com.

Es betritt die Bühne: Explorism!

Es hat lang gedauert und es wird sicher noch einmal etwas Zeit benötigen bis sich das Format und das Drumherum eingespielt haben, ABER: heute ist die erste Folge meines neuen Podcasts Explorism erschienen. Zu Gast hatte ich Oliver Tacke, vielen sicher nicht nur bekannt als Twitterer und Blogger, sondern auch als öffentlicher Wissenschaftler am Lehrstuhl für Organisation und Führung der Technischen Universität Braunschweig. Wir sprachen über seine Person, seinen Werdegang in die Wissenschaft, sein Kernthema “Lernen durch Lehren” und die Öffentliche Wissenschaft.

Anhören kann man sich das Ganze im Blog zum Podcast http://www.scientists-in-progress.org/.

Folgen kann man außerdem auf der Facebook-Fanpage oder via Twitter unter @Explorism.

Mir bleibt also nur noch viel Spaß zu wünschen!

Leseempfehlung zum Umgang zwischen Journalismus und PR

Ich lese Michael Sonnabend schon eine ganze Weile, folge seinen Aktivitäten auf vielen Kanälen, konnte ihn bereits kurz treffen und schätze seine Meinung sehr. Darüber hinaus halte ich ihn für einen sehr guten Schreiber und möchte hier deswegen auf seinen kürzlich veröffentlichten Text “Schmeißt Eure Pressemitteilungen weg!” verweisen, den ich für absolut lesenswert halte und dessen Kernaussage ich in den meisten Fällen sofort unterschreiben würde:

…Wo der ausgelaugte Medien-Mainstream herrscht, ist selbst für gute PR kaum noch Platz. Bald muss man sich als PR-Verantwortlicher fragen, ob es überhaupt so attraktiv ist, gute Themen immer schlechter werdenden Medien anzudienen. Ein gutes Thema in einem schlechten Medium entwertet vor allem das Thema…

Guter PR muss es heutzutage gelingen, jene besondere Sprache zu sprechen, deren Verlust man bei den Medien so beklagt. Wenn sich die Medien nicht trauen, Ecken und Kanten zu haben, so muss die PR den Mut haben, neue und eigene Wege zu gehen…

Schmeißt Eure Pressemitteilungen weg. Geht Euren eigenen Weg. Dann werden sie Euch folgen.

Eine extrem wichtige Voraussetzung für das Gehen eigener Wege, das Beschreiten von noch nicht ausgetretenen Pfaden und der Findung neuer medialer und vor allem inhaltlicher Formate für (Wissenschafts-)Kommunikation dürfte dann also neben der Einstellung der PR-Profis vor allem der Mut und eine gewissen Risikobereitschaft der obersten Entscheider sein. An innovativen Ideen mangelt es aus meiner Sicht selten – wenn sie auch nicht immer in den Führungsetagen zu finden sind, sondern ein wenig weiter die Hierarchieleiter hinunter!

OT: Podcasting – wir mäandern schon eine Weile

Podcasting hat sich, wie ich an vielen Stellen ja schon erwähnte, zu einer Leidenschaft von mir entwickelt – massiv beim Hören, als auch immer mehr beim selber Podcasten. Heute ist die aktuellste Folge des kleinen Podcastprojekts, das ich mit Christian zusammen betreibe, online gegangen. Unter Collaborativerockers.de sind wir mittlerweile bei Folge 13 angelangt und haben einen wilden Ritt durch alle möglichen Themen hinter uns. Wir haben uns inzwischen eingespielt, auch wenn das Lernen nie aufhört und das Basteln am Audio-Setup sowieso nie. Es ist also noch viel Luft nach oben. ;-)

Collaborativerockers - Der Podcast

Dennoch sind die Collaborativerockers mittlerweile in einem Zustand, in dem ich frohen Mutes darauf verweisen kann. Es gibt sogar einige Folgen, die ich besonders empfehlen kann und hier tun möchte:

Soviel zur schamlosen Eigenwerbung. Jetzt gilt es weiter zu arbeiten und auch das zweite Podcast-Projekt auf den Weg zu bringen.

