Schmieriger Abgang von Shell beim Berliner Science Slam

Was kann schon schiefgehen, wenn ein Mineralölkonzern wie Shell eine PR-Agentur wie Burson-Marsteller beauftragt einen Science Slam auszurichten?

Erstens: der Verdacht des Greenwashings liegt extrem nah.

Zweitens: die auftretenden Forscher nutzen die Gelegenheit sich mit ihren Vorträgen direkt gegen den Mineralölriesen und seine verantwortungs- und gewissenlose Umwelt- und Sozialpolitik zu wenden.

Und drittens: einige Forscher gehen noch weiter und hacken das Event bis zum Abbruch wie bei Metronaut zu lesen ist:

Den krönenden Abschluss machte ein Aktivist, der eine Maschine mitgebracht hatte, die als CO2-Rückgewinnungexperiment getarnt war. Die Maschine verspritzte schwarzen Ölschlamm auf Bühne und Publikum – und brachte die hässliche Fratze des 500-Milliardenkonzerns direkt ins hippe PR-Event im Berliner Tempodrom. … Bei Science Slams entscheidet das Publikum darüber, wer den Preis gewinnt. Es entschied sich für den Aktivisten mit dem Ölschlick. Doch die Veranstaltung wurde abgebrochen…

Lesenswertes rund um Open Science

Ich beschäftige mich ja nun seit einiger Zeit auch verstärkt mit Open Science. In der Tat hat sich mein Fokus ein wenig weg von Wissenschaftskommunikation hin zu Open Science in all seinen Facetten verlegt. Vielleicht macht auch dieses Blog ein Stück weit diese Entwicklung mit, allerdings habe ich genug andere Orte wo ich dazu schreibe und podcaste, sodass dieses Blog hier weiter ein bunter Strauß zu allerlei verschiedene Themen rund um Kommunikation und Wissenschaft bleiben soll.

Das Thema Open Science steht jedenfalls bei mir recht zentral in meinem Interessensfeld und findet ausreichend Platz in einem meiner Podcasts, dem Open Science Radio, aber auch in meinem Blog Offene Wissenschaft. Gerade in letztem habe ich kürzlich damit begonnen die lesenswerten Links aus meinem Feedreader auch dort kommentiert zu empfehlen:

Ich lese viel. Sehr viel. Leider komme ich bei weitem nicht dazu all die Informationen die ich lesend aufnehme entsprechend weiterzuempfehlen, sei es als Tweet, Post oder Blogpost. Das möchte ich allerdings ändern und gleichzeitig dieses Blog hier wieder ein bißchen beleben.

Also habe ich meinen Feedreader als Grundlage genommen, in dem sich mittlerweile gut 400 Abonnements von Blog-RSS-Feeds  zu allen möglichen Themen befinden. Empfehlenswerte Links teile ich als Bookmarks zu Pinboard und kommentiere sie in der Regel, damit deutlich wird warum ich diese empfehlen und dies hier nicht all zu sehr als “automatische Linkschleuder” funktioniert. Sobald dort 3 Links mit entsprechendem Tag vorliegen, zieht sich das WordPress-Plugin Postalicious diese Links und postet sie.

Wenn Euch dies stört oder nervt, dann lasst es mich wissen, dann denke ich darüber nach die Linkempfehlungen vielleicht in einen eigenen RSS-Feed zu packen, damit sie diesen Blogfeed nicht unnötig verstopfen. Ich werde natürlich weiterhin auch “richtige” Posts hier verfassen.

Darüber hinaus hat sich kürzlich eine kleine Kooperation mit den Kollegen von der österreichischen Open Science Bewegung ergeben. Stefan Kasberger hat mich im Nachgang zu unserem Gespräch für das Open Science Radio gefragt ob ich nicht Lust hätte zu einer Art Newsletter bzw. monatlichen Blogpost beizutragen. Was ich spannend finde und fortan tun werde:

Wie heißt es immer so schön? Tue Gutes und rede darüber. Und auch wenn dieses Bonmot von diversen PR-Veranstaltungen dieser Welt zum Credo erkoren wurde (und nicht selten ad absurdum geführt wurde), trifft das doch besonders auf die Bereiche zu in denen man selbst aktiv ist, oder deren Aktivitäten man gern unterstützt. Von daher ist es mir ein Vergnügen mich redaktionell beim Monthly Sum-Up zum Thema Open Science zu beteiligen den die Kollegen Stefan Kasberger, Chris Kittel und Peter Kraker aus Graz in’s Leben gerufen haben. Und da darin auch noch einmal erklärt wird worum es geht, hier gleich die erste Ausgabe dieser monatlichen Edition, wie er am 11. Oktober drüben auf dem Open Science Blog der Kollegen Stefan und Chris erschienen ist.