Gehabt Euch…wohl, im besten Fall!

P.S.: besagter Hinnerk aus Folge XII hat übrigens gerade ein mittelschweres Problem und könnte ein wenig Unterstützung gebrauchen.

Update: drüben bei Facebook kam übrigens von Christian (crK) der berechtigte Kommentar, dass sich auch die ein oder andere themenlose Folge ja nicht verstecken muss. Richtig so! ;-)

OT: Petition gegen Vorratsdatenspeicherung – Mitzeichnen!

Weil es ein wichtiges Thema ist und volle Unterstützung verdient, weise ich an dieser Stelle noch einmal auf die Petition gegen Vorratsdatenspeicherung hin, die man beim Bundestag mitzeichnen kann:

Petition: Strafprozessordnung – Verbot der Vorratsdatenspeicherung vom 15.03.2011

Vorratsdatenspeicherung stoppen

Derzeit steht die Petition bei 12.727 Mitzeichnern (auch ich habe unterschrieben) und läuft noch bis zum 06. Oktober 2011. Informationen zur Vorratsdatenspeicherung gibt’s bei Wikipedia, beim Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, unter zeichnemit.de und in diesem Video von @wortfeld.

Kurz verlinkt: Links rund um die Wissenschaft(skommunikation)

Momentan komme ich leider kaum zum Bloggen, das ist irgendwie doof, derzeit aber leider nicht zu ändern. Damit dies hier aber nicht allzu sehr brach liegt, gibt’s heute zum Wochenstart mal ein paar Leseempfehlungen die auch bei mir noch auf dem “Lesen!”-Stapel liegen.

Das Gemeinschaftsblog zu wissenschaftlicher Kommunikation im Netz. lohnt ja immer einen Blick und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es mal wieder Lesestoff gibt auf den ich beim Kollegen Heinz Pampel und seinen Mitstreitern gestoßen bin:

Im SciLog Gute Stube des Kollegen Carsten Könneker gibt’s drei monothematische, aber überaus spannende Beiträge zu Lesen. Bei den Lindau Nobel Laureate Meetings gab es eine ganz besondere Interview-Session, quasi eine Art wissenschaftsjournalistischer Rollentausch. Abseits des üblichen Prozederes traf sich dort nämlich eine illustre Runde aus fünf älteren Herren und sechs Doktoranden unter der Moderation vom nature-Kollegen Adam Rutherford. Das besondere daran: der Rollentausch, denn in diesem Interview befragten die gestanden Nobelpreisträger die Jungforschern. Herausgekommen ist ein ungewöhnliches Interview-Experiment, deren Highlights Carsten Könneker in drei Blogposts zusammenfasst (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Dr. Marc Dressler, Wissenschaftler und Journalist widmet sich in einem Beitrag dem Verhältnis von Wissenschaft und Bürgern. In seinem Beitrag “Von wegen demokratisierte Wissenschaft” (pdf) betrachtet er das Verhältnis von Wissenschaftsbürger und Bürgerwissenschaftler. via TELI-Blog

Bleiben wir bei den SciLogs, denn auch von Interactive Science gibt’s Neuigkeiten. Nach der Präsentation der Forschungsergebnisse der vier Teilprojekte des Forschungsverbundes Interactive Science an der Justus-Liebig-Universität Gießen ist nun auch der Sammelband „Digitale Wissenschaftskommunikation – Formate und ihre Nutzung“ erschienen und frei zugänglich. Heruntergeladen werden kann das 324 Seiten starke Pamphlet auf den Internetseiten der Giessener Elektronischen Bibliothek oder über diesen Link. Alle Achtung!

Zum Schluss gibt’s noch den kurzen Hinweis auf den gestrigen Blogpost von Lars Fischer, dem Fazit zu seiner erfolgreichen Online-Petition “Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen”. Glückwunsch Lars und danke für Deine Initiative!

All wired up!

Wie kürzlich im Beitrag versprochen, verblogge ich mein Setup und besonders meine Verkabelung mal hier und drüben bei den Collaborativerockers, sobald es funktional erscheint. Warum? Sharing is caring – ich hab ja auch genügend Tipps per Kommentar (danke @monoxyd), Mail (danke @nsemak) und aus anderen Blogbeiträgen (danke @holgi, @philipbanse, @timpritlove) erhalten. Zeit für mich etwas zurückzugeben und nach der gestrigen Aufnahme der neuen Collaborativerockers-Folge (die ich hoffentlich noch dieses Wochenende veröffentlichen kann) mal das funktionierende Setup aufzuschreiben.

Setup

Das gestrige Setup hat sich (zum ersten Mal wie ich zugeben muss) sowhl zur Aufnahme, als auch zum Streaming als tauglich herausgestellt. Im Einsatz hatte einen Desktop-Rechner auf dem Skype lief, ein Macbook Pro für die Aufnahme und das Streaming, ein zweites Notebook für Einspieler (könnte man sicher auch vom Macbook machen), ein Mischpult Behringer XENYX X1222USB ( für den Main Mix), ein Mini-Mischpult Behringer XENYX 502 für Skype, ein USB-Audio-Interface (Behringer UCA200), ein Headset Beyerdynamic DT297PV sowie einen Kopfhörerverstärker (Millenium HA-4).

Verkabelung

Auf dem Desktop-Rechner lief Skype (mit 2 Personen in Konferenzschaltung), das Signal läuft via USB über das Audio-USB-Interface via Cinch (in-out) in das Minimischpult X502 (CD/Tape To Mix ist aktiviert, Main Mix auf Stufe 0). Von dort aus geht das Signal über Main-Out via Cinch>Großklinke in den Mono-Line-In (Kanal 9/10) des großen Mischpult X1222USB (Gain in Mittelstellung, also auf 0).

Meine Stimme geht via Headset in den phantomgespeisten XLR-Eingang (Kanal 1), wobei der Gain etwas weiter als in Mittelstellung auf ist. Gleichzeitig ist der Kompressor etwas aufgedreht (eine Stufe nach 0).

Das zweite Notebook für die Einspieler gibt das Signal über den normalen Audioausgang (Kopfhörer) via Kleinklinke>Großklinke-Kabel in den Mono-Line-In (Kanal 11/12) des großen X1222USB – dabei ist der Gain auf Viertel-Nach-Stellung.

Zum Monitoring geht das Gesamtsignal über den Phones-Out-Ausgang des X1222USB via Großklinke>Großklinke in den Input des Kopfhörer-Verstärker und an einem der Output-Kanäle des Verstärkers hängt des Headset DT297PV.

Damit sich die Skype-User nicht selbst hören, aber alles andere (mich, Einspieler, etc.) habe ich das n-1 Signal über die Aux-Regler des X1222USB geregelt. Dabei ist der Aux-Kanal meines DT297PV (Kanal 1) auf Viertel-Stellung, der Aux-Kanal des Desktop mit Skype (Kanal 9/10) ist auf Nullstellung und der Aux-Kanal des zweiten Notebooks für die Einspieler (Kanal 11/12) ist ebenso auf Viertel-Stellung. Das ganze geht dann über MON SEND via Großklinke>Kleinklinke zurück in den Line-In des Desktop-Rechners, der dann als Input für Skype eingestellt wird.

Das große Mischpult X1222USB mixt dann Skype, Einspieler und mein Mikrosignal zusammen und das ganze geht via USB in den Mac. Aufgenzeichnet habe ich mit Garageband und gestreamt hätte ich mit Nicecast. Im Test hat das Streaming auch ganz gut funktioniert, leider konnten wir im Podcast dann nicht mehr streamen, da Nicecast in der kostenlosen Version nach 60min nur noch Geräusch sendet. Für mehr als 60min Streaming muss ich wohl mal die 40$ in die Vollversion investieren.

Ich habe gestern Abend noch einmal in die finale Aufnahme reingehört und sie klingt anständig. Ich hab sie natürlich noch nicht zu Ende gehört, wer weiß was sie noch für Überraschungen bereithält. Aber dieses Setup und Verkabelung macht mir alles in allem einen recht funktionalen Eindruck.