Was so in letzter Zeit bei mir ins Internet fiel

funnel-speakerSo, für alle die es die Tage vielleicht verpasst haben (und natürlich die es auch interessiert), möchte ich auch hier mal einen Hinweis auf die Podcasts ablegen die ich den vergangenen zwei Woche veröffentlicht habe:

Bei den Transiente Sichten habe ich mit Martin Leonhardt vom freiheitenwelt.de Blog über das Reisen im Allgemeinen und seine gestern gestartete Weltreise im Speziellen gesprochen:

Ich würde gern reisen, viel reisen. Aber wie bei vielen anderen auch reduziert sich bei mir die Reisezeit in der Regel auf ein oder zwei Urlaube im Jahr. Das ist okay, ich würde mich aber auch freuen, wenn es mehr wäre. So wie mir, dürfte es vielen Menschen mit dem Reisen gehen. Dann aber wieder gibt es Menschen bei denen man fast sagen könnte, dass sie unterwegs daheim sind. Menschen, bei denen das Reisen elementarer Bestandteil ihrer Person ist. So ein Mensch dürfte Martin Leonhardt sein. Martin ist viel gereist, sowohl beruflich, als auch privat. Er reist auch gern mal mit dem Motorrad mitten im Dezember von Deutschland an’s Nordkap. Jetzt steht er wieder vor einer Reise, einer sehr langen Reise – es geht um die Welt. Nur ein paar Tage vor seinem Aufbruch habe ich mit ihm gesprochen. Natürlich über das Reisen.

Den Podcast gibt es hier: http://www.transiente-sichten.de/2013/10/freiheitenwelt-ts007/

Gestern habe ich bei den CollaborativeRockers unsere 30. Folge veröffentlicht. Wir haben mit Jakob vom Todescast über Wacken und den “Sell out des Metal Festivals” gesprochen:

Es ist schon ein bißchen her, dass die Herren crK und crM ihre Kadaver auf ein Festival geschleppt haben. Dennoch geht uns das Thema nicht am Allerwertesten vorbei, wir beäugen jedes Jahr auf’s Neue die anstehende Festivalsaison. Bei der Verbindung von Metal und Festivals dürfte eine der ersten Assoziationen natürlich das Wacken Open Air sein. Und da wir erstens bereits selbst einige Male auf Wacken waren, zweitens im nächsten Jahr wieder auf Wacken sein werden und drittens immer mal wieder über Wacken reden (z.B. über dessen Ausbau und Kommerzialisierung) haben wir gedacht, dass wir doch mal ausführlich darüber “On Air” sprechen könnten. Dazu haben wir uns Jakob als Verstärkung geholt, der bisher jedes Wacken mitgenommen hat und außerdem auch an Bord der Full Metal Cruise war. Wir waren alle etwas angeschlagen, wünschen aber trotzdem viel Spaß! \m/

Den Podcast findet Ihr hier: http://www.collaborativerockers.de/2013/10/folge-xxx-world-wide-wacken-cr030/

Bereits in der vergangenen Woche gab es die sechste Folge Phonolog.fm in der wir mit Tobias Fleig über Kinotonproduktion gesprochen haben:

Tobias Fleig ist Tonmensch. Genauer gesagt, ist Tobias Mischtonmeister und sorgt für den guten Ton. Noch genauer gesagt, kümmert sich Tobias um die Vertonung vor allem von Kinofilmen. Das reicht uns eigentlich als Grund um ihn einmal einzuladen und mit ihm über dieses spannende Thema zu sprechen. Viel Spaß!