Next

Die nächste Mission ist es nun mit diesem oder einem veränderten Setup eine Multitrackaufnahme hinzubekommen. Geht das überhaupt, wenn der Main-Mix nur über eine einzelne USB-Schnittstelle in den Rechner geht? Mal sehen…

Ausserdem wird wohl beim nächsten Mal das Zoom wieder als Aufnahmesicherung mitlaufen – sicher ist sicher. Dürfte sich ja leicht bewerkstelligen lassen, einen der Ausgabekanäle (es sind ja noch zwei XLR-Main-Out verfügbar) ins R16 zu tun.

Tipps, Hinweise oder Sonstiges ist natürlich wie immer gern in den Kommentaren gesehen. Grüße in den Äther!

P.S.: ich werde in den kommenden Tagen noch eine Skizze nachreichen um das ganze mal zu visualisieren – sozusagen mein eigenes, kleines, stümperhaftes Signalfluß- und Belegungsdiagramm…oder so. ;-)

Bildrechte:
Oberstes Bild eigene Aufnahme // mittleres und unteres Bild ©Behringer

Öffentlicher Wissenschaftler

Wir alle wissen, dass Wissenschaft nicht durch Hokuspokus betrieben wird, sondern durch fleißige Menschen, die hinter den Kulissen emsig forschen. Nur ein Bruchteil dieser Menschen tritt in die (mediale und damit breite) Öffentlichkeit, denn nur ein Bruchteil der Forschungsergebnisse dieser Welt dringen in medienwirksame Sphären vor. Viele andere Forscher bleiben lange, wenn nicht gar immer im Hintergrund. Dies allerdings ist ein Zustand, den man meines Erachtens ändern kann und sollte, wie ich mit dem anstehenden Podcast-Projekt versuchen möchte. Doch mit den uns mittlerweile zur Verfügung stehenden Web 2.0 Werkzeugen haben auch die Wissenschaftler selbst die Möglichkeit ihre öffentliche Wahrnehmung zu beeinflussen.

Wie, das zeigte Christian Spannagel am Anfang der Woche im Rahmen eines Vortrags für die Nachwuchsforschergruppe “Wissenschaft und Internet” an der Heinrich Heine Universität Düsseldorf. Seit gestern ist die Videoaufzeichnung des Vortrags auf den Webseiten der Uni verfügbar (leider nicht zum Einbetten angeboten). Hilfreich beim Ansehen sind weiterhin die Mitschrift von Oliver Tacke, der Wikiversity-Eintrag von Christian selbst und nicht zuletzt seine Vortrags-Prezi.

Es gibt einen aus meiner Sicht besonders spannenden Satz von Christian in seinem Vortrag: “…weil sich mein Wissenschaftsbegriff  in den letzten ein, zwei Jahre ohnehin stark verändert hat.” Das ist ein Statement das man in dieser oder ähnlicher Weise in letzter Zeit häufiger einmal vernehmen kann. Hierzu empfehle ich durchaus mal in ältere Artikel von Christian zu schauen (z.B. diesen oder diesen) oder sich durch seine Links zu Öffentlicher Wissenschaft zu wühlen.

Von meiner Seite dürfte es ruhig noch sehr viel mehr öffentliche Wissenschaftler vom Format eines Christian Spannagel, Oliver Tacke, Florian Freistätter oder Jan Schmidt geben.

Mysterium: Sound und Technik

Drüben bei den Collaborativerockers hab ich gestern mal das Aufnahme-Setup beschrieben. Dieses Setup werde ich auch für den an dieser Stelle geplanten Podcast nutzen, daher beschreibe ich das Ganze auch hier noch einmal im Crossposting:

Es kommen sporadisch immer mal wieder Fragen bezüglich des Setups. An vielen anderen Stellen (z.B. hierhierhierhier und hier) ist ja auch schon was dazu gepostet worden – und dann sicher schon einiges informativer und qualitativ hochwertiger als bei uns, was uns nicht abhalten soll – ich denke aber, es kann nicht schaden, wenn wir es dem gleichtun. Das Internet kann ja nicht voll genug mit Tipps für zukünftige Podcaster sein. Daher gibt’s jetzt mal einen kurzen Post dazu, was wir benutzen und wie wir es benutzen bzw. benutzen wollen. Zuvor sollen aber ein paar Dinge nicht ungenannt bleiben:

  1. Wir sind Amateure.
  2. Wir verdienen kein Geld mit dem was wir hier tun und haben auch nicht den Anspruch dies zu tun. Dennoch wollen wir eine gute Qualität.
  3. Auch wir sind noch einiges entfernt von dem Setting und der Qualität, die wir uns vorstellen. Besonders das größere Mischpult stellt mich noch vor einige Herausforderungen, was Kanäle und Signalwege angeht.
  4. Wir benutzen maßgeblich Amateur-Equipment, das sich so nach und nach angesammelt hat.
  5. Die Herausforderung liegt nicht unbedingt im Equipment, sondern in der Verkabelung, um z.B. eine reine n-1 Aufnahme zu erzielen.

Das Equipment

Die Verkabelung (Setup)

Momentan (erwiesenermaßen funktionierendes Setup) laufen die Headsets in das R16, hinzu kommt die Audiospur aus dem Rechner (auf der Interviewpartner via Skype läuft) und ein zweites Audiogerät für Einspieler (MP3-Player oder zweiter Rechner) auf jeweils einem eigenen Kanal. Aufgenommen wird dann wahlweise auf dem R16 (8GB SD) oder das R16 fungiert als USB-Audio-Interface und aufgenommen wird auf einem Rechner. Dieses Setup bringt jedoch die Nachteile mit sich, dass ich via Skype kein schönes Signal zurückgeben kann (kein mix minus 1) und dass die Audioqualität der Einspieler von den genutzten Geräten und Kabeln beeinflusst wird.

In Zukunft soll es aber einen klare “mix minus 1″ (N-1) Aufnahme geben, dafür soll der große X1222-Mixer herhalten. Bei diesem dürfte man eigentlich über die verschiedenen Aux-Einstellungen auch einen solchen Mix erzeugen können. Somit dürfte sich das Problem mit dem Rücksignal für Skype, als auch mit einem qualitativ guten Main-Mix-Signal für die Aufnahme und Streaming meistern lassen.

An dieser Stelle probiere ich gerade herum. Das Ergebnis werde ich hier auf jeden Fall dokumentieren und wenn sich ein funktionales Setup und Wiring gefunden hat, dann stelle ich es hier auch gern detailliert dar. An dieser Stelle sind wir natürlich ebenso dankbar für Tipps und Tricks jeder Art (immer rein in die Kommentare)!

Die Audiobearbeitung (Postprocessing)

Bisher kam für die Bearbeitung immer Audacity und CNC Levelator zum Einsatz, damit fährt man auf jeden Fall nicht allzu schlecht. Mit dem neuen Equipment (gerade das X1222 und das MacbookPro) probiere ich gerade einige andere Software aus. Hier mal einen kleine Liste

Von den Schritten her ist’s bisher auch recht grundsätzlich: hinten und vorn die Luft wegschneiden, Normalisieren, Komprimieren, Normalisieren, Ausspielen in WAV oder AIFF (für Levelator), Auspegeln (Levelator), Ausspielen in MP3.

Wie schon gesagt, das gesamte Setup und Processing (Verkabelung, Signalwege, Nachbearbeitung) ist noch im Probierstadium. Sobald wir eine taugliche Variante gefunden haben, wird diese hier verbloggt. Für Tipps sind wir aber immer dankbar!

Ganz zum Schluß ein Tipp, den alle Podcaster und Podcastfans sehr wahrscheinlich schon kennen, der hier aber trotzdem nicht unerwartet bleiben soll: Der Lautsprecher. In Kurzform: Tim Pritlove erklärt die ganzen vielen Aspekte des Podcastings. Und zwar Stück für Stück.

Natürlich bin ich auch an dieser Stelle hier im Blog für Hinweise und/oder Tipps in den Kommentaren dankbar!