Das Ganze könnt Ihr hier nachhören: http://phonolog.fm/2013/09/phl006-der-gute-ton-im-kino/

Ebenfalls in der vergangenen Woche gab es die 12. Folge des Open Science Radio in der ich mit Stefan Kasberger über die Open Science Bewegung in Österreich gesprochen habe:

Bisweilen lohnt der Blick über die eigenen Landesgrenzen hinaus. Im Bereich Open Science tendiert man dazu seinen Blick dann gen Großbritannien oder in die USA zu richten. Aber auch bei den eigenen Nachbarn gibt es Bewegung zum Thema Open Science. Stefan Kasberger ist einer der aktiven Köpfe die sich dem Thema in Österreich annehmen. Er war in Berlin und wir haben die Chance genutzt und werfen einen gemeinsamen Blick auf die österreichischen Open Science Aktivitäten.

Hörbar ist das Ganze hier: http://www.openscienceradio.de/2013/09/osr012-open-science-in-oesterreich/

So, genug der Werbung. Weitermachen und danke für die Aufmerksamkeit!

Bild: Station Bullhorn von Nate Beaty auf flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

Bohemian Gravity!

Ich weiß, ich weiß…es war schon in jedem Blog, in jedem Twitter-Account und jeder Facebook-Timeline. Aber es ist einfach zu gut, um es hier nicht auch noch einmal zu bringen, denn Tim Blais hat sich extrem viel Mühe mit Text, Gesang und Video gegeben und dabei ein großartiges Stück Wissenschaftskommunikation “bottom-up” geschaffen. Wahrscheinlich hat er damit bloß seine Master Thesis verprokrastiniert, aber dennoch! ;-)

Übrigens hat Tim schon einmal einen ziemlichen guten A-Capella-Science-Song hingelegt, nämlich Rolling in the Higgs.

Interview zu allerlei Aspekten im Spannungsverhältnis Internet und Wissenschaft

Screenshot_sicherheitspolitikblogVor einiger Zeit fragte mich Andrea Jonjic ob ich Ihr im Rahmen eines kleinen Interviews für das sicherheitspolitik-blog ein paar Fragen rund um Internet und Wissenschaft, Open Science, Open Access, Wissenschaftscrowdfunding und der Wissenschaftsbloggerei beantworten könnte. Das habe ich selbstverständlich gern getan und das Interview ist heute erschienen.

Kommentare sind drüben gern gesehen! ;-)

Cosmos

Die 1980er Jahre haben neben Frisuren- und Modeverbrechen auch einiges an guter Musik hervorgebracht und nicht zuletzt auch großartige Fernsehserien mit wissenschaftlichem Hintergrund. Eine der besten war wohl Comos: A Personal Voyage in der der großartige Carl Sagan das Universum so verständlich zu erklären vermag wie kaum ein anderer.

Vor einiger Zeit schon gab es die fantastische Nachricht, dass die damals in 13 Teilen laufende PBS-Serie neu aufgelegt wird – Comos: A Spacetime Odyssey. Okay, ich vermute die Entscheidung war “recht leicht”, aber die Entscheidung für einen Nachfolger von Sagan dürfte schwierig gewesen sein, könnte ich mir zumindest vorstellen. Hier kommen wohl bloß die Großkaliber der Wissenschaftsvermittlung in Frage kommen – so jemand vom Schlage Brian Cox. Ich freue mich, dass FOX hier aus meiner Sicht eine sehr gute Entscheidung getroffen hat und Neil DeGrasse Tyson für den Job gewinnen konnten, jenen Astrophysiker und Wissenschaftskommunikator der, ähnlich wie Sagan, in einer unendlich eloquenten, aber sehr unterhaltsamen und manchmal sogar spitzen Art und Weise die kompliziertesten Dinge zu erläutern vermag. Auf der Comic Con gab es jetzt den ersten Trailer zu sehen, die Serie selbst soll 2014 auf die Bildschirme kommen.

Ach ja, noch eine kleine Kostprobe eines echten “Degrasse Tyson” aus seinem sehr zu empfehlenden Buch Death by Black Hole:

“[I]f an alien lands on your front lawn and extends an appendage as a gesture of greeting, before you get friendly, toss it an eightball. If the appendage explodes, then the alien was probably made of antimatter. If not, then you can proceed to take it to your leader.”

NASA und ESA gehen mit offener Kommunikation voran

Die NASA macht uns – wie ich persönlich zumindest finde – seit einigen Jahren einiges vor in Sachen Wissenschaftskommunikation, wissen sie doch diverse Social Media Kanäle auf fast schon natürliche Art und Weise in ihre Kommunikation einzubinden. Flickr, Facebook, Youtube, UStream, Twitter…all das nutzt die NASA, oder lässt es ihre Astronauten und irdischen Wissenschaftler beinahe freimütig-anmutend nutzen.

Wie sehr das Unternehmen die Möglichkeit im Social Web offene und transparente Kommunikation zu betreiben auch nutzt, lässt sich an einem aktuellen Beispiel drüben im Blog bei Marco Trovatello nachlesen. Nach einer Störung am Raumanzug von ESA-Astronaut und derzeitigem ISS-Bewohner Luca Parmitano während seines Spacewalks brach die NASA den Livestream nicht ab, sondern ließ ihn weiterlaufen. Dieser offene Umgang mit dem Scheitern (hier anhand einer abgebrochenen Aufgabe) und das Erleben eines professionell agierenden Teams ist in der Wissenschaftswelt bei weitem nicht Usus. Es lässt sich aber hoffen, dass ein solches Vorgehen nicht nur in der Raumfahrt Schule macht.

Apropos Astronauten und offene Raumfahrtwissenschaftskommunikation (äh…naja, man entschuldige mir dieses Wortmonster) – auch die ESA fühlt sich zusehends wohl im Social Web und weiß dessen Kanäle mittlerweile konsequent, interessant und unterhaltsam zu bespielen. Unter anderem bloggt und twittert besagter ESA-Astronaut Luca Parmitano (wie viele andere Astronauten auch). In seinem aktuellsten Blogpost beschreibt er seinen Spacewalk:

…Galvanized by the challenge before me, I almost forget where I am: just at the prow of the ship, and with the whole ISS behind me! When the sun rises once again I am almost overwhelmed by what I see…

Wie viel näher kann man dran sein?! Großartig!

Und weil es so schön ist:

Bloggen und Podcasten ist leicht und geht nebenbei…

…würde ich nie sagen, denn mir fällt das alles andere als leicht. Das mag allerdings zum Teil auch daran liegen, dass mein Leben (bzw. die Zusammensetzung aus Job, universitären Verpflichtungen, diversen Projekten, und schlußendlich auch Freizeit) eher einer Zettelsammlung ähnelt. Ihr wisst schon, solch einem Sammelsurium an handgeschriebenen, oder eher gekritzelten, Zettelchen die typischerweise unsere Großmütter unter der Häkeldecke nahe ihrem angestammtem Thron..ähm Sessel…aufbewahren, und auf denen dann tausend Stichworte, Telefonnummern, Daten, Einkaufsnotizen und nicht zuletzt auch Aufgaben stehen. Das alles sieht von außen nach einem fürchterlichen Chaos aus, ist aber für die Oma ein perfektes Ablagesystem – leider nur mit dem kleinen Manko, dass es manchmal ein wenig Zeit braucht, damit die notierte Milch und die 10 Eier auch wirklich gekauft und Aufgaben erledigt werden.

Naja, so, oder so ähnlich ist’s auch mit meiner “Zettelwirtschaft” auf der sich tausend kleine Dinge finden die noch erledigt werden wollen. Leider gibt es Zeiten in denen sich andere Aufgaben als dringlicher erweisen und alles andere zurückstehen muss. So eine Zeit ist gerade, darum ist es hier und an anderen Stellen auch ziemlich ruhig geworden, selbst das Open Science Radio schweigt derzeit. Aber das wird sich wieder ändern, versprochen!

tl;dr: Ich lebe noch und plane nicht die Finger von Bloggerei und Podcasterei zu lassen. ;-)

SciCamp – Wissenschaft im Netz (#widsc)

Am kommenden Wochenende findet in Berlin, genauer gesagt im co-up Coworking Space, das 3. SciCamp von Wissenschaft im Dialog statt und ich gehe hin. In diesem Blogbeitrag möchte ich meine persönliche Vorbetrachtung darlegen.

Was das SciCamp ist?

Das Scicamp zum Thema „Wissenschaft im Netz“ beschäftigt sich mit der Frage, wie Wissenschaft im Internet präsentiert und vermittelt werden kann und welche Möglichkeiten das Internet der Wissenschaft bietet.

Dabei soll nicht (mehr) über Sinn und Unsinn von Social Media geredet werden. Vielmehr geht es um gute Inhalte und Möglichkeiten, die das Internet nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der Wirtschaft, Kunst und Kultur, sowie der Kreativ- und Webszene bietet. Die Veranstaltung dient dem ressortübergreifenden Erfahrungs- und Ideenaustausch der Teilnehmer.

Den genauen Ablaufplan und die konkreten Inhalte der Veranstaltung bestimmen die Teilnehmer selbst vor Ort. Ihr kennt interessante Leute mit spannenden Themen, über die ihr gerne mehr erfahren und diskutieren möchtet? Ladet sie ein, denn das Scicamp lebt von eurer aktiven Teilnahme!

Ich hab hier im Blog ja schon in diversen Beiträgen bemängelt, dass die Wissenschaft das Potential das das Netz bietet nur geringfügig ausnutzt. Schade eigentlich, denn die Vielfalt der Aktionen ist nahezu unendlich. Klar muss man sich da erst reinfinden, das Potential entdecken und für sich entscheiden in welcher Form einem das zuträglich sein kann, oder auch nicht. Da hat sich in den vergangenen Jahren auch einiges getan und wir sehen hier und da tolle Aktionen. Aber immer noch vernimmt man in den gängigen “Branchenveranstaltungen” die ewig gleichen Diskussionen rund um Argumente wie “…das Internet ist ohnehin nur etwas für Digital Natives…”, “…ich habe keine Zeit mich da einzuarbeiten…”, “…ich nutze selbst kein Facebook, Twitter, Instagram, [you name it], also ist das für meine Zielgruppe auch nicht sinnvoll…”, “…komplexe Wissenschaft kann man nicht auf Youtube vermitteln…”, und so weiter. Sehr vertraut ist einem auch die ewige und mittlerweile fast bedenkenträgerisch “mantraisierte” Frage nach dem ROI. Genau diese Frage, die ja eigentlich aus einer unternehmenslenkerischen Motivation heraus gestellt wird, wird meines Erachtens nicht selten vorgeschoben, um sich mit manchen Themen gar nicht erst tiefergehend beschäftigen zu müssen. Das Ergebnis jedenfalls ist, dass diese Frage, wenn sie schon in frühen Phasen abwehrhaltungsartig vorgeschoben wird, nicht selten jegliche Vorhaben schon im Keime erstickt. Viel schlimmer noch, sie nimmt den Mitarbeitern die Motivation überhaupt kreative Energie in die Entwicklung neuer Ideen zu stecken. Und das ist grausam!

Daher kann ich nur immer wieder den ewig gleichen Aufruf fordern, den ich natürlich auch sehr gern als Forderungen formuliere:

  1. Traut Euch!
  2. Nutzt eine der essentiellen wissenschaftlichen Methoden: experimentiert!
  3. Habt Spaß!
  4. Wenn irgendetwas nicht auf Anhieb oder gar nicht funktioniert, steht dazu! Scheitern ist ein der Wissenschaft inhärenter Prozess! Das transparent zu tun, steigert nur Eure Authentizität!
  5. Versucht Euch neue Zielgruppen zu erschließen!
  6. Unterschätzt bestehende Zielgruppen nicht!
  7. Habt Spaß!
  8. Geht nicht blauäugig an die verschiedenen Kommunikationsformen, Kanäle, Medien, oder Formate heran, sondern investiert etwas Zeit, um Euch damit vertraut zu machen und zu entdecken wie Ihr und Eure Organisation in den Kanälen Mehrwerte schaffen könnt!
  9. Schaut in Euren eigenen Reihen und Häusern, ob es begeisterungsfähige Menschen für die Kommunikation im Netz gibt, anstelle Euch bei großen xyz-Agentur für viel Geld eine Schubladenlösung zu kaufen. Es ist natürlich überhaupt nicht verwerflich sich Unterstützung aus Agenturen zu holen – aber nehmt Eure eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit auf diesen Weg!
  10. Habt Spaß!

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass ich das hier sehr einfach und überspitzt formuliere. Ich will damit auch nicht respektlos erscheinen. Und es ist mir ebenso bewusst, dass nicht jede Wissenschaftsorganisation jeden Kommunikationsweg im Netz für jedes Projekt nutzen muss! Was ich bloß grundsätzlich sagen will ist, dass Ihr Euch Chancen vergebt, wenn Ihr das Medium Internet und seine Möglichkeiten für Euch nicht ausführlich auslotet! Es gibt Organisationen die das tun, und zwar sehr gut tun. Diese erhalten die Aufmerksamkeit, speziell einer sehr wichtigen Zielgruppe die für alle Wissenschaftsorganisationen gleichermaßen wichtig sein sollte: Nachwuchs!

Also beschäftigt Euch damit und startet zumindest Versuchsballons! Sonst tun es andere und ziehen im Zweifel an Euch vorbei!

Ach ja, ich habe zwar nicht so viel Zeit, aber Ihr wollt Beispiele für tolle Wissenschaftskommunikation im Netz? Hier kommen einige die mir da spontan einfallen:

Audio

Video

  • Das Curiosity-Video “Challenges of Getting to Mars: Curiosity’s Seven Minutes of Terror” von JPL/NASA, weil es unglaublich dicht erzählt ist – spannend, ohne an wissenschaftlicher Qualität zu verlieren.
  • Vom Royal Observatory Greenwich gibt es “Measuring the Universe” – dieser Animationsfilm führt leicht verständlich das komplizierte, weil nur schwerlich vorstellbare Größenverhältnis des Universum vor.
  • Ein großartiges, sehr simples Meta-Wissenschaftsvideo kommt von Kevin Zelnio und Mindy Weisberger, die über Twitter mit dem Hashtag #IamSciene fragten warum man Wissenschaftler ist (hier das Storify dazu). Die Antworten haben sie in einem Video zusammengetragen, das zwar selbst keine wissenschaftlichen Zusammenhänge erklärt, aber dennoch eine tolle Meta-Botschaft enthält.
  • Das Umweltbundesamt hat ein Video zum Emissionhandel gemacht, das wirklich gut auch die thematischen Zusammenhänge von Emissionen, Ökosystem und wirtschaftspolitischen Systemen verdeutlicht.
  • Schön gemacht finde ich auch “Transit of Venus” von Lab Camera Action in dem Andrew Steele (Univ. of Oxford) den Venustransit erklärt.

Text

Was all diese Dinge bringen? Öffentliche Information und Aufmerksamkeit seitens der Menschen die es sich zu erreichen vielleicht lohnt!

Also, wenn Euch dieses Thema interessiert, dann könnt Ihr Euch noch zum 3. SciCamp anmelden. Das könnt Ihr ganz einfach entweder direkt auf der SciCamp-Website (dort gibt es übrigens auch die Dokumentationen der ersten beiden SciCamps) oder in dem dazugehörigen Facebook-Event.

Ich jedenfalls freue mich auf den Austausch, besonders auf den Austausch abseits der bedenkenträgerisch geführten Debatte, dafür lebhaft anhand toller Beispiele! Wir sehen uns dort!

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Rum.Gelaber

Bild von rumgelaber.de

Ich war Anfang der Woche bei Lars Reineke im Rum.Gelaber Podcast zu Gast. Vom Namen ausgehend ließe sich hier sicher eine eher sinnbefreite Schnackerei zweier Personen vermuten, aber Lars schafft es in der Regel doch immer wieder interessante und alles andere als sinnlose Gespräche mit seinen Gästen zu führen.

Ob das auch uns gelungen ist, überlasse ich dem Urteil anderer. Wir haben jedenfalls fast 2 Stunden lang über eine ganze Reihe von Themen gesprochen, darunter unter anderem auch über Gespräche in verschiedenen Kanälen, Gesprächsführung im Allgemeinen, das Bloggen und natürlich auch über das Podcasting (wo ich ein bißchen meine kleinen Podcastproduktionen aufdröseln durfte).

Zum Podcast geht es bitte hier entlang.

Mir hat’s Spaß bereitet, an der Stelle also noch einmal herzlichen Dank an Lars für die Einladung!